Gruseln ist angesagt. "Harry Potter"-Darsteller Daniel Radcliffe lehrt das Publikum in "Die Frau in Schwarz" das Fürchten. Besser gesagt, er gibt sich redlich Mühe. Aber die Kino-Adaption von Susan Hills gleichnamigen Roman erschöpft sich im Herunterspulen eingängier Genre-Klischees.

Ende des 19. Jahrhunderts: Der Londoner Advokat Arthur Kipps (Daniel Radcliffe) soll in einem verschlafenen Provinznest den Nachlass der kürzlich verstorbenen Besitzerin von Eel Marsh House auflösen. Kaum in dem finsteren Herrenhaus eingetroffen, spürt er, dass hier einiges mit merkwürdigen Dingen zugeht. Bei seinen Nachforschungen über das Schicksal der Verstorbenen gräbt er sich immer tiefer in die dunklen Geheimnisse des Dorfs. Als ihm immer wieder eine mysteriöse schwarz gekleidete Frau erscheint, beginnt er zu ahnen, dass er grauenvollen Ereignissen auf der Spur ist.
“Die Frau in Schwarz” ist nach dem Survival-Schocker “Eden Lake” erst James Watkins zweite Regiearbeit. Von Unerfahrenheit trotzdem keine Spur. Der Brite hat das Gruselmärchen mit einer geradezu klinischen Sauberkeit inszeniert, sodass der Streifen als Lehrstück für angehende Horrorfilmer durchgehen könnte. Sein Film eine Reminiszenz an das Gruselkino der 50er und 60er Jahre. Watkins Inszenierung lehnt an Klassiker des “Gothic Horrors” aus den 1950ern wie “Dracula” (1958) oder “Frankensteins Fluch” (1957) an.

Ein düsteres Spukhaus, Grabsteine, Nebelbänke und der geschickte Einsatz von Kamera und Schnitt sind die Zutaten für seinen Spukthriller, der dem Zuschauer in mancher Szene das Blut in den Adern gefrieren lässt. Leider haben Gänsehaut erzeugende Szenen wie der kollektive Selbstmord dreier scheinbar hypnotisierter Mädchen zu Beginn Seltenheitswert.
Was überwiegt, ist das langweilige, weil durchschaubare, Detektivspiel des Protagonisten. Daniel Radcliffe spielt den smarten Anwalt Kipps mit einer gesunden Prise britischen Humors und stellt ganz nebenbei unter Beweis, dass er mehr drauf hat, als einem populären Zauberlehrling sein Gesicht zu leihen. Die glanzvolle Magie, die ihn in der Rolle des Zauberlehrlings umstrahlte, lässt er in der Rolle des bieder-ernsten Advokaten jedoch vermissen. Dass sich der Ausgang des Plots nach etwa einer Stunde leicht erahnen lässt, macht den Film auch nicht besser. Die überraschende Wende am Schluss bleibt leider aus.

Großbritannien 2012: R: James Watkins, D: Daniel Radcliffe, Ciarán Hinds, Janet McTeer, 95 Min, FSK 16.

Offizieller Filmstart ist der 29. März, bereits am 23. März in der Nacht-Preview um 23 Uhr im Cinestar zu sehen.

Die Seite zum Film:
www.frauinschwarz-derfilm.de

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