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„Von der Banalität des Bösen“: Ergreifendes Portrait von Hannah Arendt ab Donnerstag im Kino

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    Philosophin, politische Theoretikerin, Publizistin. Das Werk Hannah Arendts könnte vielschichtiger nicht sein. 1933 floh die Jüdin im Alter von 16 Jahren vor den Nazis. Erst nach Frankreich, 1939 schließlich nach New York. Autorenfilmerin Margarethe von Trotta hat ein interessantes Portrait von der Frau inszeniert, die sich trotz ihrer deutschen Wurzeln nie als Deutsche begriffen hat.

    1961: Arendt soll im Auftrag der Zeitung „The New Yorker“ in Israel den Prozess gegen Adolf Eichmann beobachten. Die anerkannte Autorin möchte anhand der Verhandlung das Handeln und den Charakter eines verantwortlichen Nazis verstehen. Akribisch protokolliert sie das Verfahren, auf das die ganze Welt blickt. Ihre Erfahrungen verarbeitet sie in mehreren Artikeln. Später entsteht aus ihnen Arendts berühmtestes und zugleich umstrittenstes Werk „Eichmann in Jerusalem – Ein Bericht von der Banalität des Bösen“.
    Die Darstellung des Angeklagten stößt auf ein zwiespältiges Echo. Die Schriftstellerin sieht in dem Nazi-Bürokraten nicht das große Monster, sondern einen Täter, der seine Befehle erhalten und unreflektiert ausgeführt hat. Eine Erkenntnis mit weitreichenden Konsequenzen: Freunde sagen sich von Arendt los, sie wird geächtet und ausgegrenzt. Doch die Publizistin bleibt standhaft. Sie möchte verstehen, auch wenn dies bedeuten sollte, Gedanken dorthin zu führen, wo sie wehtun.

    Nach Gudrun Ensslin und Rosa Luxemburg porträtiert von Trotta erneut eine prägende Frau der deutschen Geschichte. Im Gegensatz zu Ensslin und Luxemburg hat Arendt nie auf der politischen Bühne gewirkt. Doch ihr Werk hat bis heute ganze Generationen von Philosophien und Politikwissenschaftlern beschäftigt. Von Trotta scheint vor allem ihre Standhaftigkeit zu faszinieren. Jede noch so schmutzige Kampagne konnte Ahrendt nicht beirren. Die Filmemacherin fokussiert sich in ihrem Portrait auf Arendts Beobachtung des Eichmann-Prozesses und den Kontroversen um ihre Berichterstattung. Andere Aspekte ihres Werks kommen nur randläufig zur Sprache.
    Deshalb begreift sich der Film nicht als klassische Biografie, sondern als Portrait einer mutigen Frau, die auf der Suche nach Verständnis ihren jüdischen Zeitgenossen einerseits erzürnt, doch andererseits auch so manches Auge geöffnet hat. Ein interessanter Ansatz. Barbara Sukowa spielt die Protagonistin obendrein mit einer Hingabe, dass man glauben könnte, sie sei mit ihrer Rolle vollends verschmolzen. Wäre da nicht die Gewissheit, dass Arendt 1975 verstorben ist, könnte der Zuschauer Schwierigkeiten gekommen, Sukowa und die Philosphin auseinanderzuhalten. Ein besserer Glücksgriff konnte von Trotta gar nicht gelingen. „Hannah Arendt“ ist gewiss keine leichte Kost. Dafür eine Sternstunde des deutschen Autorenfilms, bei der jeder Cent des Eintrittsgelds gut investiert ist.

    D/F/Luxemburg/Israel 2012, R: Margarethe von Trotta, D: Barbara Sukowa, Axel Milberg, Janet McTeer, Julia Jentsch, Ulrich Noethen, Michael Degen, 113 min, FSK 6.

    Filmstart ist der 10. Januar, zu sehen in den Passage Kinos.

    Die Seite zum Film:
    www.hannaharendt-derfilm.de

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