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Orgeln der Thomaskirche müssen zur Durchsicht

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    "Holen Sie sich für nur 3 Euro die Wattestäbchen-Box im Thomasshop, direkt neben der Thomaskirche." Na gut: Wattestäbchen gibt es natürlich billiger beim Drogeriemarkt. Außerdem sagen Ärzte, dass Ohren nicht mit Wattestäbchen gereinigt werden sollen. Darum geht es aber der Thomaskirche mit der Aktion nicht. Die Bach-Orgel soll nach 15 Jahren grundlegend gereinigt werde. Und auch die Sauer-Orgel braucht Hilfe. Beides geht nicht mit Wattestäbchen und kostet Geld.

    „Jedes Auto muss zum Check und auch eine Orgel muss ab und zu zum Check“, erklärt Thomasorganist Ullrich Böhme. In der Orgel sieht es nach seinen Worten im Augenblick aus wie in einer Wohnung, die 15 Jahre nicht gereinigt wurde: „Dieser Staub, der sich da ansammelt, beeinträchtigt die Funktionsfähigkeit und den Klang und die Stimmung.“ Nun hat die Bach-Orgel 4.300 Pfeifen. Da ist es also mit einem Staubwedel und einfachen Durchsaugen nicht getan: „Die müssen alle einzeln gereinigt werden und wenn sie gereinigt sind, müssen sie wieder eingebaut werden, dann müssen sie eingestimmt und nachintoniert werden.“ Im Augenblick sind es noch kleinere Verstimmungen. Bei einem größeren Stück mischt sich das, so dass immer noch ein guter Eindruck entsteht – aber beim genaueren Hinhören sind die Verstimmungen bereits erkennbar.

    Der Staub, der sich in der Orgel festsetzt, hat zwei Komponenten. Zum einen wirkt sich der Feinstaub aus, der durch den Autoverkehr in der Luft liegt. Zum anderen ist die Thomaskirche ein Touristenmagnet. Das ist natürlich schön, führt aber auch dazu, dass organischer Staub, also Hautpartikel, in der Luft liegen. Dieser führt zur Schimmelbildung, der wiederum das Holz in der Orgel angreift. „Es geht wirklich um den Erhalt eines solchen Wertes und das kann man nicht unendlich auf die lange Bank schieben. Wir hoffen, dass uns diejenigen unterstützen, die auch davon profitieren, dass hier im Grunde genommen rund um die Uhr Musik stattfindet“, betont Thomaspfarrerin Britta Taddiken. Nicht nur der Thomaskantor orgelt hier, sondern auch Studenten der Hochschule für Musik und Theater und andere Organisten. Ende August soll die Reinigungsaktion losgehen. Gerechnet wird damit, dass es zwei Monate dauert, bis alles in Ordnung ist.

    Thomasorganist Ullrich Böhme erklärt, was bei der Bach-Orgel getan werden muss. Foto: Ernst-Ulrich Kneitschel
    Thomasorganist Ullrich Böhme. Foto: Ernst-Ulrich Kneitschel

    Bei der Sauer-Orgel soll dann Anfang 2016 eine technische Arbeit stattfinden: bei der pneumatischen Technik, die zum großen Teil aus Ledermembranen besteht, sollen die Bälgchen ausgetauscht werden. Außerdem soll im Rücken der Sauer-Orgel herabfallender Putz beseitigt werden. Bei diesem Putz, der von der Decke rieselt, handelt es sich wohl um ein baustatisches Problem, wie der Thomasorganist erklärt: „Die Kirche ist gotisch, der Anbau aber, wo die Orgel steht, ist neugotisch. Da liegen mehrere Jahrhunderte in der Bauzeit dazwischen. Und diese beiden zusammengefügten Baukörper passen nicht so richtig zusammen. Der Untergrund ist unterschiedlich. Der neugotische Anbau will in eine andere Richtung, während der gotische Bau stabil steht. Und an dieser Nahtstelle entstehen die Putzrisse. Da muss jetzt auch was unternommen werden.“

    150.000 Euro werden für die Sanierung der beiden Orgeln und der Putzschäden benötigt. Die Hälfte der Summe ist bereits eingeworben. In den Gottesdiensten finden beide Orgeln Verwendung. An der Bach-Orgel werden – logisch – Werke von Bach gespielt, aber auch andere alte Musik, bei Musik der Romantik kommt die Sauer-Orgel zum Einsatz, bei der es auch den besseren Kontakt mit dem Liturgen im Altarraum gibt: „Wenn im Altarraum was stattfindet, zum Beispiel die Abendmahlsfeier, dann spiele ich an dieser Orgel.“

    Die Sauer-Orgel in der Thomaskirche. Foto: Ernst-Ulrich Kneitschel
    Die Sauer-Orgel in der Thomaskirche. Foto: Ernst-Ulrich Kneitschel

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