100 Jahre Haus Dreilinden: Die Musikalische Komödie als ein Haus mit Seele im Langzeitexperiment

Als ein "offenkundig unverrottbares Theater mit Seele" habe die Musikalische Komödie bislang alle Zeitläufe überstanden, befand Festprediger Peter Korfmacher zum Jubiläum des Hauses Dreilinden. Als Geburtstagsgeschenk brachte Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) eine Erhaltsgarantie für Ensemble und Spielstätte mit. Musik und Tanz gab es auch.
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Am Ende blitzte dann der Glamour der großen Samstagabend-Show noch einmal ganz prachtvoll auf. Ballett, Treppe, Scheinwerfer. Das funktioniert mit Musical-Musik am besten. Und wird vom Ensemble der Musikalischen Komödie perfekt beherrscht.

Mit Klassikern aus Operette und Musical feierte das Ensemble der Musikalischen Komödie in der Dreilindenstraße mit seinem Publikum am letzten Wochenende das 100-jährige Jubiläum seiner Spielstätte in Lindenau.

Manches wirkt da fast schon wie vor hundert Jahren. Das bezieht sich jetzt ausschließlich auf den baulichen Zustand des Hauses. Was weniger über die künstlerische Zukunftsfähigkeit von Haus und Genre aussagt, sondern von dem Umgang mit der Muko über Jahrzehnte.

Hier verwese ein Theater bei laufendem Betrieb vor sich hin, beschrieb LVZ-Kulturchef Peter Korfmacher in seiner „Theaterpredigt“ die Situation. Hier würden Planer seit Jahrzehnten ein Experiment durchführen, dessen erkenntnisleitende Frage laute: „Wie lange halten sie es aus mit Schimmel an den Wänden?“.
Der Stein hat es bislang überstanden. Ensemble und Publikum aber auch. Deshalb gibt es die Muko heute noch – „aller Schließungsdebatten zum Trotz“, wie das Mutterhaus Leipziger Oper selbstbewusst betont.

Irgendwie fühlte sich Korfmacher bei diesem Jahrhundertversuch und allen Schließungsabsichten an die Worte erinnert, wonach niemand die Absicht habe, eine Mauer zu errichten. Bekanntermaßen gehen diese Worte auf einen Leipziger zurück, der den Teil-Staat, den er lenkte, dann doch einmauern ließ.

Schuld an dieser nie ganz beendeten Debatte über die Zukunft des Hauses Dreilinden sind für Korfmacher jene, „die Entscheidungen treffen, deren Tragweite sie nicht überblicken“. Der Einsparbetrag aus einer Schließung des Hauses – zu der natürlich niemand die Absicht habe – wiege den Verlust für Wissenschaft, Kunst und Kiez in keinster Weise auf, befand Korfmacher. Für all diese „Operettenhasser, Hartmann-Verehrer, Gohliser und Südvorstädter“ sowie einen gewissen Teil der Leipziger Politiker sei die Muko deshalb kein Feld für Experimente, so Korfmacher apodiktisch.

Für die Muko und ihr Publikum indes schon, so der Kulturkritiker. „Wer immer nur dem Publikumsgeschmack hinterher schwimmt, verliert den Boden unter den Füßen“, mahnte Korfmacher in diese beiden Richtungen, „wenn immer alles gleich aussehen soll, dann reicht zuhause auch der Fernseher.“
Korfmacher bekannte freimütig, er sei in seinen nunmehr gut 20 Leipziger Jahren in Sachen Muko vom Saulus zum Paulus geworden. Heute nennt er die Muko ein „offenkundig unverrottbares Theater mit Seele“.

Ein Leipziger Oberbürgermeister ist da schon von Amts wegen als Hausherr des kulturellen Eigenbetriebes und laut der strategischen Ziele der Stadtpolitik auf die „Bewahrung des Erbes der Vorväter“ verpflichtet. Dass in Leipzig die leichte Muse in Trägerschaft der öffentlichen Hand stattfinde, schütze sie vor totaler Kommerzialisierung und Trivialisierung, so Burkhard Jung (SPD) in der Jubiläums-Festschrift.

Vor dem Festpublikum wurde Jung deutlicher: „So lange ich Verantwortung trage, werde ich mich dafür einsetzen, dass das Orchester, dass Sänger und Tänzer erhalten bleiben, und dass die Musikalische Komödie an diesem Ort in Altlindenau erhalten bleibt“, sprach das Stadtoberhaupt zu Ensemble und Publikum.

Dafür gab’s Szenenapplaus. Und sicher bei manchem einen befreienden Stoßseufzer, der an Sprachforscher Higgins aus dem Musical „My Fair Lady“ erinnerte. „Bei Gott, jetzt hat sie’s“, so Higgins über die Blumenverkäuferin Eliza Doolittle, als diese endlich „Es grünt so grün, wenn Spaniens Blüten blühen“ fehlerfrei daher sagen kann.

Über die „klare Aussage von Burkhard Jung pro Musikalischer Komödie am Standort Lindenau“, freute sich denn auch SPD-Stadtbezirksbeirätin Eva Brackelmann. Aus ihrer Sicht war es ein „großartiger Abend“ mit Klassikern der Operette und Highlights aus bekannten Musicals. Wie eben „Es grünt so grün“.

Künstlerisch erlebte auch Linken-Stadtchef Dr. Volker Külow einen „bezaubernden Abend“. Das Ensemble habe wieder einmal bewiesen, „über welchen bemerkenswerten kulturellen Schatz wir in Lindenau verfügen“. Als „ganz schlechte Operette, eigentlich eher Schmierentheater“, bewertete Külow den „(Wahlkampf)-Auftritt des Oberbürgermeisters“. Nach Külows Einschätzung habe Jung in seiner bisherigen Amtszeit keinen Finger für die Muko gekrümmt, deshalb sollte er sich jetzt nicht als ihr vermeintlicher Retter aufspielen.

Vielleicht dachte dabei Külow dabei einfach „Mir ist manches schon passiert, aber so etwas noch nicht“. Auch dieser Evergreen aus der Operette „Der Bettelstudent“ stand am Samstagabend auf dem Programm.


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