Mit der Aufführung der "Emilia Galotti" von Gotthold Ephraim Lessing erfolgt am Freitag, 6. Dezember, um 19.30 Uhr am Schauspiel Leipzig der Startschuss für das Verfahren der Audiodeskription, mit dem ein Bühnengeschehen auch für Nichtsehende "sichtbar" gemacht wird. Blinden und sehbehinderten Menschen soll auf diesem Weg der Zugang zu einem umfassenderen Erlebnis einer Theateraufführung und dadurch eine Erweiterung sozialer Inklusion ermöglicht werden.

Die gut 70-minütige Aufführung der Inszenierung von Enrico Lübbe bildet den Beginn regelmäßig stattfindender Vorstellungen mit Audiodeskription auf der Großen Bühne des Leipziger Schauspielhauses. Im Vorfeld der Aufführung am 6. Dezember gibt es um 18 Uhr die Möglichkeit einer Bühnenbegehung unter Führung eines Bühnenmeisters, in der blinde Menschen sich im Bühnenraum bewegen und die Kostüme der Schauspieler und Materialien des Bühnenbildes und der Requisiten ertasten können.

Die nächsten Vorstellungen mit Audiodeskription finden am 26. Dezember und am 19. Januar, jeweils 19.30 Uhr statt, einschließlich vorheriger Bühnenbegehung ab 18 Uhr. Die Termine werden künftig auf dem Monatsspielplan und auf der Website des Theaters durch ein spezielles Icon gekennzeichnet. Die Anmeldung für den Vorstellungsbesuch und die Bühnenbegehung ist unter Tel. 0341/1268 168 und per Mail an besucherservice@schauspiel-leipzig.de möglich. Dort sind auch konkrete Informationen zum genauen Ablauf, Kartenpreisen etc. für Sehbehinderte, ihre Begleitung und alle anderen Interessierten erhältlich.Das Verfahren der Audiodeskription ist so einfach wie aufwändig. Ein live anwesender Sprecher in Sichtnähe zur Bühne beschreibt über eine Tonanlage den mit Empfängern und Kopfhörern ausgestatteten Zuschauern optische Eindrücke vom Bühnengeschehen. Diese sollen zusammen mit den sprachlichen und musikalischen Eindrücken nichtsehenden Menschen zu einem vollständigeren Erlebnis der Theatervorstellung verhelfen.

Derzeit können bis zu 25 Sehbehinderte via Kopfhörer der Sprecherin folgen, die in Sprechpausen sekundengenau abgestimmt ein vorbereitetes Skript einspricht. Für die Arbeit an dem Skript für Lessings “Emilia Galotti” am Schauspiel Leipzig haben vier sehende und eine blinde Autorin unter Anleitung von Anke Nicolai (Firma Audioskript) und unter Unterstützung des Blinden-und-Sehbehinderten-Verbands Sachsen e. V. zusammengearbeitet, um die besonders relevanten Bühnenvorgänge auszuwählen und schließlich sprachlich und akustisch so präzise zu beschreiben, dass ein Nichtsehender gleichwohl ein Bild vor Augen hat.

Für weitere Audiodeskriptionen werden Spender gesucht

Das Repertoire der Stücke mit Audiodeskription soll zunehmend vergrößert werden. Ab Februar 2014 wird an der Audiodeskription von Friedrich Schillers “Kabale und Liebe” gearbeitet. Da der technische, personelle und zeitliche Aufwand der Audiodeskription hoch ist, ruft das Schauspiel Leipzig Bürger, Institutionen und die Belegschaften von Firmen zu finanzieller Unterstützung auf.

Spenden können unter dem Stichwort “Audiodeskription” auf das Konto der Sparkasse Leipzig, Kontonummer 1100 255 083, BLZ 860 555 92 oder der Commerzbank, Kontonummer 0110 417 200, BLZ 860 800 00 überwiesen werden. Spendenquittungen werden gerne ausgestellt. Jede Spende hilft.

“Emilia Galotti” von G. E. Lessing am Freitag, 6. Dezember, 19.30 Uhr mit Audiodeskription für blinde und sehbehinderte Menschen im Schauspiel Leipzig.

www.schauspiel-leipzig.de

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