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Verwechslungskomödie unterm Zeltdach: Leipziger Publikum feiert „Charleys Tante“

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    Die Oper Leipzig ist am Freitag erfolgreich in die neue Spielzeit gestartet. Im Spiegelzelt auf dem Augustusplatz erlebten etwa 400 Zuschauer mit "Charleys Tante" eine köstliche Revue mit eingängigen Swing-Rhythmen aus der Feder Ernst Fischers. Das Premierenpublikum spendete anhaltenden Beifall.

    Dass sich die Sanierung der Mechanik von Drehbühne und Orchestergraben bis Ende Oktober hinziehen wird, gleicht eigentlich einer Katastrophe. Intendant Ulf Schirmer und Operndirektorin Franziska Severin machten aus der Not eine Tugend. In einem Spiegelzelt vor dem Opernhaus sind bis zu dessen Wiedereröffnung vier kleine Produktionen zu sehen, die im Repertoire des Hauses für gewöhnlich keinen Platz finden.

    Kaum betritt der Zuschauer das Zelt, fühlt er sich in der Zeit um gut hundert Jahre zurückversetzt. Am Eingang spielt ein Mann im bunten Zirkuskostüm Drehorgel. Das Outfit von Garderobenfrauen und Platzanweisern ist, sagen wir mal, ein wenig extravaganter als üblich. Die Verhältnisse im Zelt sind beengt. Die Plastikstühle sind hart, die Sicht auf die Bühne in der Zeltmitte von den meisten Plätzen ein wenig eingeschränkt. Die Gäste, die Plätze der ersten Preiskategorie erworben haben, können Getränke und Speisen an den Platz bestellen.

    Zum Spielzeitauftakt hat Severin die Verwechslungskomödie „Charleys Tante“ von Brandon Thomas in der Bearbeitung von Alexander Krampe und Dominik Wilgenbus auf den Spielplan gesetzt. Das Duo machte aus dem Schauspiel für die Kammeroper München 2011 eine heitere Swing-Operette, indem es den Stoff mit Musik von Ernst Fischer kombinierte. Intendant Schirmer dirigiert an diesem Abend im Direktorenoutfit ein zwölfköpfiges Salonorchester, das sich aus Mitgliedern des Gewandhausorchesters zusammensetzt. Die hochkarätige Besetzung, angeführt von Konzertmeister Sebastian Breuninger, sorgte für ein technisch akkurat gespieltes Klangerlebnis, das aufgrund der akustischen Gegebenheiten allerdings elektronisch verstärkt werden musste.

    Der Plot ist schnell erzählt. Der smarte Oxford-Student Charley (Jeffery Krueger) und sein Onkel Chesney (Jürgen Kurth) stehen vor dem finanziellen Ruin. Zu gern würde der junge Lebemann Amy (Mirjam Neururer), Tochter von Lord Spettigue (Martin Petzold), heiraten. Dummerweise weiß die junge Dame nichts von ihrem Glück, weil Charley ihr seine Liebe bislang nicht gestehen konnte. Ihr Vater würde der Ehe mit einem Mittellosen ohnehin nicht zustimmen.

    Da kommt es ganz recht, dass Butler Brassett (Cusch Jung) den Besuch der Millionenerbin Donna Lucia (Sandra Janke) ankündigt. Die Tante aus dem fernen Brasilien, von der Charley bis dato rein gar nichts gewusst hat, soll für ihn bei Lord Spettigue bürgen. Unglücklicherweise verspätet sich die gute Frau, sodass der Verliebte in der Not seinen Freund Babberly (Patrick Rohbeck) bittet, in ihre Haut zu schlüpfen. Wie der Zufall es möchte, erreicht die echte Tante ihr Reiseziel letztlich doch eher als gedacht, und als Babberly in ihrem Mündel Ela (Magdalena Hinterdobler) einen alten Urlaubsflirt wiederentdeckt, ist das Chaos perfekt.

    Charles Wykeham (Jeffery Krueger) & Lord Fancourt Babberley (Patrick Rohbeck) Foto: Tom Schulze
    Charles Wykeham (Jeffery Krueger) & Lord Fancourt Babberley (Patrick Rohbeck) Foto: Tom Schulze

    Severin hat den Verwechslungsspaß als heiteres Revue-Theater im Nummernstil inszeniert. Auf der kleinen Rundbühne, die spärlich mit wenigen Sitzgelegenheiten und Requisiten ausgestattet ist (Bühne: Norman Heinrich), wechseln sich Dialoge und Songs ab. Gemessen an der Ausstattung sowie Silke Maria Weys Kostümen ist die Handlung in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts angesiedelt. Passend zu Musik und Spielstätte. Unter den Solisten stach vor allem Cusch Jung als hochnäsiger Butler besonders vor. Der MuKo-Chefregisseur überzeugte mit Spielwitz und Situationskomik.

    Hauptdarsteller Jeffery Krueger blieb dagegen blass. Patrick Rohbeck spielte, wenn auch in anderem Kostüm, mehr oder minder dieselbe Rolle, die er vergangene Spielzeit in „La Cage aux Folles“ performt hat. Was in dem Musical funktionierte, ist nun angesichts der unverkennbaren Wiederholung langweilig geworden. Dass der MuKo-Solist mit seiner blonden Langhaarperücke äußerlich, aber auch im sprachlichen Duktus ein wenig an den jungen Otto Waalkes erinnerte, war gewiss zufälliger Natur, sorgte dennoch für unfreiwillige Komik am Rande.

    Spannender war die Darbietung von Mirja Neururer, die mit durchschlagendem Timbre „Frag mich das, was leicht ist“ vorträgt. Musikalisch überzeugte auch Sandra Janke, etwa als sie gemeinsam mit Jürgen Kurth ein Duett über Indien gesungen hat. Tenor Martin Petzold überraschte das Publikum mit seinen komödiantischen Talenten. Magdalena Hinterdobler stellte ihre exzellenten Kenntnisse der bayerischen Mundart unter Beweis. Natürlich stilecht im Dirndl.

    Severins Konzept geht trotz kleiner Schwächen auf. Wer komödiantisches Sechziger-Jahre-Kino mag oder von „My Fair Lady“ nicht genug bekommen kann, ist hier genau richtig. Das Salonorchester, angeführt von Konzertmeister Sebastian Breuninger, bescherte den Zuhörern bei der Premiere ein technisch brillantes Klangerlebnis. Dass das Publikum nach zwei Stunden alle Mitwirkenden mit reichlich Applaus bedachte, war der Beweis, dass die Operndirektorin wieder einmal vieles richtig gemacht hat.

    Oper Leipzig
    Charleys Tante

    Spiegelzelt auf dem Augustusplatz
    Weitere Termine: 13./16./18.-20. September

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