Die Randale am 14. Juni nach einem Spiel der Volkssport-Liga in Leipzig-Lausen gingen offenbar von Neonazis aus. Dies legen Fotos nahe, die am Donnerstag, 11. Juli auf dem Internetportal "Indymedia" aufgetaucht sind. Ebenso anonym, wie derzeit ein Video verbreitet wird, existieren nun also auch Aufnahmen von der anderen Seite des Gerangels. Demnach könnten eine Gruppe Rechter nach der Begegnung SG Lausen gegen Roter Stern Leipzig (RSL) die rund 50 Gästefans zuerst attackiert haben.

Der gesamte Vorgang begann, als sich am 14. Juni 2013 die Fans der Connewitzer auf den Heimweg machen wollten. Etwa 15 Angreifer stürmten, einer mit einem Gitterrost bewaffnet, auf die Straße vor dem Vereinsgelände. Das zumindest legen Bilder nahe, welche seit heute auf dem anonym betriebenen Portal “Indymedia” aufgetaucht sind. Unter den vermeintlichen Angreifern der stadtbekannte Neonazi Istvan R.. Er gehörte offenbar zu einer Gruppe, die sich während des Spiels hinter einer Zaunfahne mit der Aufschrift “SG Lausen draussen” versammelt und verbotenerweise Pyrotechnik abgebrannt hatte.

Nach dem Spiel suchte die Gruppe die körperliche Konfrontation mit den RSL-Fans, die für ihr antirassistisches Engagement bekannt sind. Ob der offensichtliche Gegenangriff der Connewitzer noch durch das Recht auf Notwehr gedeckt ist, werden wohl erst Zeugenvernehmungen und die Ermittlungen wegen schweren Landfriedensbruchs sowie sicherlich folgende Verhandlungen ergeben können. Auch, ob die Aufnahmen, welche nunmehr anonym von beiden Seiten vorliegen, tragfähige Beweiskraft erhalten.

Ein Handyvideo, möglicherweise sogar von den Angreifern selbst ins Netz gestellt, zeigt die teils vermummten und mit Fahnenstangen bewaffneten Gästefans von RSL. Von ihren Gegnern fehlt auf den Aufnahmen jede Spur, dafür hört man das Gejohle der Gegenseite. Inwieweit das privat gefilmte und im Nachgang offensichtlich geschnittene Material überhaupt den gesamten Vorgang darstellt, darf also bezweifelt werden.

Längst ist also eine Debatte darüber entbrannt, wer hier begonnen hat und warum die Fans des RSL sich an dem ganzen Vorgang beteiligt haben. Die rechten Beteiligten probieren sich in Kommentaren, auch auf L-IZ.de, auf dem Rücken der SG Lausen als Opfern zu stilisieren, indem sie die Mär verbreiten, es habe sich um ein umgekehrtes “Brandis” gehandelt. Der Versuch also darzustellen, dass hier RSL-Fans friedliche Fußballfans überfallen hätten. Hintergrund: Am 24. Oktober 2009 attackierten rund 50 braune Kameraden gezielt Fans und Spieler des RSL bei einem Auswärtsspiel in Brandis (Landkreis Leipzig). Ein Zuschauer wurde schwer verletzt und verlor einen Teil des Augenlichts.

Ob diese Strategie im Umfeld der SG Lausen aufgeht, ist nach den nun aufgetauchten Bildern zumindest fraglich. Von Verletzten auf beiden Seiten ist bis heute nichts bekannt geworden.

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