Leider gab es sogar schon zwei Todesfälle in Düsseldorf nach ästhetischen Eingriffen zu beklagen, und in beiden Fällen war keiner der Mediziner wirklich Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie. Was nach tragischen Ausnahmefällen klingt, offenbart ein systemisches, lebensgefährliches Problem der Schönheitsindustrie.

Brazilian Butt Lift: Schönheit versus Risiko

Der Brazilian Butt Lift zählt zu den gefragtesten kosmetischen Eingriffen. Social Media quillt geradezu über mit perfekt geformten Kurven und begeisterten Testimonials. Allerdings wird eines verschwiegen: Die Sterberate liegt bei drei Prozent. Außergewöhnlich hoch für ein Verfahren zur Fettabsaugung und Transplantation des Eigenfettes in das Gesäß, dem man sich freiwillig unterziehen kann.

Es handelt sich um eine risikobehaftete Operation, welche jedoch unter kontrollierten Umständen und bei einer Durchführung durch Spezialisten in den meisten Fällen unkompliziert abläuft. Fehlt hingegen das Fachwissen, steigt die Gefahr einer Fettembolie dramatisch. Und deren Ausgang endet mehrheitlich tödlich.

Dabei beginnt das Risiko bereits bei der Wahl des Arztes. „Schönheitschirurg“ ist, entgegen der landläufigen Meinung, kein geschützter Begriff. Jeder Mediziner kann sich so nennen, unabhängig von seiner tatsächlichen Qualifikation. Sogar in der gesetzlichen Theorie heißt es, dass alle approbierten Ärzte alle Eingriffe durchführen dürfen. Solange der Verlauf unauffällig bleibt, spricht grundsätzlich nichts dagegen.

Foto: © Dr. Anna Lukyanova

Der wilde Westen der Unterspritzungen

Kritisch werden ästhetische Eingriffe auch dann, wenn Substanzen eingesetzt werden, für die keine ausreichenden Studien existieren. „Ich halte diese Trends für absolut gefährlich. Unterspritzungen nahezu unbekannter Substanzen gleichen eher einem Glücksspiel als einer professionellen Behandlung“, warnte unlängst Dr. Anna Lukyanova, sie ist Fachärztin für Plastische und Ästhetische Chirurgie und leitet die Klinik NATURL in Düsseldorf.

Die Expertin machte darauf aufmerksam, dass die Liste der fragwürdigen Seren immer länger wird. Kristalle unbekannter Herkunft, Industrie-Silikon aus dem Ausland und viele weitere dubiose Materialien für Gesicht, Brust und Podex, geraten zunehmend in Umlauf.

In den meisten Fällen gehen die versprochenen Wunder mit einem niedrigen Preisniveau einher, wobei es sich vielfach um Behandlungen außerhalb Deutschlands, Österreichs und der Schweiz handelt. Vermeintlich erfolgreiche Eingriffe können sich wie aus dem Nichts in das Gegenteil verwandeln. Viele Komplikationen treten oft erst nach einiger Zeit auf.

„Problematisch ist, dass vor allem Langzeitstudien fehlen. Die Fachärztin geht in dem Zusammenhang davon aus, dass in den kommenden Jahren noch zahlreiche weitere Probleme dieser Trendbehandlungen auftreten werden, von denen wir aktuell noch nichts ahnen.“

Schönheitsoperationen im Ausland

Der Medizintourismus wirbt mit immensen Verlockungen. Für eine Brustvergrößerung, in Deutschland im Schnitt mit 8.000 Euro Kosten verbunden, sind beispielsweise in der Türkei lediglich 3.000 Euro aufzubringen, inklusive Hotel, versteht sich. Ein vermeintliches Schnäppchen, bei dem jedoch die Nachsorge außer Acht gelassen und entsprechend nicht einkalkuliert wird.

„Medizinische Behandlungen im Ausland erfüllen nicht durchgängig deutsche Qualitätsstandards und gewährleisten nach der Rückreise keine ausreichende Nachsorge. Häufig geht es um schnellen Profit“, verdeutlicht Dr. Lukyanova und ergänzt hierzu, dass die Operationen selbst durchaus erst einmal komplikationsfrei verlaufen können, wirklich entscheidend ist der Genesungsprozess nach dem Eingriff, dieser muss wirklich ohne Komplikationen verlaufen.

Doch wer dann wieder in Deutschland gelandet ist und auf einmal gesundheitliche Probleme auftreten, ist die Entfernung zur Klinik und dem Operateur ein echtes Problem.

Hinzu kommt die Herausforderung bezüglich unbekannter Implantate. In Deutschland existiert ein Implantatsregister, das die Rückverfolgbarkeit der Materialien ermöglicht, im Ausland hingegen gibt es so etwas nicht. Aber aus welchem Grund gehen Menschen ein so hohes Risiko ein? Frau Dr. Lukyanova: „Möglicherweise aus reiner Sparsamkeit. Der beste Preis zieht einfach immer, ob nun beim Shopping oder bei einem medizinischen Eingriff am eigenen Körper.“

So schützen sich Patienten selbst am besten

Was kann der Patient selbst nun aber tun, um sich möglichst vor einem lebensbedrohlichen Fehler zu schützen? An erster Stelle sollte immer eine Überprüfung der medizinischen Qualifikationen stehen. Allein das Tragen eines Titels stellt keinen Beweis für die fachliche Ausbildung dar.

Daher lohnt sich immer auch ein persönliches Erstgespräch in der Praxis, um die bestehenden Erfahrungen zu dem gewünschten Eingriff genauer hinterfragen zu können.

„Zudem empfiehlt sich immer auch ein bisschen Eigenrecherche vor der Behandlung, um nicht auf gefährliche Trends hereinzufallen. Für jede „gute“ Substanz existieren Langzeitstudien, die deren Zulassung und Anwendung in Deutschland belegen. Frau Dr. Lukyanova rät zur Orientierung, auf bestimmte „rote Flaggen“ zu achten, wie:

  • direkte Behandlungszusagen ohne umfassende Anamneseerhebung
  • fehlende Anamnese (Erhebung des Patientenbefundes)
  • auffallend günstige Angebote
  • mangelhafte Aufklärung und Hinweise auf Wechselwirkungen mit anderen Behandlungen oder Medikamenten
  • fehlende Nachsorgekonzepte

Die Verlockung schneller und günstiger kosmetischer Eingriffe ist groß, aber die möglichen Konsequenzen können verheerend sein. Qualifizierte Fachärzte, erprobte Verfahren und langzeitgeprüfte Substanzen gewährleisten bei solchen Eingriffen, dass der Patient gesundheitlichen Schaden erleidet. Es sollte jeder Eingriff immer gut abgewogen werden, denn am Ende geht es immer auch um unsere Gesundheit und manchmal auch um Leben und Tod.

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