Will mal jemand meine Schabe halten? Rumgeschnüffelt auf der Hund- und Heimtiermesse (2)

Als Nancy Schröter ihr Tier aus dem Käfig nimmt, erfährt sie teils unüberhörbare Ablehnung. "Geh mir weg damit", sagt eine Frau, ein "Igitt", kann ein Junge nicht unterdrücken. Dabei ist die madagaskarische Fauchschabe auf ihrer Handfläche ganz zahm, klebt wie Ast. Schröter kennt sich mit Tieren dieser Art aus. Sie leitet den Leipziger Wohnzoo, in dem es nicht nur Schaben gibt und in den Menschen kommen, die mit diesen Tieren auch etwas zu tun haben wollen.
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Tierbestattungen, exotische Vögel, Kaninchenzüchter: Wo Nancy Schröter ihren Stand aufgebaut hat, geht es exquisiter zu. Die Menschen schnarchen von Stand zu Stand. Ein neugieriges „Was ist denn das?“, ist hier nicht selten. Auch bei Schröter pressen sie ihre Nase an die Ruhelager der Tiere. Mit dem Unterschied, dass die Tiere an diesem Stand in Terrarien und nicht in Käfigen leben, dass sie keine Tiere zum Kuscheln sind und zuweilen auch keine Reaktion zeigen. Nancy Schröter leitet den Wohnzoo, ein Terraristikgeschäft in der Jahnallee. Ein junger Laden, der noch nicht mal anderthalb Jahre dort zu finden ist.
Schröter verkauft Tiere und Terrarien, baut Terrarien selbst, wenn es eine Sonderanfertigung sein soll, berät beim Kauf und sie beherbergt Tiere, wenn die Besitzer mal im Urlaub sind. „In der Ferienzeit habe ich immer ein paar freie Terrarien im Geschäft. Bei sensiblen Tieren fahre ich auch vorbei und füttere die Tiere. Mehr als Essen reinschmeißen ist es bei den meisten aber sowieso nicht.“ In der Tat ist der Stand von Schröter im Vergleich zum Frettchentreff schräg gegenüber eine Oase der Ruhe. Terrarien-Tiere sind bekannt für ihre gemächliche Gangart, Sozialkontakt ist nicht so wichtig.
Erst als Schröter ihre sieben Zentimeter lange madagaskarische Fauchschabe aus dem Terrarium holt, geht das anwesende Messepublikum aus sich heraus. „Gugge ma da drüben“, ruft ein Mann seiner weiblichen Begleitung zu, die nur angewidert „Geh mir weg damit“, antwortet. Schröter ist diese Ablehnung gewöhnt. „Für viele sind das einfach Ekeltiere, aber die tun nichts. Im Gegenteil, sie sind nützlich. Ich brauche beispielsweise keinen Biomüll mehr.“ Um die Küchenabfälle kümmert sich die Schabe, die tatsächlich laut fauchen kann und wie eine Nacktschnecke an der Hand Schröters klebt.

Schaben hat Schröter genauso wie Frösche oder Schlangen schon lange Zeit privat gezüchtet ehe sie sich im April 2010 damit selbstständig machte. Im Wohnzoo tummelt sich seitdem alles von der Schabe über die Vogelspinne bis zur Peitschennatter, dem Lieblingstier der Chefin.

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„Ich habe die mit 13 Jahren mal in einem Buch gesehen, seitdem war ich von denen begeistert“. Die giftgrünen, flachen Schlangen sind wie alle Schlangen im Wohnzoo nicht giftig. „Die Auflagen für deren Haltung sind einfach zu hoch.“ So ist auch die feuerrote Kornnatter im Grunde genommen genauso friedlich wie die Schabe auf Schröters Hand. Trotz der ausgelebten Liebe zu Reptilien kann die Chefin aber auch mit Hunden und Katzen gut. „Das schließt sich ja nicht aus.“

Die Tiere, die sie verkauft, sind entweder selbst gezüchtet oder Tiere, deren Halter nicht mehr für sie sorgen konnte. Wer nicht mehr weiß wohin mit seinem Tier, kann einfach eine Mail an Schröter schicken. Ein paar Terrarien sind ja immer mal frei…

www.wohnzoo.de


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