Buchmesse antwortet auf Offenen Brief von „Leipzig nimmt Platz“

Für alle LeserIn den vergangenen Jahren hatten die Auseinandersetzungen mit den rechten Verlagen einen großen Teil der Berichterstattung über die Leipziger Buchmesse dominiert: Es gab Protest vor Ort, auf einer Kundgebung und sogar im Stadtrat, wo die Linksfraktion auf ein Verbot der Teilnahme der Verlage abzielte. Im Vorfeld der Buchmesse 2019 geht nun das Aktionsnetzwerk „Leipzig nimmt Platz“ in die Offensive und fordert einen eigenen Stand für antirassistische Initiativen und Verlage. Das Problem aus Sicht der Aktivisten: Die Buchmesse verlangt dafür die üblichen Standgebühren.

Noch sind es mehr als drei Monate bis zur nächsten Ausgabe der Leipziger Buchmesse, doch die Auseinandersetzungen um die absehbare Präsenz rechter Verlage und mögliche Gegenveranstaltungen haben schon wieder begonnen. Am Freitag, den 14. Dezember, veröffentlichte das antirassistische Aktionsnetzwerk „Leipzig nimmt Platz“ einen Offenen Brief an Messedirektor Oliver Zille.

Die Botschaft: Man sei enttäuscht darüber, keine Lösung für einen Stand gefunden zu haben, der ein Gegengewicht zu den rechten Verlagen darstellt. In den vergangenen Jahren waren unter anderem der Antaios-Verlag von Götz Kubitschek, die „Compact“-Zeitschrift und die Wochenzeitung „Junge Freiheit“ auf der Leipziger Buchmesse präsent. Rund um deren Veranstaltungen kam es zu heftigen Wortgefechten und teils handfesten Auseinandersetzungen. Die sogenannten „Identitären“, Neonazis und andere Rassisten waren ebenso vor Ort wie Mitglieder linksradikaler Gruppen und andere Protestierende.

Normale Standgebühr fällig

Im kommenden Jahr wollte „Leipzig nimmt Platz“ den Rechten offenbar nicht nur punktuell, sondern dauerhaft etwas entgegensetzen. An die Adresse von Zille heißt es: „Ein Vertreter des Bündnisses stand dazu mit Ihnen einige Monate in Kontakt und wir alle waren auf Grund ihrer anfänglich positiv verstandener Aussagen zu einem ständigen Lesestand auf der Leipziger Buchmesse unter dem Titel ‚Zivilcourage für gelebte Vielfalt‘ sehr zuversichtlich.“ Durch die Bedingung, eine normale Standgebühr zu entrichten, sei eine Teilnahme jedoch unmöglich.

Abschließend heißt es in dem Offenen Brief: „In einer Zeit, in der die Leipziger Zivilgesellschaft sich erfolgreich gegen rechte Vereinnahmung immer wieder wehrt, rollt die Leipziger Messe dem publizierenden Teil des neu-rechten Spektrums den roten Teppich aus und scheut jeden damit verbundenen Konflikt. Wir fordern die Leipziger Messe daher auf, Raum für den durch die Zivilgesellschaft der Stadt gestalteten Diskurs zu eröffnen.“

Buchmesse antwortet am selben Tag

Die Buchmesse veröffentlichte noch am selben Tag eine „Offene Antwort“ auf den Brief. Man schätze die Arbeit von „Leipzig nimmt Platz“ und lehne „jede Form von Rassismus, Ausgrenzung von Minderheiten und Gewalt“ ab.

Weiter heißt es: „Zugleich sind wir als Unternehmen öffentlichen Rechts an das Gleichheitsprinzip gebunden. Das heißt einerseits, dass jeder auf der Leipziger Buchmesse ausstellen darf, der dem Warenverzeichnis der Leipziger Buchmesse entspricht, also der Buchbranche angehört, und nicht gegen das Grundgesetz verstößt. Andererseits bedeutet das Gleichheitsprinzip auch, dass für alle Aussteller gleiche Konditionen gelten. Auf der Leipziger Buchmesse sind über 2.600 Aussteller präsent, deren berechtigte Interessen ausgeglichen werden müssen.“

Man habe im Sommer mit dem ehemaligen Thomaspfarrer Christian Wolff als Vertreter des Bündnisses „umfangreiche Gespräche“ geführt und verdeutlicht, dass ein Verlag als Partner nötig sei. Einen solchen hatte man offenbar gefunden. Eine ermäßigte Standgebühr habe man dem Bündnis jedoch nicht versprochen, teilte Pressesprecherin Julia Lücke der L-IZ auf Anfrage mit.

Teilnahme von Antaios und „Junge Freiheit“

Dies ist also der zentrale Konflikt: Während die Buchmesse auf das Gleichheitsprinzip verweist und eine Ermäßigung ablehnt, möchte „Leipzig nimmt Platz“ nicht die normale Standgebühr bezahlen. Die aktuelle Preisliste findet sich als PDF auf der Homepage der Buchmesse.

Ebenfalls am Freitag hat die Buchmesse das vorläufige Ausstellerverzeichnis für 2019 veröffentlicht. Im Gegensatz zu „Compact“ sind Antaios und „Junge Freiheit“ darin derzeit nicht zu finden. Die neurechte Wochenzeitung hatte ihre Teilnahme 2018 kurzfristig abgesagt. Die Messeleitung habe sich im Vorfeld nicht politisch neutral verhalten. Zudem sei man unzufrieden über die Standplatzierung in einem als „rechtsextrem“ dargestellten Block gewesen.

Ob Antaios der Buchmesse tatsächlich fernbleiben wird, erscheint zumindest fraglich. In Frankfurt war Antaios vor einigen Wochen mit einem PR-Gag aufgefallen: Anstatt sich wie üblich mit dem richtigen Namen anzumelden, hatte man einen weiteren Verlag gegründet, um damit eine bessere Platzierung auf der Messe zu erhalten.

Kulturkampf von Rechts – Eine Streitschrift

BuchmesseLeipzig nimmt Platz
Print Friendly, PDF & Email
 
2 Kommentare


Schneller informiert mit dem L-IZ-Melder
Weitere Nachrichten:Bewegungsmelder | Wortmelder | Rückmelder | Sport | Polizei | Verkehr


Weitere aktuelle Nachrichten auf L-IZ.de

Am 1. September bekommt die Gasthofbrücke in Lindenau den Namen Georg-Elser-Brücke
Eine Straßenbahn der Linie 3 überquert die Gasthofbrücke. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserOffizielle Nachweise über die Gasthofbrücke in Lindenau gibt es seit 1910. Da sorgte ein Unfall der Straßenbahn dafür, dass die Brücke repariert werden musste. Aber eine Brücke muss es hier schon viel früher gegeben haben, stellt Bettina Weil in ihrem Heft zu den Luppe-Brücken fest. Doch kaum ein Mensch denkt beim Befahren der Brücke mit der Tram-Linie 3 an die Gasthofbrücke. Der Name war auch nie offiziell. Am Weltfriedenstag bekommt sie jetzt tatsächlich einen offiziellen Namen.
Vom 24.-30. August: Seeklang-Festival – Leipziger Singer/Songwriter/-innen-Festival
DeGuy. Quelle: Kulturwerkstatt KAOS

Quelle: Kulturwerkstatt KAOS

Zum Seeklang-Festival präsentieren die Kulturwerkstatt KAOS und der Leipziger Liederszene e.V. lokale Singer- Songwriter/-innen verschiedenster Couleur. Szenegrößen, Geheimtipps und Newcomer spielen auf der einmalig-schönen KAOS-Seebühne in Alt-Lindenau. Neben den beiden Konzertabenden stehen fünf Workshops für Liederschreibende und eine Open Stage auf dem Programm. Das Seeklang-Festival ist Teil des vom Kulturamt und der Leipzigstiftung geförderten KAOS-Kultur(spät)sommers.
Wächst die Armut in Deutschland oder laufen die Einkommen der besser Bezahlten nur einfach immer weiter davon?
Entwicklung der Haushaltseinkommen in Leipzig 2009 bis 2019. Grafik: Stadt Leipzig, Bürgerumfrage 2019

Grafik: Stadt Leipzig, Bürgerumfrage 2019

Für alle LeserDie Kollegen bei den großen westdeutschen Zeitungen haben oftmals sehr seltsame Schablonen im Kopf, besonders die, die für die ganz ganz schnellen Meldungen zuständig sind. Am Donnerstag, 13. August, titelten sie bei der „Zeit“ zum Beispiel: „Menschen im Westen Deutschlands stärker von Armut bedroht. In den östlichen Bundesländern sind weniger Menschen durch Armut gefährdet als vor zehn Jahren. Deutlich anders sieht es etwa in Bremen, Hessen oder NRW aus.“
Rose und Regen, Schwert und Wunde: KAOS zeigt ab 21. August eine junge Bearbeitung von Shakespeares „Ein Sommernachtstraum“
Rose und Regen, Schwert und Wunde (Ein Sommernachtstraum). Foto: KAOS / Jochen Janus

Foto: KAOS / Jochen Janus

Für alle LeserAm Freitag, 21. August, 20 Uhr feiert das diesjährige KAOS-Sommertheater „Rose und Regen, Schwert und Wunde“ Premiere. Unter diesem Titel veröffentlichte der Schweizer Theatermacher Beat Fäh 1989 seine Bearbeitung von Shakespeares Sommernachtstraum. Die Inszenierung der Kulturwerkstatt KAOS zeigt einen ungewöhnlichen Zauberwald am See, welcher Mythos, Natur und Zivilisation verbindet und nicht nur die jungen Liebenden verzaubert …
Mendelssohn-Haus zeigt jetzt die aufwendig restaurierte Reisetruhe Felix Mendelssohn Bartholdys
Jürgen Ernst, Direktor des Mendelssohn Hauses, und Dr. Anselm Hartinger, Direktor des Stadtgeschichtlichen Museums Leipzig, im Mendelssohn-Haus mit der aufwendig restaurierten Reisetruhe. Foto: Stadtgeschichtliches Museum

Foto: Stadtgeschichtliches Museum

Für alle LeserAls Felix Mendelssohn Bartholdy durch Europa reiste, war Reisen wirklich noch unbequem, langwierig und anstrengend, auch wenn er die ersten Eisenbahnstrecken dieser Zeit nutzen konnte. Aber er reiste trotzdem mit viel Gepäck und auf verblüffende Art stilvoll, wie jetzt die liebevoll restaurierte Reisetruhe des berühmten Komponisten und Gewandhauskapellmeisters zeigt.
Das, was die INSM als Ergebnis ihres Bildungsmonitors 2020 meldet, wird vom Bildungsmonitor gar nicht gemessen
Sächsische "Schulabbrecherquote" im INSM-Bildungsmonitor 2020. Grafik: INSM

Grafik: INSM

Für alle LeserDie Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) bewertet die Bildungssysteme der Bundesländer quasi betriebswirtschaftlich, also praktisch für Politiker, die glauben, man könnte Bildungserfolg so herstellen wie Blumentöpfe oder Transistorradios vom Fließband – mit knappestem Mitteleinsatz, Aufspielen der Software, Expressversand – fertig die gut ausgebildete Manpower für eine gedankenlose Wirtschaft. Logisch, dass Sachsen in so einem Wettbewerb sogar gewinnt, wenn sich am sächsischen Bildungssystem gar nichts verbessert.
Freitag, der 14. August 2020: Chemnitz cancelt Cancel Culture
In Chemnitz wird über Antifaschismus diskutiert. Symbolfoto: L-IZ.de

Symbolfoto: L-IZ.de

Für alle Leser/-innenEs ist ein bisschen verwirrend, was heute in Chemnitz passiert ist, denn ob überhaupt etwas passiert ist, ist nicht so ganz klar. Im Mittelpunkt steht – wie so oft – „die“ Antifa. Genauer gesagt: eine geplante Ausstellung über sie. Außerdem: Die LVZ betreibt Bodyshaming und das Schulsystem in Sachsen ist mal wieder auf Platz 1. Die L-IZ fasst zusammen, was am Freitag, den 14. August 2020, in Leipzig und Sachsen wichtig war.
Leipziger Markt Musik begeistert Besucher und Künstler
Foto: Eric Kemnitz

Foto: Eric Kemnitz

Es ist ein Aufatmen nach langer Pause: Seit einer Woche herrscht Festivalstimmung mitten in der City. Jeden Abend lädt die diesjährige LEIPZIGER MARKT MUSIK dazu ein, Kultur live sowie als Mitschnitt zu erleben und sich dabei kulinarisch verwöhnen zu lassen.
StuRA wendet sich jetzt mit einem Offenen Brief an Wissenschaftsminister Gemkow
Blick zum Geutebrück-Bau der HTWK Leipzig. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserSeit März kocht es an der HTWK Leipzig, ist der Bruch zwischen Hochschulleitung und Studentenvertretung offensichtlich. Eigentlich eine alte Geschichte, die da wieder aufbricht und deutlich macht, dass der Umgang einer Hochschule mit den Studierenden zwar von einem Machtgefälle erzählt. Aber gerade deshalb braucht es Vertrauen. Und das ist nachhaltig gestört, war es auch schon vorher. Trotzdem schlug Rektor Prof. Mark Mietzner im Juli ganz offiziell die bisherige Kanzlerin auch für die nächsten acht Jahre vor.
Limp Bizkit, Bosse und Maeckes machen das Highfield-Line-up komplett
Quelle: Semmel Concerts

Quelle: Semmel Concerts

Das Line-up für 2021 steht: Mit der Bestätigung von Limp Bizkit, Bosse sowie Maeckes & die Katastrophen ist das Programm des in diesem Jahr ausgefallenen Highfield Festivals für das kommende Jahr vollständig. Bevor sich Künstler, Fans und Veranstalter am Störmthaler See bei Leipzig wiedersehen, gibt es für das Highfield-Wochenende 2020 noch interessante Neuigkeiten.
„We Will Rock You“, das Hit-Musical von Queen und Ben Elton: Gastspiele um ein Jahr verschoben
Quelle: Live Nation GmbH

Quelle: Live Nation GmbH

„We Will Rock You“, das Blockbuster-Musical von Queen und Ben Elton, geht jetzt erst im Herbst 2021 in Deutschland auf Tour. Die weiterhin bestehenden Beschränkungen haben diese Verlegung erforderlich gemacht. Ursprünglich hätte die Tour bereits im Herbst 2020 beginnen sollen.
Nach Verschiebung jetzt teils im Werk 2, teils im Livestream: Vielfalt ohne Grenzen-Festival
Vielfalt ohne Grenzen Festival. Grafik: Deutsch-Spanische Freundschaft e.V.

Grafik: Deutsch-Spanische Freundschaft e.V.

Für alle LeserVielfalt ohne Grenzen – das ist gerade in Zeiten von Pandemien, politischen Krisen, Flucht und Kriegen wichtig. Dafür macht sich das gleichnamige Festival und Netzwerk in Leipzig stark: mit einem digitalen Festival-Konzept, das trotz der aktuellen Corona-Situation interkulturellen Austausch ermöglicht und ein tolerantes Miteinander in der Stadt fördert. Eigentlich sollte es im Juli in Grünau stattfinden – nun geht zusammen mit dem Werk 2 neue Wege.
Förderirrsinn für deutsche Kommunen: Wer schon viel hat, dem wird noch mehr gegeben
Das Positionspapier "Wer schon viel hat, dem wird noch mehr gegeben?" Grafik: Berlin Institut

Grafik: Berlin Institut

Für alle LeserManchmal braucht es erst so ein Diskussionspapier, wie es das Berlin-Institut am Donnerstag, 13. August, vorgestellt hat, um wieder sichtbar zu machen, wie unsinnig die deutsche Finanzierung der Kommunen ist. Sie hängen allesamt an irgendwelchen Fördertöpfen und stehen Bund und Ländern als Bittsteller gegenüber, um selbst nur die lebensnotwendigsten Investitionen zu stemmen. Und die wirklich bedürftigen Kommunen können nicht mal Fördergelder beantragen.
outs:de: Leipziger Clubs und Spielstätten gehen auf der Festwiese ab 21. August open air
Am Zentralstadion auf der Festwiese. Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Für alle Leser„Es ist eine nie dagewesene Situation: Corona-Jahr 2020. Im März kam die Welle über uns: Shutdown. Keine Veranstaltungen mehr, kein Publikum, geschlossene Häuser, keine Einnahmen“, beschreibt das LiveKommbinat, der Zusammenschluss der Leipziger Clubs, die so nie erlebte Situation seit dem Wirksamwerden der Corona-Allgemeinverfügung Ende März.
Drei Leben: Ein leicht philosophischer Roman über das Drama der Freiheit in unserem Leben
Fabian Vogt: Drei Leben. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserFabian Vogt ist ein Autor, der Experimente liebt, jene faszinierenden Überlegungen, zu denen unser Gehirn fähig ist, wenn es das Leben als Alternative denkt: Was wäre, wenn ... Wenn wir zum Beispiel drei Leben hätten. Nicht einfach so hintereinander, sondern richtig: drei Träume, die man sich im Leben verwirklichen möchte, auch umsetzen zu können. Ein ganz junges Thema, denn daran verzweifeln viele hochbegabte junge Menschen: an der Unmöglichkeit so einer Wahl.