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„Bonjour Paris!“ (3): Der unterirdische Nahverkehr in Paris

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    Gerade eben sind wir mit dem Flugzeug aus Berlin im Pariser Süden auf dem Flughafen Orly gelandet. Den Eiffelturm, das Schloss Versailles und das gewaltige Häusermeer haben wir aus der Vogelperspektive betrachtet. Nun steht uns eine etwas kleinere Reise durch das Pariser Stadtgebiet bevor: der Flughafen ist im Süden der Metropole, unsere Ferienwohnung im Norden.

    Ich bin kein Freund davon, irgendwo anzukommen und gar nicht zu wissen, wie es weitergeht und wo man hinmuss. Erst recht nicht mit sieben anderen Leuten im Schlepptau. Zum Glück gibt es heute im Internet unzählige Möglichkeiten, sich zu informieren. Manchmal taucht hier jedoch die Sprachbarriere auf: Man sollte schon ein wenig Französisch oder Englisch können, um einen umfassenden Einblick zu bekommen. Die deutschen Website-Versionen von Flughafen und RATP, der Pariser LVB, sind doch recht spärlich und liefern nur die allernötigsten Informationen. Ich kann gar nicht sagen, wie oft ich den Satz gelesen habe, dass diese Seite in der ausgewählten Sprache nicht zur Verfügung steht. Das hilft dann auch nicht weiter, da bin ich lieber gleich in der Originalsprache geblieben. Ein Dank an meine damalige Abitur-Französischlehrerin Frau Rossa. Lang, lang ist’s her.

    Aber zumindest der weitere Weg in unsere Ferienwohnung am entgegengesetzten Ende der Stadt ist klar: eine knappe halbe Stunde Fahrt mit dem Flughafen-Busshuttle, anschließend Umstieg in einen Regionalzug, der in Paris RER heißt (gesprochen Er-Ö-Er) und uns zum Gare du Nord bringt. Von dort sind es nur noch wenige hundert Meter bis zu unserer Zieladresse. So der Plan.

    Ein Flughafen-Busshuttle der besonderen Art

    Ein kurzer Blick zur Orientierung: Da geht’s zum Orlybus. Die erste Herausforderung wartet allerdings am Schalter: Fahrkarten für den Shuttlebus kaufen. Dank der schlecht funktionierenden Wechselsprechanlage und der sehr lauten Umgebungsgeräusche kommt das einer Klassenarbeit im Französisch-Leistungskurs gleich. Aber nichtsdestotrotz stehe ich wenig später glücklich mit acht Fahrkarten in der Hand da – und habe fast 60 Euro weniger im Portemonnaie.

    Die Fahrt mit dem Shuttlebus ist anstrengend. Obwohl er tagsüber alle 15 bis 20 Minuten fährt, ist er knüppeldicke voll. Wir haben ziemlich Probleme, uns acht Personen und acht Gepäckstücke zusammen in einen Bus zu bekommen. Wenn man bis eben gerade am Fahrkartenschalter noch gehofft hatte, dass man für die – teuren – 7,70 Euro Fahrpreis pro Person wenigstens sitzen kann – dann hat man sich vertan. Zügig fährt der Bus über die Autobahn Richtung Paris und durch die südlichen Stadtteile zum RER-Bahnhof Denfert-Rochereau, die Fahrgäste und Gepäckstücke purzeln im Bus hin und her. Jede Kurve wird zu einer Belastungsprobe. Zumindest wird mir jetzt die Wortähnlichkeit zwischen „Shuttle“ und „schütteln“ klarer. Das kann kein Zufall sein!

    Unsere nun schon abgestempelten und benutzten OrlyBus-Tickets. Im Hintergrund die RER-Station im Pariser Süden: Denfert-Rochereau. Foto: Patrick Kulow
    Unsere nun schon abgestempelten und benutzten OrlyBus-Tickets. Im Hintergrund die RER-Station im Pariser Süden: Denfert-Rochereau. Foto: Patrick Kulow

    Angekommen in Denfert-Rochereau: Umstieg in den Zug RER

    Am Bahnhof verlassen wir den Bus und kaufen am Automaten Tickets für die Pariser Nahverkehrsangebote. Hier erwartet den weltreisenden ÖPNV-nutzenden Leipziger eine kleine Überraschung. Da wir an mehreren Tagen mit der Métro, den Bussen und den RER-Nahverkehrszügen fahren werden und wir so viele Personen sind, kaufen wir gleich mehrere Carnets. Ein Carnet ist ein Zehnerpack Fahrscheine, der nur unglaubliche 14,10 Euro kostet. Also 1,40 Euro pro Fahrschein, mit dem man jeweils anderthalb Stunden fahren und umsteigen kann. Kinder unter 10 Jahren zahlen auch hier nur die Hälfte.

    Anmerkung des Autors: MDV und LVB, Sie haben aufmerksam mitgelesen?

    Die Hälfte eines Carnets. Fünf Einzelfahrscheine zum Preis von je 1,40 Euro, mit denen man in Paris Métro, RER, Straßenbahn und Bus fahren kann. Foto: Patrick Kulow
    Die Hälfte eines Carnets. Fünf Einzelfahrscheine zum Preis von je 1,40 Euro, mit denen man in Paris Métro, RER, Straßenbahn und Bus fahren kann. Foto: Patrick Kulow

    Die Pariser Verkehrsgesellschaft RATP bietet für Paris-Besucher auch verschiedene Arten von Tages-, Wochen- und Monatskarten für die verschiedenen Zonen an. Das „Paris Visite“-Ticket kostet für 5 Tage zum Beispiel 35,70 Euro für einen Erwachsenen. Man müsste also bei einem Einzelticketpreis von 1,40 Euro mindestens 26 Mal (5 Mal pro Tag) fahren, um auf den gleichen Preis zu kommen. Für andere Karten („Pass Navigo découverte“) muss man auch noch ein Passbild dabei haben und 5 Euro Bearbeitungsgebühr bezahlen. Diese Tickets lohnen sich für uns nicht, da wir länger in Paris bleiben werden und nicht in der Stadt mehrmals täglich hin- und herfahren werden. Leider gibt es bei den beiden vorgenannten Ticketangeboten keine weiteren Ermäßigungen für Gruppen. Also fällt unsere Entscheidung eindeutig zugunsten der 10er Carnets.

    Diese widerspenstigen Biester haben uns manchmal das Leben echt schwer gemacht. Foto: Patrick Kulow
    Diese widerspenstigen Biester haben uns manchmal das Leben echt schwer gemacht. Foto: Patrick Kulow

    Der Kampf mit dem Drehkreuz

    Die frisch gekauften Tickets in der Hand gehen wir schnurstracks zum Bahnhofseingang. Mehrere Drehkreuze versperren uns den Weg. Manche Anzeigen leuchten grün, manche rot. Die ersten von uns schreiten mutig mit ihrem Koffer hinter sich zu einem grün leuchtenden Monstrum, schieben ihr Ticket in den vorderen Schlitz und ziehen es am oberen Ende wieder heraus. Ein zarter Pieps ertönt, höchste Zeit, sich – und den Koffer – da hindurchzuzwängen.

    Die nächsten stehen schon parat und wollen das genauso machen. Ticket rein, Ticket wieder raus. Doch denkste. Auf der Anzeige oben erscheint ein Kreuz, darunter ein französischer Text, der uns mitteilt, dass das Ticket ungültig ist. Häh? Noch ein Versuch. Das Drehkreuz gibt keinen Millimeter nach. Noch ein paar Versuche. Ticket vorn rein, oben raus. Der bekannte Piepton erschallt. Geschafft.

    Dieses „Phänomen“ wird uns die kommenden Tage noch öfter begegnen. Natürlich habe ich nicht genau Buch geführt, aber einer von uns achten stand wohl immer eine Weile vor dem Eingang (und manchmal auch am Ausgang – was ich ja noch eher verstehen könnte) und führte eine sehr einseitige Konversation mit dem technischen Mitarbeiter am Einlass.

    Die Pariser – oder auch die erfahrenen Touristen, wer weiß? – haben andere Wege für diesen Fall gefunden: Sie halten einfach ihre Hand oben an den Sensor, springen über das Drehkreuz hinüber (ein Schelm, der Böses dabei denkt!) oder drängen sich einfach beim Vordermann mit durch. Was in unserem Fall aber ausschied. Eine Person, ein Koffer und ein Noch-mit-Durchdrängler, das geht nun wirklich nicht.

    Im RER zum Gare du Nord

    Auf dem richtigen Bahnsteig angekommen (die Ausschilderung war genial) warten wir auf unseren Zug. Die Anzeige informiert uns, dass alle 10 Minuten ein Zug fährt. Wir drängeln uns hinein. Das ist auch notwendig, weil der Zug kaum die Türen geöffnet hatte, als auch schon wieder das Abfahrtsignal zu hören war.

    Der RER-Zug Linie B bringt uns unter der Erde (der Leipziger City-Tunnel lässt grüßen) innerhalb von 12 Minuten rasend schnell und ohne weitere Probleme an das andere Ende der Stadt. Sechs Stationen später stehen wir auf einem Bahnsteig des höchstfrequentierten Bahnhofs Europas, dem Gare du Nord. Oder auf Deutsch: dem Nordbahnhof. Etwa 700.000 Passagiere nutzen den Kopfbahnhof täglich. Wir sind heute acht davon.

    Noch unübersichtlicher als der Leipziger und Berliner Hauptbahnhof: der Pariser Gare du Nord. Foto: Patrick Kulow
    Noch unübersichtlicher als der Leipziger und Berliner Hauptbahnhof: der Pariser Gare du Nord. Foto: Patrick Kulow

    Das ober- und unterirdische Gewusel auf mehreren Etagen ist enorm, den richtigen Ausgang zu finden, ist nicht leicht. Schließlich wollen wir ja mit unserem ganzen Reisegepäck keine Umwege laufen. Verwirrende Schilder, die auf aktuelle und kommende Umbauten im Bahnhof hinweisen, tragen ihren Teil zur Verwirrung bei.

    Zwei Irrwege und eine nach oben führende, aber leider still stehende Rolltreppe später (20 Kilo sind doch ganz schön schwer!) stehen wir in der Haupthalle des Bahnhofs. Wir könnten jetzt eigentlich mit unseren Tickets nochmal in die Métrolinie 4 umsteigen und somit ein bisschen näher an unser Reiseziel herankommen. Aber wir haben erstmal genug von der Sucherei und entscheiden uns für den Weg zu Fuß. Also  verlassen wir kurz danach das Bahnhofsgebäude. Sind alle noch da? Ja.

    Zwischendurch kurz die Überlegung „Hätten wir doch die Métro nehmen sollen?“. Vom Gare du Nord geht es Richtung Montmartre recht steil bergan. Und das mit den Koffern. Aber eine Viertelstunde später stehen wir im nördlich gelegenen Stadtteil Montmartre vor unserem Haus. Keine Namensschilder, keine Klingeln. Nur ein Tastenfeld.

    Haustürschlüssel gibt es hier nicht. Ein fünfstelliger Zugangscode hilft weiter. Foto: Patrick Kulow
    Haustürschlüssel brauchen wir hier nicht. Eine fünfstellige Zahlenkombination bringt uns ins Haus. Foto: Patrick Kulow

    Ein Ruf nach oben zu den geöffneten Fenstern im ersten Stock bringt einen lockigen Frauenkopf zum Vorschein: unsere Gastgeberin Cecile.

    Im nächsten Teil des Urlaubstagebuches lernen wir unsere Gastgeberin und unsere Ferienwohnung kennen und begeben uns auf einen – teilweise erschreckenden – Abendspaziergang durch das bezaubernde und von allen immer so pittoresk empfundene Montmartre. Weit gefehlt!

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