Zu den Ergebnissen der Befragung des wissenschaftlichen Mittelbaus an der TU Dresden, die von der dortigen Mittelbauinitiative durchgeführt wurde, erklärt der wissenschafts- und hochschulpolitische Sprecher der Fraktion Die Linke im Sächsischen Landtag, Prof. Dr. Dr. Dr. h.c. Gerhard Besier: Ich bin der Initiative außerordentlich dankbar, dass sie diesen ungefilterten Einblick in die Arbeitsbedingungen des TU-Mittelbaus ermöglicht.

Das gravierendste Problem ist nicht überraschend das Befristungsunwesen: Mehr als 91,5 % der Befragten sind befristet beschäftigt, ein Zustand, der jeweils offenbar mindestens zehn Jahre anhält, bevor sich die Chance auf Entfristung eröffnet. Mehr als ein Fünftel besitzt gleichzeitig zwei oder mehr Arbeitsverträge mit der TUD. 42 % der Verträge haben eine Laufzeit von unter einem Jahr. Fast jeder Dritte blickt bereits auf sechs oder mehr befristete Verträge zurück. Lebensplanung bleibt so unmöglich.

Es ist ein Armutszeugnis, dass der Lehrbetrieb vielerorts nur durch den Einsatz von Drittmittelbeschäftigten, Wissenschaftlichen Hilfskräften und Stipendiaten aufrecht erhalten werden kann. Lehraufgaben werden in erheblichem Umfang von Personen wahrgenommen, die kein Deputat zu erfüllen haben. Das geschieht keineswegs freiwillig, sondern nach Aufforderung; der Anteil an der Arbeitszeit, der für die eigene Qualifikationsarbeit verwendet werden kann, tendiert bei sehr vielen gegen Null. Promotions- und Habilitationsprojekte kommen so zu kurz, obwohl die Beschäftigten ein Recht darauf haben, sie konzentriert weiterführen zu können.

Ich kann nur schlussfolgern, dass die teils hohen Zufriedenheitswerte, die zwischen Fakultäten und Beschäftigtengruppen stark schwanken, trotz der Situation zustande kommen und nicht aufgrund derselben. Die Erwartungen der Befragten für die Zeit nach dem Auslaufen ihres Arbeitsvertrages sind entsprechend düster: Ein neuer befristeter Vertrag, das Verlassen der Hochschule und Arbeitslosigkeit sind die häufigsten Prognosen. Knapp 80 % der Befragten sehen keine berufliche Perspektive an der TU. Das darf sich kein Wissenschaftssystem leisten.

Weite Teile des wissenschaftlichen Nachwuchses befinden sich in einer prekären Lage, die akademische Laufbahn verliert zunehmend jeden Reiz. Das ist eine schwere Hypothek für die sächsische Gesellschaft und die Innovationsfähigkeit ihrer Wirtschaft. Wer in Kenntnis dieser Ergebnisse und der Folgen des Stellenabbaus noch immer behauptet, Sachsens Hochschullandschaft sei vielfältig, gut ausgestattet und attraktiv, wirft Nebelkerzen und zeigt kein Interesse an der Situation der Betroffenen. Die Staatsregierung muss den Wissenschaftsbetrieb endlich besser ausstatten das Prinzip Dauerstellen für Daueraufgaben muss uneingeschränkt gelten!

Die Ergebnisse der Befragung finden sich unter:
http://mittelbau-dresden.de/wp-content/uploads/sites/2/2014/01/praesentation.pdf

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