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Leipziger Wissenschaftspreis 2016 zweifach vergeben

Mit einem Festakt im Alten Rathaus zu Leipzig ist heute der diesjährig mit insgesamt 20.000 Euro dotierte Leipziger Wissenschaftspreis verliehen worden. Die erstmalig doppelte Auszeichnung ging an zwei Preisträger: Prof. Dr. Annette G. Beck-Sickinger, Professorin für Bioorganische Chemie/Biochemie an der Universität Leipzig, und Prof. Dr. Manfred Rudersdorf, Professor für Geschichte der Frühen Neuzeit an der Universität Leipzig. Beide Preisträger sind Ordentliches Mitglied der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig, Manfred Rudersdorf leitet mehrere Forschungsprojekte an der Akademie.

Der Preis, der regelmäßig von der Stadt Leipzig, der Universität Leipzig und von der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig verliehen wird, prämiert jeweils Arbeiten, die höchsten wissenschaftlichen Ansprüchen genügen und Leipzigs Ruf als Stadt der Wissenschaften mit einer national und international gewichtigen Forschungs- und Bildungslandschaft festigen. Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung dazu: „Der Leipziger Wissenschaftspreis ist ein Gütesiegel. Weltbekannte Forscher und Theoretiker wie Svante Päabo, der Begründer der Paläogenetik, oder Dan Diner, der langjährige Direktor des Simon-Dubnow-Instituts, sind Träger unseres Wissenschaftspreises. Diese Preisverleihung spricht von der Exzellenz, die in Leipzig in den Natur- und Geisteswissenschaften vorhanden ist.“

„Die Jury des Leipziger Wissenschaftspreises 2016 hatte wie immer eine besonders schöne und zugleich schwierige Aufgabe, galt es doch unter vorgeschlagenen Wissenschaftlern mit jeweils hoher nationaler und internationaler Reputation auszuwählen. Diese Aufgabe konnte dieses Mal nur dadurch zufriedenstellend gelöst werden, dass die Jury schließlich entschieden hat, den Preis in diesem Jahr an zwei herausragende Persönlichkeiten zu vergeben und damit das reiche Feld sowohl der Natur- als auch der Geisteswissenschaften gleichermaßen zu repräsentieren“, so der Präsident der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig, Prof. Dr. Hans Wiesmeth, über die zweifache Preisvergabe.

„Ich freue mich außerordentlich, dass in diesem Jahr zwei Wissenschaftspreise verliehen werden können. Dass diese beiden an eine international hoch renommierte Lebenswissenschaftlerin und einen ebenfalls sehr renommierten, in seiner Forschung auch der Stadt Leipzig besonders verbundenen Wissenschaftler gehen, die beide Professuren an der Universität Leipzig innehaben, erfüllt mich mit besonderem Stolz“ betonte Prof. Dr. med. Beate A. Schücking, Rektorin der Universität Leipzig.

Hintergrundinformationen

Leipziger Wissenschaftspreis

Leipzig ist eine Stadt der Wissenschaften und der Kultur mit einer reichen Forschungs-, Bildungs- und Wissenschaftslandschaft, die in der nationalen und internationalen Wissenschaft eine gewichtige Stimme hat. Der Leipziger Wissenschaftspreis soll dies öffentlich dokumentieren, indem er Arbeiten prämiert, die höchsten wissenschaftlichen Ansprüchen genügen und Leipzigs Ruf als Stadt der Wissenschaften festigen. Der Leipziger Wissenschaftspreis wird von der Stadt Leipzig, der Universität Leipzig und der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig verliehen. Er ist in diesem Jahr mit einem Preisgeld von 20.000 Euro verbunden, das zu gleichen Teilen unter den Preisträgern aufgeteilt wird.

Über die Verleihung des Preises entscheidet eine Jury von neun Wissenschaftlern. Die Jury arbeitet ehrenamtlich und hat eine Amtszeit von vier Jahren.

Die Jury für den Leipziger Wissenschaftspreis 2016 bestand aus folgenden Mitgliedern:
–        Prof. Dr. Beate A. Schücking, Rektorin der Universität Leipzig
–        Prof. Martin Kürschner, Rektor der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“
–        Prof. Dr. Svante Pääbo, Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie
–        Prof. Dr. Georg Teutsch, Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung GmbH – UFZ
–        Prof. Dr. Hans Wiesmeth, Präsident der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig
–        Prof. Dr. Jörg Kärger, Universität Leipzig
–        Prof. Dr. Wolfgang Huschner, Sächsische Akademie der Wissenschaften zu Leipzig
–        Prof. Dr. Ulrich Brieler, Stadt Leipzig
–        Dr. Michael Schimansky, Stadt Leipzig

Bisherige Preisträger des Leipziger Wissenschaftspreises:
2001: Nationalatlas Bundesrepublik Deutschland des Instituts für Länderkunde Leipzig, heute: Leibniz-Institut für Länderkunde Leipzig
2003: Prof. Dr. Svante Pääbo, Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie
2006: Prof. Dr. Jürgen Haase, Leibniz-Institut für Festkörper- und Werkstoffforschung Dresden, heute: Dekan der Fakultät für Physik und Geowissenschaften an der Universität Leipzig
2009: Prof. Dr. Frank Zöllner, Universität Leipzig, Institut für Kunstgeschichte
2011: Prof. Dr. Marius Grundmann, Universität Leipzig, Institut für Experimentelle Physik II
2013: Prof. Dr. Dan Diner, Hebräische Universität Jerusalem, ehem. Simon-Dubnow-Institut für jüdische Geschichte und Kultur an der Universität Leipzig

Preisträger 2016

Prof. Dr. Annette G. Beck-Sickinger

Vita
Annette Beck-Sickinger studierte Chemie und Biologie an der Universität Tübingen und promovierte 1989. Nach Forschungsaufenthalten in San Diego, Kopenhagen und Zürich habilitierte sie sich für das Fach Biochemie an der Universität Tübingen. Von 1997 bis 1999 war sie Assistenzprofessorin für Pharmazeutische Biochemie an der ETH Zürich. Den Ruf auf den Lehrstuhl für Biochemie und Bioorganische Chemie an der Universität Leipzig hat sie zum 1.10.1999 angenommen. 2009 war sie als Gastprofessorin an der Vanderbilt University in Nashville (USA). Sie war Mitglied des Vorstandes der Gesellschaft Deutscher Chemiker und von 2004 bis 2012 Kollegiatin des Fachkollegium 201 „Grundlagen der Biologie und Medizin“ der Deutschen Forschungsgemeinschaft, das sie von 2008 bis 2012 leitete.

Prof. Beck-Sickinger ist Mitglied im Kuratorium des Fond der Chemischen Industrie sowie in nationalen und internationalen wissenschaftlichen Beiräten, wieder European Federation of Medicinal Chemistry (EFMC) oder des Centers for Biopharmaceuticals in Kopenhagen. 2012 wurde sie in den Wissenschaftsrat der Bundesregierung gewählt. Sie ist Mitglied der Sächsischen Akademie der Wissenschaften und der Nationalen Akademie Deutschland Leopoldina. Ihre wissenschaftliche Arbeit wurde mit zahlreichen Preisen und Ehrungen gewürdigt.

Annette Beck-Sickinger hat wesentliche Beiträge zur Erforschung der Peptid-Protein-Interaktionen geleistet. Ihre Schwerpunkte sind dabei die Wechselwirkung von Peptid- und Protein-Liganden mit G-Protein gekoppelte Rezeptoren, deren Modulation und Aufklärung der Wirkmechanismen, bis zur Entwicklung von therapeutischen Peptiden und Proteinen zur Behandlung von metabolischen Erkrankungen. Auch in der Schmerzforschung sowie in der Tumortherapie und -Diagnostik finden sie Anwendung.
Ihr zweiter Forschungsschwerpunkt beschäftigt sich mit der chemischen Modifizierung von Proteinen. Ihre Arbeiten führten zu neuen Ansätzen der Implantatbeschichtungen.

Prof. Dr. Manfred Rudersdorf

Vita

Manfred Rudersdorf studierte Geschichte und Politikwissenschaft in Gießen. Er promovierte 1988 an der Geschichtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Tübingen, wechselte im Anschluss an die Universität Osnabrück, wo er sich 1993 für „Neuere und Neueste Geschichte“ habilitierte. Im Jahr 1996 wurde er zum außerplanmäßigen Professor an der Universität Osnabrück ernannt und folgte einem Jahr später dem Ruf auf die Professur für Geschichte der Frühen Neuzeit an der Universität Leipzig.

Er ist unter anderem wissenschaftliches Mitglied der Historischen Kommission und des Ehrenrates der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig und des wissenschaftlichen Beirats des Projekts „Leipziger Stadtgeschichte 2015“. Seit dem vergangenen Jahr gehört der Historiker dem Erweiterten Senat der Universität Leipzig an. Seit 2013 ist Rudersdorf Dekan der Fakultät für Geschichte, Kunst- und Orientwissenschaften. Die Universität Leipzig verlieh ihm 2003 für sein besonderes Engagement für die akademische Lehre den Theodor-Litt-Preis und 2011 die Leipziger Universitätsmedaille in „Würdigung hervorragender Dienste um die Universität Leipzig“.

Schwerpunkte seiner Arbeit bilden Fragen nach der Typologie der territorialen Fürstenherrschaft im Reformationsjahrhundert sowie nach dem geistig-kulturellen Spannungsgefüge zwischen orthodoxem Luthertum und universalem Humanismus im Zeichen der evangelischen Bekenntnisbildung vor dem Dreißigjährigen Krieg. In den vergangenen Jahren hat er sich intensiv mit der Leipziger Universitätsgeschichte im Rahmen der mitteldeutschen Bildungslandschaft befasst. Im Juli 2011 übergab Rudersdorf als Vorsitzender der Senatskommission zur Erforschung der Leipziger Universitäts- und Wissenschaftsgeschichte den letzten der fünf Bände „Geschichte der Universität Leipzig“ an Rektorin Prof. Dr. Beate Schücking. Damit war die Arbeit der Senatskommission an diesem Projekt beendet. Auf insgesamt 5.198 Seiten gibt das abgeschlossene Gesamtwerk einen umfassenden Überblick über die historische Entwicklung der 600 Jahre alten Alma mater Lipsiensis auf dem neuesten Stand der Forschung.

An der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig, an der er seit 2001 Ordentliches Mitglied ist, leitet Manfred Rudersdorf das Akademie-Projekt „Edition des Briefwechsels von Johann Christoph Gottsched“ sowie gemeinsam mit Armin Kohnle das Akademie-Projekt „Briefe und Akten zur Kirchenpolitik Friedrichs des Weisen und Johanns des Beständigen 1513 bis 1532. Reformation im Kontext frühneuzeitlicher Staatswerdung“. An zahlreichen weiteren Forschungsvorhaben der Akademie ist er im Rahmen seiner Kommissionstätigkeit beteiligt. Von 2004 bis 2011 war er Stellvertretender Sekretar der Philologisch-historischen Klasse der Akademie.

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Im Museum der bildenden Künste. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

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