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Delegation aus Südkorea informierte sich in der „Runden Ecke“, wie aus einem Diktatur-Gebäude ein Museum entsteht

Gestern besuchte der Vorstandsvorsitzende Jintae Cho von der „18. Mai Stiftung“ aus Gwangju in Südkorea mit Begleitern und Frau Han Jung-Hwa vom Korea Verband in Berlin die Gedenkstätte Museum in der „Runden Ecke“. Die Stiftung, die seit 1994 an den blutig niedergeschlagenen Aufstand vom 18. Mai 1980 in Gwangju erinnert, der heute als Meilenstein der Demokratiebewegung Südkoreas gefeiert wird, sucht bei seinem Deutschland-Besuch nach einem Modell für ein eigenes Museum.

Eingerichtet werden soll es in einem Militärgebäude, in dem einst Menschen verhört und gefoltert worden sind. In Leipzig erkundeten sie die ehemalige Stasi-Bezirksverwaltung und sprachen auch über gemeinsame Projekte.

Der Aufstand von Gwangju 1980 für Freiheit und Demokratie wird heute als Meilenstein für die Demokratiebewegung Südkoreas gefeiert. Demokratie herrschte aber lange nicht: Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die koreanische Halbinsel durch die Siegermächte – die USA und die Sowjetunion – in Nord und Süd geteilt.

Als im Oktober 1979 der damalige Präsident Park Chung-Hee nach 18-jähriger Militärherrschaft durch einen Mann seines eigenen Geheimdienstes erschossen wurde, hoffte die Bevölkerung auf eine Demokratisierung des Landes. Zwei Monate später, im Dezember 1979, putsche sich General Chun Doo-Hwan an die Macht. Südkorea stand nun erneut unter der Herrschaft einer Militärregierung. Es kam landesweit zu Massenunruhen und Protesten, die am 18. Mai 1980 gewaltsam niedergeschlagen worden sind. I

n der Folge kam es zu zahllosen Verhaftungen und Ermordungen. Bis heute gibt es keine vollständige Aufarbeitung des Aufstandes. So ist beispielsweise unklar, wer vor nunmehr 38 Jahren den ersten Schießbefehl gab. Hoffnung auf Aufarbeitung gibt es mit dem neuen Präsidenten Südkoreas, Moon Jae-in.

Stiftung ist eine der bedeutendsten Menschenrechtsorganisationen in Asien

Überlebende des Aufstandes, Angehörige von Opfern und Bürger der Stadt Gwangju gründeten 1994 die mittlerweile prominente „18. Mai Stiftung“. Diese erinnert an den Geist des Kampfes und die Solidarität des blutig niedergeschlagenen Aufstandes von Gwangju am 18. Mai 1980.

Anfangs hatte die Stiftung mit Hindernissen zu kämpfen, mittlerweile hat sie zahlreiche Gedenk-, Forschungs- und Wahrheitsprojekte sowie Bildungs- und Solidaritätsprogramme organisiert. Positiv auf die Arbeit wirkte sich im Jahr 2011 die Aufnahme der Unterlagen vom 18. Mai in UNESCO-Weltkulturerbe auf. Seitdem hat sich die „18. Mai Stiftung“ zu einer der bedeutendsten Menschenrechtsorganisationen in Asien entwickelt.

Delegation auf Modell-Suche und möglichen Veranstaltungspartnern

Eine Delegation der „18. Mai Stiftung“ aus Südkorea reiste Anfang Dezember 2018 nach Deutschland, um hier nach einem Modell zu suchen, wie ein Gebäude der Diktatur später als Gedenkstätte oder Museum genutzt werden kann. In der Stadt Gwangju will die Stiftung im ehemaligen Gebäude der „Einheit 505 für Sicherheit“ ein Museum einrichten. Das Gebäude wurde während des Aufstandes vom Militär genutzt, sowohl operativ als auch um dort Demonstranten und Bürger der Stadt zu verhören und zu foltern.

Am Mittwoch, den 5. Dezember 2018, kamen die Südkoreaner gemeinsam mit Frau Han Jung-Hwa vom Korea Verband aus Berlin nach Leipzig und besuchten hier am Vormittag die Gedenkstätte Museum in der „Runden Ecke“, um sich einerseits einen Eindruck vom gewaltigen Ausmaß des einst einschüchternden Ortes der Diktatur, der ehemaligen Bezirksverwaltung für Staatssicherheit der DDR, zu verschaffen und um andererseits in einem Gespräch mit Gedenkstättenleiter Tobias Hollitzer, mehr über die Überwindung der Diktatur, die Besetzung der ehem. Stasi-Zentrale und den Aufbau der Gedenkstätte Museum in der „Runden Ecke“ zu erfahren.

Bei dem Rundgang fielen dem Vorstandsvorsitzenden Jintae Cho zahlreiche Ähnlichkeiten auf, vor allem was den Herbst 1989 in Leipzig betraf, als hunderttausende Menschen auf den Straßen demonstrierten, allerdings blieb es in Südkorea 1980 nicht friedlich. Auch die Formen der Erinnerung an die Demonstrationen seien ähnlich: Beispielsweise informiert die Gedenkstätte Museum in der „Runden Ecke“ mit einer Open-Air-Ausstellung mit 20 Stelen im Innenstadtbereich über wichtige Ereignisse der Friedlichen Revolution an Originalschauplätzen in Leipzig.

In Gwangju stehen verschiedene Steine als Erinnerungsmale. Erstaunt war Herr Cho vor allem von den vielen Objekten. Auch das Ausmaß des Geländes, das Besucher beim neuen Rundgang „Stasi intern“ erkunden können, war für ihn beeindruckend.

Nachdem sich die Delegation beim Rundgang Anregung holte, wie unter anderem ein Museum bzw. eine Ausstellung in einem original erhaltenen Ort der Diktatur eingerichtet oder Sammlungsobjekte eingebunden werden können, erfuhren die Mitglieder im anschließenden Gespräch, wie das Museum aufgebaut ist, welche Arbeitsbereiche es gibt oder welche Vermittlungsformate genutzt werden.

Dabei sprachen Jintae Cho von der „18. Mai Stiftung“ und Tobias Hollitzer von der Gedenkstätte Museum in der „Runden Ecke“ auch über gemeinsame Veranstaltungen und Ausstellungen im Jahr 2020, wenn der Aufstand von Gwangju sich zum 40. Mal jährt und in Deutschland der 30. Jahrestag der Deutschen Einheit gefeiert wird.

Im Anschluss an den Besuch in der Gedenkstätte Museum in der „Runden Ecke“ fuhr die Delegation nach Dresden, um sich dort in der Gedenkstätte Bautzner Straße die ehemalige Stasi-Untersuchungshaftanstalt anzusehen.

Ausstellung zum Aufstand von Gwangju 1980 in der Gedenkstätte Museum in der “Runden Ecke”

Die Gedenkstätte Museum in der „Runden Ecke“ hat bereits in diesem Herbst gemeinsam mit dem Korea Verband aus Berlin Veranstaltungen zur Demokratiebewegung Südkoreas organisiert. Seit dem 15. September 2018 präsentiert die Gedenkstätte außerdem eine Fotoausstellung des Korea Verbands, die ehemals verbotene Fotos des Aufstandes zeigt und so über den Hergang der zehntägigen Demokratiebewegung in Gwangju im Mai 1980 informiert.

Die schwarz-weiß Fotos haben Journalisten und Zivilisten unter Lebensgefahr aufgenommen. Seit Juli 2011 gehören die Bilder zum UNESCO-Weltkulturerbe. Die Ausstellung kann täglich von 10 bis 18 Uhr vor dem ehemaligen Stasi-Kinosaal der Gedenkstätte besichtig werden. Im Saal selbst ist die Ausstellung „Leipzig auf dem Weg zur Friedlichen Revolution“ zu sehen. Der Eintritt ist frei.

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