Die alte Erich-Kästner-Schule bekommt kein neues Wandbild

Für alle LeserIhr Finale als Stadträtin nutzte Ute Elisabeth Gabelmann (Piraten) ja noch zu einer ganzen Reihe recht widerborstiger Fragen. Eine davon behandelte die sanierte und modernisierte ehemalige Erich-Kästner-Schule in Gohlis. Deren Außenhülle bekam jetzt eine doch sehr nüchterne, regelrecht technische Gestaltung. Dafür verschwand das einstmals über dem Eingang zu sehende Kästner-Graffiti.

Es ist nicht das erste Schulgebäude, das einen derart sachlichen Außenmantel bekommen hat. Farbenfroh sieht anders aus, fand Ute Elisabeth Gabelmann: „Am Beispiel der sanierten Erich-Kästner-Schule (Georg-Schumann-/Ecke Lützowstraße) fällt auf, dass sehr kühle, demotivierende, dunkle Farben (weiß, steingrau, burgunder) verwendet wurden, die in dieser Kombination nicht aktivierend wirken. Zudem ist das künstlerische Kästner-Graffito verschwunden und musste einer einheitlichen Farbfläche Platz machen, welche diese Seite der Schule nun sehr dominiert.“

Verschwunden ist das Bild natürlich auch, weil ja dahinter in der Erfurter Straße eine völlig neue Erich-Kästner-Schule gebaut wurde – modern, hell, lindgrün, 2013 eröffnet. Eigentlich sollte sie die alte Plattenbauschule an der Ecke Georg-Schumann-Straße/Virchowstraße komplett ersetzen und diese dann abgerissen werden. Genau so wurde ja vor zehn Jahren noch gedacht. Aber bald zeichnete sich ab, dass man auf das Gebäude überhaupt nicht verzichten konnte. Ab 2017 wurde es für 7,1 Millionen Euro komplett saniert und modernisiert. Samt Wärmedämmung. „Perspektivisch ist die Etablierung einer eigenständigen 3-zügigen Grundschule mit zwei DaZ-Klassen und Hortbetrieb mit einer Regelschülerzahl von 392 Kindern (max. 470) vorgesehen.“

Aber so richtig fröhlich wirkt das Schulgebäude jetzt nicht mehr. Gibt es dahinter also so eine Art Konzept in der Verwaltung und damit auch einen Grund dafür, warum „solche Farbpaletten für Schulbauten ausgewählt“ werden? „Wird dabei auch auf die farbpsychologische Wirkung geachtet?“

Aber darüber hat sich augenscheinlich niemand so richtig Gedanken gemacht. Jedenfalls gibt es kein auf die Lernermunterung der Kinder abgestimmtes Farbkonzept, teilt das Dezernat Stadtentwicklung und Bau jetzt mit: „Die Stadt Leipzig gibt für die äußere Gestaltung von Schulgebäuden keine ausgewählten Farbpaletten vor. Eine solche Vorgabe wird als nicht sinnvoll angesehen, weil die äußere Gestalt sich zum einen aus der Funktion ergibt, zum anderen einen Bezug zum Standort und der umgebenden Bebauung haben sollte. Die diesbezügliche Entscheidung wird deshalb auf das jeweilige Schulgebäude und die städtebauliche Situation abgestimmt. Jedem Schulneubau bzw. jeder Sanierung geht ein intensiver Planungsprozess voraus. In dessen Rahmen entwickeln die beteiligten Architekturbüros jeweils Konzepte zur äußeren Gestaltung. Im Fall der ehemaligen Erich-Kästner-Schule wurde im Rahmen des VgV-Verfahrens für die Fassade eine schlichte Farbgestaltung ausgewählt. Im Inneren der Schule wurde eine farbenfrohe Gestaltung umgesetzt.“

Das neue Design der einstigen Erich-Kästner-Schule. Foto: Ralf Julke

Das neue Design der einstigen Erich-Kästner-Schule. Foto: Ralf Julke

Und irgendwie bedauerte Ute Elisabeth Gabelmann ja das Verschwinden des Wandbilds, in dem der Namenspatron der Erich-Kästner-Schule zu sehen war. Wird es wenigstens ein neues Wandbild geben?

„Das Kästner-Graffito befand sich auf dem Waschbeton und konnte nicht erhalten werden, weil im Rahmen der Sanierung eine Ertüchtigung der Außendämmung notwendig war“, teilt das Planungsdezernat dazu mit. „Zudem enthielt das Graffito den Schriftzug ,Erich-Kästner-Grundschule‘. Die jetzige Erich-Kästner-Schule befindet sich jedoch im dahinterliegenden Neubau. Die sanierte Plattenbauschule wird derzeit noch als Außenstelle der Erich-Kästner-Schule geführt. Sie soll zeitnah eigenständig werden und dann auch einen eigenen Namen erhalten. Der Schriftzug wäre ab diesem Zeitpunkt irreführend.“

Und wenigstens ein neues Bild?

Auch das nicht: „Die Gestaltung der neuen Schule sieht kein Graffito vor.“

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Erich Kästner
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