Der Hartholzauwald ist ein besonders artenreicher und schützenswerter Lebensraum. An Deutschlands Flüssen ist er selten geworden; doch in Leipzig gibt es die Chance, ihn zu erhalten. Die prägende Baumart dieses Waldtyps ist die Stiel-Eiche (Quercus robur). Sie ist ein unverzichtbarer Bestandteil dieses Ökosystems und wurde deshalb vom NABU-Regionalverband Leipzig zur Auwaldpflanze des Jahres 2012 gekürt.

Bürgermeister Heiko Rosenthal, Beigeordneter für Umwelt, Ordnung und Sport, hat das Geheimnis beim Tag des Leipziger Auwaldes gelüftet, der wie jedes Jahr am 16. April stattfand.

Fast 100 Naturfreunde waren zum 18. Tag des Leipziger Auwaldes nach Lützschena gekommen, sodass der Veranstaltungsraum in der Auwaldstation kaum für alle ausreichte. Im Erdgeschoss wurde spontan eine zweite Vortragsreihe organisiert, und im Hof konnte eine kleine Ausstellung mit Naturzeichnungen bewundert werden. Nach den Fachvorträgen zur Auwaldnatur folgte noch eine Exkursion, bei der man die Stiel-Eiche und auch andere interessante Auwaldbewohner näher kennen lernen konnte.Der Tag des Leipziger Auwaldes wird seit 1994 vom NABU-Regionalverband Leipzig organisiert und vom Amt für Umweltschutz der Stadt unterstützt. Jedes Jahr am 16. April steht der Auwald im Mittelpunkt – Leipzigs wertvollstes Naturerbe. Der NABU möchte über die interessanten Besonderheiten dieser Flusslandschaft informieren und auf ihre Bedrohungen aufmerksam machen. Symbolisch steht jedes Jahr ein Auwaldtier oder eine Auwaldpflanze als “Botschafter” für das Anliegen der Naturschützer. 2012 wurde die Stiel-Eiche als prägende Art der Hartholzaue zur Auwaldpflanze des Jahres gewählt.

Stiel-Eichen können ein beachtliches Alter erreichen, einzelne Bäume sollen sogar 1.400 Jahre alt sein. Gerade die alten Eichen sind ökologisch besonders wertvoll. In der Krone kann man mehr als 1000 Insektenarten, darunter über 100 Schmetterlings- und zahlreiche seltene Käferarten antreffen. Diese Vielfalt lässt sich in anderen Baumkronen nicht finden.

Der Erhalt alter Stiel-Eichen ist deshalb ein wichtiges Anliegen des Naturschutzes. Es geht aber auch um den Erhalt des Lebensraums dieser Baumart – um den Schutz der Hartholzaue.In der Leipziger Auenlandschaft ist dieser dynamische und artenreiche Waldtyp unter Einflussnahme des Menschen im Laufe von Jahrhunderten entstanden. Doch im Industriezeitalter änderte sich die Art der Waldbewirtschaftung, und die Landschaft wurde durch Wasserbaumaßnahmen und Braunkohleabbau so stark verändert, dass der Hartholzauwald seinen Charakter immer mehr verloren hat. Heute versucht man, ihn zu erhalten oder wieder herzustellen. Nach europäischen Naturschutzrichtlinien ist der Hartholzauwald ein schützenswerter Lebensraum, durch ökologisch orientierte Forstwirtschaft wird versucht, die Stiel-Eiche gezielt zu fördern und ihren Anteil am Baumartenbestand im Leipziger Auwald wieder zu erhöhen.

Beim 18. Tag des Leipziger Auwaldes hat der Naturschutzbund NABU darüber informiert. Viele werden nun vielleicht die Stiel-Eiche mit ihren charakteristischen gelappten Blättern und mit den an langen Stielen sitzenden Eicheln mit anderen Augen sehen.

www.NABU-Leipzig.de

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