Die Annalinde gGmbH ist ein richtiger Sammler von Auszeichnungen. Denn sie macht vor, wie sich das Leben in Großstädten wie Leipzig verändern muss. Es muss grüner werden. Die Stadt muss zum Erlebnisort für wachsende Natur werden. Und die Städter müssen wieder Kontakt finden zum eigenen Essen. Urban Gardening ist mehr als nur ein Großstadttrend. Am Mittwoch gab es eine Förderurkunde für die Erweiterung des Gartenprojekts.

Gleich von der Einweihung des Wehrs Kleinliebenau II an der Neuen Luppe kam Sachsens Umweltminister Wolfram Günther am Mittwoch, 6. Juli, herübergeradelt nach Lindenau, um einen Förderbescheid an die Annalinde gGmbH für das Projekt „Urban Gardening“ zu übergeben und sich vor Ort über das Projekt informiert.

Großstädter sollen wieder Gärtnern lernen

Im Rahmen des Vorhabens sollen an je einem Standort in Leipzig und Dresden öffentlich zugängliche Demonstrationsgärten entstehen, in denen sich Verbraucherinnen und Verbraucher sowie Kindergartenkinder, Schülerinnen und Schüler über innovative Anbaumethoden auf kleinen städtischen Flächen informieren können.

Denn die meisten Großstädter haben es nie gelernt, obwohl das selbst in Leipziger Hinterhöfen einst normal war und kleine Gärten zu Selbstversorgung der Bewohner beitrugen.

Gärtnern auf kleinen Flächen: bei Annalinde kann man es lernen. Foto: LZ
Gärtnern auf kleinen Flächen: bei Annalinde kann man es lernen. Foto: LZ

Doch seit es scheinbar alles fertig im Supermarkt gibt, haben auch die meisten Kleingärten ihre Funktion als Gemüse- und Obstlieferant verloren. Scheinbar war ja alles in Hülle und Fülle da. Und das auch noch billig. Meist importiert aus anderen Ländern, wo man den Schaden, den die Plantagen und der riesige Wasserverbrauch dort anrichteten, nicht sieht. Das wird erst mit dem Klimawandel für viele sichtbar.

Die Preissteigerungen im Supermarkt sind erst der Anfang. Ausbleibende Lieferungen aus bisherigen Importregionen werden folgen. Denn wo über Jahrzehnte die Böden ausgelaugt, überdüngt, mit Pestiziden belastet und von anhaltender Dürre ausgetrocknet sind, wächst bald auch kein billiges Gemüse für deutsche Supermärkte mehr.

Immer mehr Menschen werden sich wieder darum bemühen, das, was sie essen wollen, selbst anzubauen. Am besten gleich hinterm Haus. Und wenn sich Hausverwaltungen nicht stur stellen, geht das auch.

Das Sächsische Staatsministerium für Energie, Klimaschutz, Umwelt und Landwirtschaft unterstützt das Projekt von Annalinde jetzt mit insgesamt 214.378 Euro aus Mitteln der „Richtlinie Besondere Initiativen“. Am Mittwoch überreichte Wolfram Günther den Förderbescheid in der Lützner Straße.

„Viele Menschen in den großen Städten haben den Wunsch nach regionalen Lebensmitteln und nach Eigenversorgung mit Obst und Gemüse aus dem direkten urbanen Umfeld“, sagt der Umweltminister dazu.

„Das Projekt Annalinde zeigt seit Jahren beispielgebend, wie urbane Brachflächen für die lokale Nahrungsmittelproduktion genutzt werden können. Urban Gardening verkürzt Lieferketten, dient der Versorgungssicherheit mit Lebensmitteln, ist dank kurzer Wege ein wichtiger Beitrag für den Klimaschutz und fördert die Biodiversität im urbanen Raum. Urban-Gardening-Projekte sind aber auch wertvolle Orte für Kommunikation. Hier wird Wissen über Ernährung und Umwelt ausgetauscht. Hier lernen junge Menschen, wie man gärtnert. Hier kommen Menschen über gesunde, regionale und saisonale Lebensmittel ins Gespräch.“

Gärtnern auf kleinsten Flächen

Das Urban-Gardening-Projekt der Annalinde gGmbH zeigt gärtnerische Anbaumethoden auf kleinen städtischen Flächen auf. Hierfür sollen an zwei Standorten in Leipzig (Gärtnerei Lützener Straße 108) und Dresden (Alte Gärtnerei Pieschen, Heidestraße, ggü. 21) ganzjährig gepflegte sowie öffentlich zugängliche Demonstrationsgärten als Stätten des Wissenstransfers entstehen.

Gemüse in der eigenen Kiste anbauen: Mit Annalinde lernt man, wie es geht. Foto: LZ
Gemüse in der eigenen Kiste anbauen: Mit Annalinde lernt man, wie es geht. Foto: LZ

Gezeigt wird der Anbau von Obst und Gemüse anhand von bis zu zehn verschiedenen Gartenbaumodulen wie Hochbeete oder andere Formen des Gartenbaus. Das Projekt vermittelt dabei Kenntnisse im umweltgerechten Gartenbau, darunter Wissen zu effizienten Bewässerungstechniken, vertikalen Anbaumethoden oder zur Herstellung von Kompost aus eigenen Bioabfällen.

Im Rahmen des Vorhabens entwickelt Annalinde zudem Workshop-, Seminar- und Fortbildungsformate in den Gärten. Zielgruppen sind gärtnerisch interessierte Verbraucherinnen und Verbraucher, Fachleute aus Kleingartenvereinen ebenso wie Kindergärten, Schulen und Hochschulen. Für Auszubildende im Bereich Gartenbau wird darüber hinaus eine Fortbildung als „Stadtgärtner/-in“ angeboten.

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