Arbeitsmarkt im Januar

Saisondämpfer, angemeierte Langzeitarbeitslose und wieder mehr Kinder in „Hartz IV“

Für alle LeserDie Arbeitsmarktzahlen für Januar sind da. Auch wenn sie wieder - scheinbar - leicht stiegen, erzählen sie doch nur vom üblichen Saisoneffekt. Und davon, dass im Januar Unternehmen kaum Leute einstellen. Denn eigentlich zeigen die Zahlen keinen Anstieg, sondern nur ein Nicht-Abschmelzen. Auch wenn es dramatisch klingt: "Der deutliche Anstieg der Arbeitslosigkeit um 1.752 Menschen im Januar ist saisonal bedingt und kommt nicht überraschend."

„Zum Jahresende liefen etliche befristete Arbeitsverträge aus und in den witterungsabhängigen Branchen kommt es zu winterbedingten Freistellungen. Diese Entwicklung ist typisch für den Monat Januar. Trotz des Anstiegs der Arbeitslosigkeit gab es im Vergleich zum Januar des Vorjahres sehr viel weniger arbeitslose Menschen in der Stadt Leipzig und es ist die mit Abstand niedrigste Arbeitslosigkeit seit der Wiedervereinigung. Das ist kein Grund, sich zurückzulehnen, aber dennoch eine außerordentlich positive Entwicklung“, meinte am Mittwoch, 31.Januar, der Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit, Leipzig Steffen Leonhardi, zur jüngsten Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt in Leipzig.

Insgesamt waren 22.673 (Vormonat 20.921) Männer und Frauen in der Stadt Leipzig arbeitslos. Der Anstieg im Vergleich zum Dezember 2017 betrug 1.752 (vor einem Jahr betrug der Anstieg von Dezember auf Januar 1.886) Personen. Im Vergleich zum Januar des Vorjahres ist die Zahl der Arbeitslosen um 2.326 gefallen.

Wer sich die Zahlen genauer anschaut, sieht, dass Arbeitslosenzahlen immer nur das Ergebnis von neu angemeldeten Arbeitsuchenden und neu abgemeldeten Personen ist. Jeden Monat kommen ein paar tausend Leipziger zum Amt und melden sich arbeitsuchend, andere melden sich ab, weil sie entweder einen Job bekommen haben oder in Ruhestand gehen.

Die Zahl, die da jeden Monat vermeldet wird, ist also nur so eine Art Wasserstandsanzeiger.

Beispiel November 2917: Da gab es einen Zugang an neu arbeitslos Gemeldeten von 6.545, der einem Abgang von 7.363 gegenüberstand. Die „Arbeitslosigkeit“ sank also um 819. Da die Zahl derer, die sich jeden Monat bei der Arbeitsagentur melden, relativ konstant ist, entscheiden nur zwei Faktoren, ob am Ende ein Plus oder ein Minus bei den Zahlen herauskommt: die Zahl der Neueinstellungen und die der Altersabgänge.

Im Januar 2018 war es nun so: 5.999 Menschen meldeten sich arbeitslos, aber dem standen nur 4.302 Personen gegenüber, die sich wieder abmeldeten.

Entscheidender Faktor ist immer die Einstellungsdynamik: Nahmen Leipzigs Unternehmen im November 2.409 Menschen in Arbeit ( und entließen dafür nur 2.277), so kamen im Januar nur 1.415 Menschen neu in Arbeit, während sich 3.039 aus Erwerbstätigkeit arbeitslos meldeten. Hier stecken die sogenannten Saisonarbeitskräfte.

Ein paar Zahlen

In allen Altersgruppen war ein Anstieg der Arbeitslosigkeit zu verzeichnen. Bei den jungen Menschen bis 25 Jahre stieg die Zahl der Arbeitslosen um + 181 auf 1.913 (Vorjahr: 1.975). Bei den Lebensälteren in der Altersgruppe ab 50 Jahren wuchs die Arbeitslosigkeit um + 431 auf 6.405 Personen an (Vorjahr: 7.191).

Beim Zugang an offenen Arbeitsstellen verzeichnete die Arbeitsagentur Leipzig im Januar einen Rückgang gegenüber dem Vormonat. Die Wirtschaft und die Verwaltung haben in den letzten vier Wochen 1.637 freie Stellen, das waren 149 weniger als im davorliegenden Monat (1.786) und 193 weniger als vor einem Jahr, zur Besetzung gemeldet.

Zum statistischen Zähltag im Januar betrug die Arbeitslosenquote in der Stadt Leipzig 7,6 Prozent (Vormonat: 7,0 Prozent). Im Januar 2017 lag sie noch bei 8,5 Prozent.

Im Januar waren 6.921 Menschen in der Arbeitsagentur im Rechtskreis SGB III arbeitslos gemeldet. Das waren 1.039 mehr als im Vormonat, aber 546 weniger als im Januar 2017. Im Jobcenter Leipzig im Rechtskreis SGB II waren 15.752 Menschen arbeitslos registriert. Das waren 713 mehr als im Dezember 2017, aber 1.780 weniger als vor einem Jahr.

In Leipzig gab es im Januar 36.992 Bedarfsgemeinschaften. Das waren 340 weniger als im Vormonat und 2.143 weniger als im Januar des Vorjahres. Das Jobcenter Leipzig betreut aktuell 46.937 erwerbsfähige Leistungsberechtigte. Im Vergleich zum Vormonat betrug der Rückgang 167. Im Vergleich zum Vorjahr sank die Zahl um 2.090 Personen.

Hilft der Arbeitsmarkt den Langzeitarbeitslosen?

„Der deutliche Rückgang bei der Arbeitslosigkeit in der Grundsicherung zeigt, dass auch die Menschen, die schon lange arbeitslos sind, von der Entwicklung am Leipziger Arbeitsmarkt partizipieren und dass unsere Strategie der Qualifizierung Früchte trägt. Ich kann die Arbeitgeber nur bestärken, allen Bewerbern bei der Bewerberauswahl, auch wenn die Biografie Zeiten der Arbeitslosigkeit enthält, eine Chance zu geben“, sagte Steffen Leonhardi noch zu der Entwicklung bei den Langzeitarbeitslosen.

Aber ein Blick in die Tabellen zeigt, dass sie nicht wirklich von der Entwicklung profitieren: Von 5.799 im November stieg ihre Zahl sogar wieder auf 5.948.

Nur bei den Bedarfsgemeinschaften und den dortigen Leistungsempfängern gibt es Rückgänge, die sich aber eben nicht durch eine Integration der Betroffenen in den Arbeitsmarkt erklären, sondern durch die fließenden Altersabgänge.

Die meisten Betroffenen, die seit Jahren in „Hartz IV“ festhängen, verlassen das System nur aus Altersgründen. Sie landen dann im Alterssicherungssystem.

So schrumpfte die Zahl der Bedarfsgemeinschaften von 37.442 im November auf 36.992 im Januar – trotz steigender „Arbeitslosenzahlen“, wohlgemerkt. Was darauf hindeutet, dass der Arbeitsmarkt für Menschen, die nicht (mehr) flexibel und jederzeit einsatzbereit sind wie die Jungpioniere, nicht aufnahmefähig ist. Was dann freilich auch viele Familien und Alleinerziehende trifft. Denn wenn die Zahl der Nicht erwerbsfähigen Leistungsberechtigten von 17.245 auf 17.327 steigt, sind das fast alles Kinder unter 15 Jahren.

Arbeitsmarkt
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