Sanierungsstau bei Leipzigs Schulen: Grüner OB-Kandidat Felix Ekardt fordert energetisch kluges Bauen und Lebenszyklusbetrachtungen

Vor einer Schulsanierung der Methode "hopplahopp" unter Aufgabe energetischer Standards warnt der bündnisgrüne OB-Kandidat Professor Felix Ekardt. "Klug bauen bedeutet, heute schon die Kosten von morgen im Blick zu haben", sagte der Nachhaltigkeitsforscher nach einer grünen Schultour zu Wochenbeginn. Nötig beim Schulbau seien "Lebenszyklusbetrachtungen".
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Leipzigs Bündnisgrüne sind alarmiert. Zum einen schon länger wegen des baulichen Zustandes vieler Leipziger Schulen. Zum anderen nun wegen der Art und Weise, wie dieser lange verdrängte Zustand offenbar beschleunigt behoben werden soll.

Die Ökopartei treibt um, dass die Stadtverwaltung bei der Umsetzung des 165-Millionen-Euro-Schulbauprogramms bereits „ein Abschlacken des energiesparenden Aufwandes angekündigt“ habe. Dabei schoben die Bündnisgrünen 2007 einen Stadtratsbeschluss an, wonach bei wirtschaftlichem Nachweis Schulbauten in Passivhausbauweise zu realisieren sind.

Das galt vielen lange als grüner Luxus, der nur die Bauzeiten verlängere und die Baukosten in die Höhe treibe. Und offenkundig will das Rathaus dieser Sicht der Dinge treu bleiben, um vermeintlich schnelle Schulsanierungserfolge vorzuweisen.

„Klug bauen bedeutet, heute schon die Kosten von morgen im Blick zu haben“, betonte hingegen der grüne OB-Kandidat Felix Ekardt nach der Schultour seiner Partei am Montag dieser Woche. Kinder und Klima sind seine Schwerpunktthemen im Oberbürgermeisterwahlkampf. Und genau um beider Zusammenspiel geht es beim Thema Schulbau nach energetischen Standards.
So würden höhere Investitionen von heute zu nachfolgend niedrigen Betriebskosteneffekten führen, argumentierte der Wissenschaftler Ekardt, der sich schwerpunktmäßig mit Fragen der Nachhaltigkeit beschäftigt. Und zu geringerem Energieverbrauch und verminderte Schadstoffemissionen, was beides dem Klimaschutz zuträglich ist.

In der Tat: Wer billig kauft, kauft zweimal, so lehrt auch der Volksmund. Und dass es absehbar billige Energie geben wird, das glaubt wohl keiner mehr so richtig. Öko ist heute eben kein lässlicher Luxus mehr, sondern wirtschaftliches Erfordernis.

„Jahrelang hat sich das Problem fehlender Schulkapazitäten angekündigt – immerhin sind die Kinder lange vor Schuleintritt oder Übertritt auf die weiterführende Schule geboren“, kritisierte Ekardt erneut das zeitversetzte Angehen des Investitionsstaus bei den Leipziger Schulen. „Nun wird hopplahopp investiert und werden Standards aufgegeben, Hauptsache es stehen vier Wände“, so Ekardt weiter. Das dürfe aus Sicht des Grünen-Politikers nicht sein. „Wir brauchen Lebenszyklusbetrachtungen, um auch morgen die Heizrechnung zahlen zu können“, forderte Felix Ekardt stattdessen.

Bevor nun am Freitag dieser Woche das Kantgymnasium in der Südvorstadt nach der Komplettsanierung offiziell von Oberbürgermeister Burkhard Jung und Schulbürgermeister Thomas Fabian (beide SPD) übergeben wird, schauten die grünen Kommunalpolitiker am Montag schon einmal vorbei.

Zu einer Energieersparnis von 30 Prozent führt die Sanierung des Gebäudes in den letzten drei Jahren. „Beim Besuch überzeugte auch hier die ebenfalls akzentuierte Farbgestaltung. In den Obergeschossen wurde der Flur erweitert, um Tagesbelichtung für die Flure und Platz für Aufenthalt und alternative Unterrichtsgestaltung zu gewinnen“, hieß es vom grünen Kreisverband gleichfalls anerkennend. „Leider ist die Turnhalle noch nicht fertiggestellt“, gossen sie dann doch Wasser in den Übergabe-Wein.

Eine sanierte Turnhalle steht auch auf dem Wunschzettel des Wilhelm-Ostwald-Gymnasiums in Lößnig, das die grünen Schul-Radler zuerst besuchten. Das nach Passivhaus-Standard sanierte Schulgebäude zeige nach Ansicht der Grünen, „dass in Leipzig moderne Bildungsorte bereits entstanden sind“. Deren Praxistest wird die Stadtverwaltung in einem Monitoring in Kooperation mit der HTWK dokumentieren.

„Mit unserem Antrag ‚Leipziger Schulbaurichtlinie für zeitgemäße Bildungsbauten‘ wollen wir erreichen, dass es unterschiedliche Raumgrößen gibt, um Lernen in größeren und kleineren Gruppen zu ermöglichen, dass Nebenflächen für Bildung, Begegnung und Lernen genutzt werden können, dass Schulen barrierefrei gebaut werden und die späteren Nutzer bei der Planung umfangreich beteiligt werden“, beschrieb Katharina Krefft, stellvertretende Vorsitzende und schulpolitische Sprecherin der grünen Ratsfraktion, ein weiteres Anliegen der Bündnisgrünen. Wie dies realisiert werden kann, davon überzeugten sich die Kommunalpolitiker bei einem Baustellenrundgang am Neubau der Pablo-Neruda-Grundschule.


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