"Das Wort 'Investitionsstau' hat in Leipzig Hochkonjunktur", stellt Dr. Skadi Jennicke, Kulturpolitische Sprecherin der Fraktion Die Linke im Leipziger Stadtrat, fest. "Dass die Stadt bei Kindergärten, Schulen, Straßen, Fuß- und Radwegen über Jahre nicht ausreichend investiert hat, ist bekannt. Doch jetzt macht sich auch im Bereich der Kultur der Investitionsstau bemerkbar."

Die Linke fordere vor diesem Hintergrund ein Strategiepapier, das notwendige Investitionsvorhaben (Neubau, Sanierung) sowie Instandhaltungsmaßnahmen der Leipziger Theaterhäuser auflistet. Dabei sollen Eigenbetriebe und Freie Szene gemeinsam betrachtet werden. Der Strategieplan soll verbindliche Aussagen zu Planungs- und Bauaufwand (geschätzte Kosten und Dauer der Maßnahmen) enthalten. Zudem sollen die Maßnahmen nach Prioritäten geordnet und mit einem Zeitplan untersetzt werden, nach der die notwendigen Planungs- und Baumaßnahmen abgearbeitet werden.

Denn daran hapert es zumeist. Man stellt zwar in städtischen Ämtern nach und nach und notgedrungen fest, wo überall sich der Investitionsbedarf aufgestaut hat in den letzten Jahren. Aber es gibt keinen Generalplan, der die notwendigen Investitionen über die nächsten Jahre eintaktet. Über den dann vielleicht auch ein Planungsbürgermeister jedes Jahr berichtet: Was wurde geschafft, was musste verschoben werden? Wie liegt man im Zeitplan?

“Zwar hat die Verwaltung sowohl für das Gewandhaus als auch für die Oper Leipzig eine Sanierungskonzeption beschlossen. Im Fall des Gewandhauses beschränkt sich diese jedoch auf die Brandschutzmaßnahmen”, so Jennicke. “Im Fall der Oper Leipzig umfasst sie ausschließlich das Gebäude am Augustusplatz. Die seit Mitte der neunziger Jahre notwendigen Sanierungsmaßnahmen im Haus ‘Drei Linden’ sind hier nicht erfasst. Auch im Schauspiel Leipzig liegt ein Investitionsstau, insbesondere im Bereich der Instandhaltung, vor, der seit Jahren von der Betriebsleitung erfolglos beklagt wird. Hinzu kommt die ebenfalls seit Jahren, konkret seit 2011, notwendige Herrichtung einer zweiten Spielstätte als Ersatz für die baufällige Neue Szene (Skala).”War zwar alles Thema im Zusammenhang mit dem “actori”-Gutachten. Doch eine Entscheidung darüber wurde 2012 vertagt. Und der Kampf von Linken und SPD um den Erhalt des Hauses “Dreilinden” zeigt Wirkung. Die Verwaltung will zwar weiter prüfen, ob eine Verlegung des Spielbetriebes ins Opernhaus möglich ist, aber genauso hält man an Sanierungsplänen für die MuKo fest. Im März hatte die Linksfraktion noch einmal nachgefragt, wie es um die Sanierung der MuKo steht. OBM Burkhard Jung meinte, der Stadtrat solle sich erst einmal positionieren. Davon hingen dann die weiteren Investitionen in die MuKo ab.

Dieses Spiel nennt man landläufig “Schwarzer Peter”.

Nur will die Linke dieses Spiel nicht mitspielen, weil sie das “Haus Dreilinden” mit seinem besonderen Spartenprogramm für Lindenau für unentbehrlich hält.

Die Stadt hat eben nur das kleine Problem, dass sie auch in Sachen Kulturinvestionen die notwendigen Investitionsentscheidungen immer wieder in eine sonnigere Zukunft vertagt hat.

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“Die bauliche Situation in den Spielstätten der Freien Szene und der aus ihr folgende Investitionsstau nehmen in jüngster Zeit vergleichbar komplexe Züge an. Als Beispiel sei hier die Probenraum- und Bühnensituation des Leipziger Tanztheaters genannt. Bereits 2009 versprach der Oberbürgermeister, nachdem die Sanierung des Lok-Schuppens im Lene-Voigt-Park aus dem Konjunkturpaket II gefallen war, ‘unverzüglich eine Beschlussvorlage [zu] unterbreiten, in der Risiken und Chancen abgewogen werden würden”, zitiert Skadi Jennicke aus dem Protokoll der Ratsversammlung vom 26. August 2009. “Diese Vorlage wurde dem Rat bis heute nicht vorgelegt. Zwar bemühte sich die Verwaltung spätestens seit August 2011 um die Errichtung eines Theaterzentrums der Freien Szene am Standort Karl-Heine-Straße 54-59 unter Beteiligung von LTT, Lofft, Schaubühne Lindenfels und Lindenfels Westflügel, konnte jedoch innerhalb von knapp zwei Jahren keine Beschlussvorlage vorlegen. Im Ergebnis hat der Eigentümer der Liegenschaft angekündigt, alternative Pläne zu realisieren.”

Aus Sicht der Linken sei es nicht länger zeitgemäß, Eigenbetriebe und Freie Szene als getrennte Einheiten zu betrachten. “Bereits jetzt gibt es zahlreiche Kooperationen zwischen Institutionen beider Felder, die zukünftig weit stärker gefördert und ermöglicht werden sollten”, betont die Linke-Stadträtin. “Das gilt auch für den Austausch von Aufführungsmöglichkeiten. Das ist keine einseitige Forderung der Akteure der Freien Szene, sondern wird inzwischen auch von den künstlerischen Betriebsleitern der Eigenbetriebe gefördert, wie die Beispiele Gewandhaus und Schauspiel Leipzig (Pläne Spinnwerk unter der Intendanz von Enrico Lübbe) belegen. – Es erscheint daher sinnvoll, die notwendigen Investitionen in die Bühnen der Stadt gleichberechtigt zu berücksichtigen, wenn auch – aufgrund der spezifischen Situation – mit unterschiedlichen Größenordnungen.”

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