Wassermangel in Leipzigs Flüssen

LMBV will 1,5 Millionen Kubikmeter Wasser in die Kleine Pleiße pumpen

Für alle LeserAm 24. Juli gab es ja eine Nachricht für Leipzigs Wasserwanderer, die in dieser Form neu ist fürs Leipziger Gewässersystem. Gab es 2003 und 2011 zu viel Wasser im System, gibt es in diesem andauernden Hitzesommer 2018 erstmals zu wenig. Zu wenig, um das Wasser weiter über die Connewitzer Schleuse abfließen zu lassen. Seitdem ist die Schleuse außer Betrieb, das Wasserproblem aber nicht behoben.

Denn die Hitzewelle hält ja an – und die dringend benötigten Regenfälle, die die Reservoire wieder füllen, bleiben aus. Erstmals greift die LMBV deshalb zu einem Mittel, das auch nicht allzu oft genutzt werden kann: Sie stellt 1,5 Millionen m³ Wasser aus dem Störmthaler See für die Pleiße bereit.

Die LMBV und die Landesdirektion Sachsen hatten sich zuvor am Mittwoch, 25. Juli, über Möglichkeiten zur Verbesserung des akuten Wasserdefizits der Pleiße intensiv abgestimmt. Als Ergebnis werden seit Donnerstag, 26. Juli, bis zu 1,5 Millionen m³ Wasser aus dem Störmthaler See über den Markkleeberger See und die Kleine Pleiße der Pleiße zugeführt.

Im Störmthaler See ist in begrenztem Maße Wasser zur Bewirtschaftung vorhanden, welches bereits dosiert über den Markkleeberger See und die Kleine Pleiße der Pleiße zugeführt wird, teilt die Landesdirektion mit. Um eine Erhöhung des Abflusses zur Pleiße zu erzielen, wird nach Abstimmung mit der Landesdirektion Sachsen über die am Auslauf des Markkleeberger Sees vorhandene Pumpstation der LMBV Wasser in die Kleine Pleiße geleitet.

Der derzeitige Wasserstand des Störmthaler Sees beträgt 117,2 mNHN. Es können 20 cm bis zum unteren Wasserstand von 117,0 mNHN abgeleitet werden. Die LMBV geht von einem Zeitraum von vier Wochen aus, bis der untere Wasserstand des Störmthaler Sees erreicht wird.

Aufgrund der ausbleibenden Niederschläge, die flächendeckend zu einer ausgesprochenen Niedrigwassersituation geführt haben, sind die gemeinsamen Überlegungen notwendig geworden. Die LMBV hofft, dass sie mit der nicht verpflichtenden Bereitstellung des Wassers helfen kann, die angespannte Niedrigwassersituation zu entschärfen.

Eine andere Lösung seitens der LMBV ist derzeit nicht möglich, da die Bergbaufolgeseen im Südraum Leipzigs bereits ihre Grenzwasserstände erreicht haben.

Generell besteht die Bewirtschaftung des Gewässerverbundes des Leipziger Neuseenlandes aus einem engen Zusammenspiel von Zielwasserständen, Mengen- und Gütebewirtschaftung sowie intensiven Abstimmungen mit den Behörden, betont die Landesdirektion.

Die LMBV stehe weiterhin in enger Abstimmung mit den Betreibern, Nutzern sowie Behörden und nimmt gegebenenfalls weitere Anpassungen in der Steuerung des Seenverbundes vor, damit derzeit problematische Niedrigwasserstände entschärft werden können.

Auslassbauwerk zur Kleinen Pleiße am Markkleeberger See. Foto: Ralf Julke

Auslassbauwerk zur Kleinen Pleiße am Markkleeberger See. Foto: Ralf Julke

Und vielleicht bringt der ungewöhnliche Zustand im Gewässersystem, der ja eine ziemlich deutliche Folge des seit Jahren anhaltenden Klimawandels ist, auch die Motorboot-Lobby im Leipziger Rathaus zum Umdenken. Dort ist man bis heute überzeugt, dass man einen großen Teil des Leipziger Gewässersystems für Motorboote bespielbar machen kann. Dafür sind ja alle neu gebauten Infrastrukturen gedacht. Normale Paddler brauchen am Connewitzer Wehr keine Schleuse. Sie können ihre Boote problemlos umtragen. Und für motorisierte Motorboote gibt es bis heute keine Rechtsgrundlage für eine Fahrt ins Naturschutzgebiet.

Das Umdenken ist überfällig. Dass aber Leipzigs Verantwortliche bislang nicht bereit sind umzudenken, zeigte ja auch die Meldung vom 24. Juli, in der man mit falschem Bedauern feststellte: „Ursache für diese – den Wassertourismus leider einschränkende – Maßnahme ist die langanhaltende Trockenheit und das damit verbundene Niedrigwasser in den Flüssen, so auch in der Pleiße. Sobald sich die Durchflussmenge erhöht, wird die Schleuse wieder in Betrieb genommen werden.“

Es gibt bis heute keinen Wassertourismus in Leipzig. Wenn man Freizeitsport auf dem Wasser als Wassertourismus verkauft, ist das der Versuch, ein Wasserausbauprojekt zu verteidigen, das mit den tatsächlichen Freizeitbedürfnissen der Leipziger nichts zu tun hat.

Und auch nichts mit den sensiblen Gegebenheiten im Auenwald und dem darin befindlichen Gewässersystem. Auch an der Schleuse Connewitz geht es zuallererst um Wasserwirtschaft, nicht um „Wassertourismus“.

Oder mit den Worten des Amts für Stadtgrün und Gewässer: „Die Schleuse Connewitz ist Bestandteil der Wehranlage Connewitz. Diese technische Anlage verfügt über ein Schlauchwehr, welches ständig überströmt sein muss, damit es seine wasserwirtschaftliche Funktion erfüllen kann. In der Betriebsanleitung für die Schleuse ist der Schleusenbetrieb im Niedrigwasser geregelt. Bei einer Durchflussmenge unter 2 m³/s am Pegel Böhlen ist der Schleusenbetrieb leider nicht mehr aufrechtzuerhalten.“

LMBVGewässerknoten
Print Friendly, PDF & Email
Leserbrief

Hinweise zum Leserbrief: Bitte beachten Sie, dass wir einen Leserbrief nur veröffentlichen, wenn dieser nicht anonym bei uns eintrifft. Außerdem möchten wir darauf hinweisen, dass eine Teilnahme an Verlosungen des L-IZ Leserclubs mit dem Leserbrief nicht möglich ist.

Ihr Name *

Ihre E-Mail-Adresse *

Betreff

Ihre Nachricht *

Bild/Datei hochladen

Wären Sie mit der Veröffentlichung als Leserbrief einverstanden? *

 
2 Kommentare


Schneller informiert mit dem L-IZ-Melder
Weitere Nachrichten:Bewegungsmelder | Wortmelder | Rückmelder | Sport | Polizei | Verkehr





Weitere aktuelle Nachrichten auf L-IZ.de

Engelbert Humperdincks Meisterwerk “Königskinder” im Theater der Jungen Welt Leipzig
Humperdincks Königskinder - Nils Hübinette (Königssohn) und Leevke Hambach (Gänsemagd). Foto: Marcus Friedrich

Foto: Marcus Friedrich

Am 29. und 30. Juni 2019 bringen Gesangssolisten, Instrumentalisten, Kinderchor und Extrachor der Schola Cantorum Leipzig Engelbert Humperdincks selten aufgeführte Märchenoper “Königskinder” im Theater der Jungen Welt auf die Bühne. Karten gibt es an allen bekannten Vorverkaufsstellen.
Ländliche Regionen brauchen Förderung, um sich völlig neu erfinden zu können
Wohin entwickeln sich die ländlichen Regionen? Foto: Luca Kunze

Foto: Luca Kunze

Für alle LeserSeit einiger Zeit untersucht das in Leipzig ansässige Leibniz-Institut für Länderkunde die auseinanderdriftenden Entwicklungen zwischen boomenden Großstädten und abgehängten ländlichen Regionen. Der Forschungsbereich nennt sich „Multiple Geographien regionaler und lokaler Entwicklung“. In der aktuellen Debatte über abgehängte Regionen plädiert IfL-Direktor Sebastian Lentz nun für eine stärkere Fokussierung auf die individuellen Entwicklungspotenziale von strukturschwachen Räumen.
Zschocke fordert Minister zur besseren Überwachung gefährlicher Abfalltransporte in Sachsen auf
Zur Zentraldeponie Cröbern einfach nächste Ausfahrt rechts. Foto: Matthias Weidemann

Foto: Matthias Weidemann

Für alle LeserÄndern wird man es wohl nicht mehr können. Die Fehler wurden allesamt in den 1990er Jahren gemacht, als die neue Deponie in Cröbern viel zu groß geplant wurde, mit Müllmengen, für die die Bevölkerungszahl sich im Regierungsbezirk Leipzig regelrecht hätte verdoppeln müssen. So ist die Betreibergesellschaft gezwungen, weiter gefährliche Abfälle aus Importmengen anzunehmen. Manchmal fallen einige der Transporteure auf der Autobahn dann negativ auf.
Gesprächskreis „Neue Mitte“ in der sächsischen SPD will auf keinen Fall mit der Linken regieren
SPD-Stadtrat Heiko Bär. Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Für alle LeserEs zerreißt die sächsische SPD mittendurch. Am 25. Juni veröffentlichten junge Politiker von SPD. Grünen und Linken ihren Aufruf „Uns langt’s jetze – Sachsen #umkrempeln!“ Sie plädieren für eine Wahlalternative ohne CDU in Sachsen und vor allem eine Alternative jenseits von Blau-Schwarz. Doch während junge SPD-Politiker hier die Chance auf eine andere Politik in Sachsen sehen, gibt es postwendend aus dem konservativen Flügel der SPD ein harsches „Nein, nicht mit uns!“
Vorfahren aller späteren Neandertaler lebten schon vor 120.000 Jahren in Mitteleuropa
Oberkieferknochen eines Neandertalermädchens aus der Scladina-Höhle in Belgien. Foto: J. Eloy, AWEM, Archéologie andennaise

Foto: J. Eloy, AWEM, Archéologie andennaise

Für alle LeserWenn es eine Menschengruppe gäbe, die wirklich von sich behaupten könnte, der am längsten in Europa heimische Europäer zu sein, dann wäre das der Neandertaler. Einen Großteil der Eiszeit hat er in Europa überlebt. Erst vor 40.000 Jahren starb er aus und der moderne Mensch, der aus Afrika einwanderte, übernahm den Kontinent. Aber eine Untersuchung an ganz alten Knochen zeigt jetzt: Es könnte schon vorher vielleicht eine kleine Zuwanderung aus Afrika gegeben haben.
Der Stadtrat tagt: Klares Bekenntnis gegen Antisemitismus und Antiromaismus
Abstimmung am 26. Juni 2019 im Interimssaal. Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Für alle LeserIn einer umfangreichen Erklärung hat sich der Stadtrat am Mittwoch, den 26. Juni, „gegen jeden Antisemitismus“ positioniert. Fast alle Stadträte stimmten einem gemeinsamen Antrag von SPD, CDU, Grünen und Freibeutern zu. Auch ein Antrag unter dem Titel „Kein Platz für Antiromaismus in Leipzig“ wurde angenommen. Die AfD stimmte beiden Anträgen zu, relativierte in einer Rede jedoch den Antisemitismus im Nationalsozialismus.
Der Stadtrat tagt: Aufstellung Sozialer Erhaltungssatzungen beschlossen
Ein kleiner Unterschied zwischen Aufstellungsbeschluss und Erhaltungssatzung. Mathias Weber (Die Linke). Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Für alle LeserDer Stadtrat hat die Aufstellung einer Sozialen Erhaltungssatzung für zahlreiche Untersuchungsgebiete in Leipzig beschlossen. Betroffen sind unter anderem Plagwitz, Lindenau, Kleinzschocher, Leutzsch, Gohlis-Süd und Teiles des Ostens und Südens. Im Oktober soll die Verwaltung dem Stadtrat rechtssichere Satzungsentwürfe vorlegen.
Der Stadtrat tagt: Jugendparlament setzt Impulse bei Radstation und Mülltrennung
Annegret Janssen vom Jugendparlament Leipzig und Burkhard Jung beim kurzen Grübeln. Foto L-IZ.de

Foto L-IZ.de

Für alle LeserDer Stadtrat hat am Mittwoch, den 26. Juni, zwei Anliegen des Jugendparlaments unterstützt, die das Innenstadtgebiet betreffen. Zum einen soll unter anderem mittels Bürgerbeteiligung die Eröffnung einer Radstation am oder im Hauptbahnhof angestrebt werden. Zum anderen möchte die Stadt darüber verhandeln, die Papierkörbe an LVB-Haltestellen durch Mülltrennungssysteme zu ersetzen.
Noch Karten für Sommertheater erhältlich
Logo Markkleeberg

Logo Markkleeberg

Die Stadtverwaltung Markkleeberg holt das Theatergenre in den agra-Park zurück. Ende Juni, Anfang Juli wird hier „Ein Sommernachtstraum“ von William Shakespeare gezeigt. Insgesamt fünf Vorstellungen sind vorgesehen.
Der Stadtrat tagt: 10-Punkte-Hitze-Antrag der Grünen unterliegt
Sozialdezernent Thomas Fabian. Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Für alle Leser„Heiße und trockene Sommer sind keine Ausnahme, sondern werden in den nächsten Jahren und Jahrzehnten zur Regel. Schnellstmöglich braucht es Maßnahmen, mit denen sich Leipzig an sommerliche Extremwetterlagen anpassen kann. Alle Leipziger haben das Recht auf sommerliche Lebensqualität in kühlen Nachbarschaften“, schrieben die Grünen in ihrem Antrag zu einem „10-Punkte-Programm gegen Hitze im Stadtgebiet“.
Der Stadtrat tagt: Die Juni-Sitzung (26.06.) im Livestream & Mitschnitt
Während der Ratssaal saniert wird: Das Interim des Leipziger Stadtrates ab Juni 2019. Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Für alle LeserBei der heutigen letzten Ratsversammlung des „alten“ Stadtrates wird es gleich mehrfach ungewohnte Bilder geben. Zum einen finden die monatlichen Beratungen ab heute für zirka ein Jahr lang im Nebensaal des eigentlichen Hauptsaales statt. In diesem wurden bereits die alten Sitze entfernt, Wandvertafelungen entfernt und so auch die alten Seitengalerien des eigentlichen Saales offengelegt.
Der Stadtrat tagt: Keine Hunde in Leipziger Amtsstuben

Foto: L-IZ.de

Für alle LeserMachen Hunde im Büro zufriedener? Ja, hört man aus anderen Städten. „,Bürohunde‘ können zu einem besseren Betriebsklima sowie Zusammengehörigkeitsgefühl führen und senken die Ausfälle durch Krankheit aufgrund der stressreduzierenden Wirkung“, schrieben die Freibeuter in ihren Stadtratsantrag, auch in Leipzigs Verwaltung Bürohunde zuzulassen. Der Antrag kam zur Stadtratssitzung am Mittwoch, 26. Juni, zur Abstimmung.
Der Stadtrat tagt: Auwaldstation erhält weitere zehn Jahre Gelder
Oberbürgermeister Burkhard Jung. Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Für alle LeserGelegen im Schlosspark Lützschena ist die Auwaldstation Ausgangspunkt von Exkursionen und bietet viele Veranstaltungen. Bis Dezember 2019 bestand ein Vertrag über jährliche Förderung mit der Stadt Leipzig, die Ratsversammlung stimmte jetzt für die Verlängerung. Bis 2029 erhält die Station weiterhin 50.000 Euro pro Jahr aus dem städtischen Haushalt. Der Antrag des Ortschaftsrates Lützschena auf Erhöhung der Mittel scheiterte dagegen.
Der Stadtrat tagt: Mehr Geld für die Bahnhofsmission
Linke-Stadträtin Juliane Nagel. Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Für alle LeserDer Stadtrat hat am Mittwoch, den 26. Juni, mehrere Maßnahmen beschlossen, die die Situation am Hauptbahnhof verbessern sollen. Anlass war ein Antrag der Linksfraktion, die einen Verlust von Rückzugsräumen und Schlafmöglichkeiten für wohnungslose Menschen befürchtet.
Das Programm zur medizinischen Versorgung Sachsens ist auf die letzten paar Wochen gar nicht mehr umsetzbar
Rettungswagen auf der Karl-Liebknecht-Straße. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserDie aktuelle Wahlperiode in Sachsen geht zu Ende. Und sie geht so zu Ende, wie es manche Landtagsabgeordnete befürchtet hatten: Wichtige Projekte, die der regierenden CDU nicht wichtig erschienen, wurden entweder völlig ausgebremst oder so lange auf die lange Bank geschoben, bis sie gar nicht mehr in Regierungshandeln umgesetzt werden konnten. Das betrifft auch das brisante Thema der medizinischen Versorgung in Sachsen.