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In Sachen Fußball unterwegs (Teil 3): Eine dehnbare Schwimmnudel, ein Gockel und penetrante Werbung in Havelse

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    Was haben der Cottbuser Pokalheld Willi Kronhardt und Kameruns Nationaltrainer Volker Finke gemeinsam? Beide arbeiteten einst für den TSV Havelse. Im Wilhelm-Langrehr-Stadion riecht es allerdings nach Formaldehyd, der Lack der vergangenen Tage ist zumindest an der Stadiontribüne ab.

    Beim Schinkengriller lässt man sich in Havelse nicht lumpen. 2,50 Euro kostet das Teil und ist keine schlechte Wahl. Wie auch das Fußballspiel zwischen dem Gastgeber TSV Havelse und dem VfB Oldenburg. Ein Niedersachsen-Derby mit Geschichte. Vor 23 Jahren begegnete man sich noch in der 2. Bundesliga. Spieler bei den Rand-Hannoveranern damals: Willi Kronhardt, Trainer: Volker Finke. Der fährt im Sommer mit Kamerun zur WM nach Brasilien, Havelse wahrscheinlich zum „Trainingslager“ nach Mallorca.

    Die Saison für die Rot-Weißen scheint durch zu sein, 13 Punkte sind es nach unten, 18 nach oben. Oldenburg will als Vierter noch mal am Aufstieg schnuppern. 200 Oldenburger, unterstützt von einer handvoll SC Göttingen Ultras, sind die 170 Kilometer mit ins Wilhelm-Langrehr-Stadion gereist. Zum dritten Mal erleben wir einen stimmungsvollen Auswärtsblock. Wir selbst haben uns nach einer Nacht im Familienzimmer der Familie van de Graaf um 11 Uhr gen Süden aufgemacht, die durchgelegenen Betten und das großzügige Zimmer auswertend. Zusätzliches Bier hatten wir selbstredend abgelehnt. Zeit für einen Besuch des Kaiser-Wilhelm-Denkmals in Porta Westfalica bleibt nicht. Sonntag ist nur Zeit für Fußballkultur.

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    Die Fans der Gastgeber bemühen sich, unter dem Dach der Stehplatz-Tribüne ein wenig Heimspielstimmung zu verbreiten, aber dafür reicht es am Ende nicht. Die Gäste sind deutlicher zu hören, letztendlich jubeln aber doch die Gastgeber, denn Havelse macht gegen biedere, also eigentlich schlechte, Oldenburger das bessere Spiel. Auffällig vor allem die Nummer 14, Hilal El-Helwe, der mehrmals erfolgreich besser postierte Mitspieler gekonnt ignoriert, scheinbar lustlos seine Chancen versemmelt und wie ein Gockel über den Platz trabt – schließlich aber doch das 1:0 markiert.

    El-Helwe spielt nicht nur Seite an Seite mit dem neuen Torwart Ufuk Ugur Büyükbuluter, sondern auch mit Patrick Posipal dem Enkel des Weltmeisters von 1954, Jupp. Weil Oldenburg in der zweiten Hälfte ausgleicht und Posipal einen Elfmeter verschießt, wird es doch noch mal spannend. Am Ende entscheiden allerdings die Gastgeber das Spiel für sich, das wie jenes am Freitagabend eher von technischen Einlagen denn von körperbetontem Spiel geprägt ist.

    Dass im Wilhelm-Langrehr-Stadion, benannt nach dem langjährigen Abteilungsleiter und ortsansässigen Bäckermeister, vor 23 Jahren Zweitligafußball gespielt wurde, können wir uns nur schwer vorstellen. Die Stehplatztribüne ist neu, das Umfeld rund um den Gästeblock morbide, die Stadiontribüne mit drei überdachten Sitzplatzreihen ausbaufähig. Das Stadion liegt am Rand einer Einfamilienhaussiedlung.
    Nervig, dass jeder Spielerwechsel und selbstredend die Zuschauerzahl von einem Unternehmen gesponsert wird und der mittelmäßige Stadionsprecher, dessen Stimme uns an unseren Abiball zurückerinnert, natürlich Unternehmen samt Werbespruch zum Besten gibt.

    Ein Glück, dass jeder nur dreimal wechseln darf. Und als El-Helwe den Platz verlässt, fühle ich mich erlöst. Die Rentner hinter dem Tor auch? Die Gesichtsausdrücke der auf den Holzbänken sitzenden Senioren sind durch das extra angefertigte Fangnetz schwer zu erkennen. Aber so nah dran wie sie, sind nicht mal wir, die beim Aufwärmen vor allem den Fitnesstrainer der Gastgeber bestaunen. Wintermütze, draller Oberkörper und Oberschenkel wie Traktorreifen verleihen ihm das Antlitz eines Rugby-Spielers. Dennis Fischer bewegt sich allerdings immer wieder gazellenartig, scheint dehnbar wie eine Schwimmnudel. Am Ende hat es sich diese engagierte Arbeit auch im Ergebnis gezeigt.

    Ende.

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