Viborg vs. HC Leipzig 33:27 – Am „Jojo-Effekt“ verzweifelt

"Heute sind wir traurig, dann schütteln wir uns, und morgen geht es neu los", beschrieb HCL-Manager Kay-Sven Hähner den Leipziger Gemütszustand nach dem Ausscheiden im Halbfinale des europäischen Cupwinners Cups. Gegen Viborg HK holte die Madsen-Sieben mehrmals große Rückstände auf, der rettende Ausgleich wollte jedoch nie gelingen.
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Zunächst sah es nach einer eher torarmen Partie aus. Die Anfangsnervosität auf beiden Seiten sorgte dafür, dass es fast sechs Minuten dauerte, bis überhaupt der erste Treffer fiel. Anne Müller war es, die vom Kreis aus das 0:1 für den HC Leipzig markierte. Es sollte die einzige Leipziger Führung des Tages bleiben, denn unmittelbar danach traf nur noch Viborg. Der Favorit deckte seine Gäste innerhalb von sechs Minuten mit fünf Gegentoren in Folge ein (5:1/ 13. Minute). HCL-Coach Madsen zog die grüne Karte – Auszeit.

Eine Besserung trat für Leipzig erstmal nicht ein. Abspielfehler und Fehlwürfe ließen die Trefferzahl des HCL nur sehr verhalten anwachsen. Anders die Viborger, die zwischenzeitlich gar fünf Tore enteilten (9:4/ 20.). Trotz der unkomfortablen Situation zeigte sich nun die mentale Stärke des HCL. „Niemals aufgeben!“ lautete die Parole, die einige Male fast – ja leider nur fast – die Partie gewendet hätte. Nach drei Torerfolgen durch Rösler, Visser und Schulze war der Abstand auf zwei geschrumpft (9:7/ 22.) und Viborg-Coach Albertsen sah sich zu einer Auszeit genötigt.

Als unmittelbar danach Katja Schülke auch noch einen Siebenmeter wegfischte, wäre die Zeit, das Blatt zu wenden, reif gewesen. Aber nun zeigte sich das hinderlichste Phänomen des Tages: Kaum hatten die Leipzigerinnen einen deutlichen Rückstand verkürzt, hatte Viborg den alten Abstand auch flugs wieder hergestellt. So stand es statt 9:8 kurz darauf 12:7 (26.) – die Aufholjagd begann von neuem. Bis zur Pause kam der HCL noch zweimal auf zwei Tore ran (12:10, 13:11) – in die Kabinen ging es dennoch mit einem 14:11.

Mit dem Wiederanpfiff drohte alles noch viel schlimmer zu werden. Erneute Startschwierigkeiten brachten gleich drei Gegentreffer ein (17:11/ 33.), was das Unterfangen „Finale“ schon bedrohlich ins Wanken brachte. Doch die Madsen-Truppe pustete noch einmal kräftig in die dahinschwindende Glut der Hoffnung. Lyksborg, Augsburg, Hubinger und Visser entsandten vier Lebenszeichen in die Viborger Maschen (17:15/ 37.) – und wieder schien alles möglich. Und wieder gelang aber der Anschlusstreffer nicht.
Erst in der 52. Minute – und nach einem zwischenzeitlichen 24:19-Rückstand – gelang Luisa Schulze der lang ersehnte Anschluss zum 25:24. Ein Unentschieden, und das Finale wäre wieder drin gewesen. Doch der handballerische Jojo-Effekte zerstörte diese Überlegungen promt. Eins, zwei, drei, vier Dinger in Folge brachten Viborg einmal mehr auf die sichere Seite (29:24/ 55.). Dem hatte der HCL nichts Entscheidendes mehr entgegenzusetzen, wobei die Niederlage letztlich mit 33:27 doch ein wenig zu hoch ausfiel. „Sechs Tore schlechter waren wir nicht“, stellte HCL-Manager Kay-Sven Hähner fest. Er bedauerte, dass sich sein Team zwar einige Male ins Spiel zurückgekämpft hatte, dann aber den letzten Schritt zum Unentschieden oder gar zur Führung nicht schaffte. „Es ist tragisch, dass wir die Chance nicht genutzt haben“, sagte er, „es war heute mit Sicherheit mehr drin“.

Viel Zeit, dem vergebenen Finaleinzug nachzutrauern, haben die Leipzigerinnen nicht. Schon am heutigen Mittwochabend stehen sie wieder in der Ernst-Grube-Halle auf der Platte. Das Spiel gegen die HSG Blomberg-Lippe (Anpfiff 19:30 Uhr) ist der letzte Heimauftritt vor den Meisterschafts-Playoffs. Ein Sieg ist wichtig, um Tabellenplatz 3 zu sichern. Dann ginge es im Viertelfinale entweder gegen Bayer Leverkusen oder den Frankfurter HC. Leipzig müsste zuerst auswärts antreten und hätte zum Rückspiel am 25. April (18:30 Uhr) Heimrecht.
Viborg HK: Louise Bager Due, Christina Pedersen, Rikke Skov, Marit Frafjord (1), Grit Jurack (4), Pernille Holst Larsen (4), Mouna Chebbah (2), Isabelle Gullden (2), Cristina Varzaru (6), Camilla Mikkelsen, Emily Andersen, Julie Aagard, Johanna Ahlm (7), Anja Althaus (5), Maria Fisker (2). Trainer: Martin Albertsen.
HC Leipzig: Katja Schülke, Julia Plöger – Rannveig Haugen, Maura Visser (4/2), Louise Lyksborg (2), Natalie Augsburg (5), Anne Müller (1), Luisa Schulze (3), Karolina Kudlacz (5), Ania Rösler (1), Saskia Lang (3), Anne Hubinger (1), Mette Ommundsen (2/2). Trainer: Stefan Madsen.

Schiedsrichter: Malasinskas/ Grigalionis (beide Litauen). Zwei-Minuten-Strafen: HCL 2x (Schulze, Visser), Viborg 1x. Siebenmeter: HCL 6/4 (Visser 3/2, Ommundsen 3/2), Viborg 3/2. Zuschauer: 1.720 in der Stadionhal Viborg.
Viborg HK (DEN) vs. HC Leipzig (GER) 33:27 (Hinspiel 29:30)
Dinamo Volgograd (RUS) vs. FTC-Rail Cargo Hungaria (HUN) 38:35 (Hinspiel 26:34)

Das Finale FTC-Rail Cargo Hungaria (HUN) vs. Viborg HK (DEN) wird mit Hin- und Rückspiel an den ersten beiden Mai-Wochenenden ausgetragen.


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