Einen dicken Klops haben sich die Handballerinnen des HCL im ersten Finalspiel um die Deutsche Meisterschaft gebraten. Vor der Rekordkulisse von 4.843 Zuschauern in der tosenden Arena lagen sie gegen den Titelverteidiger Thüringer HC in Dauerrückstand und bekamen von den Gästen am Ende stattliche sechs Minustore aufgetischt. Diese dürften den Leipzigerinnen im Rückspiel am kommenden Sonntag schwer im Magen liegen.

Dabei herrschten am Sonntag hervorragende Rahmenbedingungen. Traumhaftes Wetter, traumhafte Kulisse und der große Traum vom Titel. Für die Blau-Gelben und ihre Fans verwandelte sich diese idyllische Szenerie aber bereits in den ersten neun Spielminuten zu einem lähmenden Alptraum. Ein einziger Treffer war die magere Ausbeute dieser Anfangsphase. Dem gegenüber standen drei Würfe, die ihr Ziel verfehlten – inklusive eines Siebenmeters – sowie vier Angriffe, die bereits vor dem Torwurf im Thüringer Hinterland versickerten. Ein Leipziger Katastrophenstart, der nach neun Minuten mit einem Zwischenstand von 1:5 quittiert wurde.
Sicherheit war so natürlich schwerlich zu generieren. HCL-Tore blieben Mangelware und tröpfelten in homoöpatischen Dosen aller fünf Minuten auf die Anzeigetafel (2:5/10., 3:6/15., 4:8/19.). Erst danach erhöhte sich die Trefferfrequenz leicht, am konstanten Rückstand von drei, vier Toren änderte das allerdings nichts. Symptomatische Szene: Nachdem Kudlacz kurz vor der Pause per Siebenmeter auf 9:12 verkürzt hatte, hielt Schülke im großen Stil einen THC-Wurf. Mit einem schnellen Kontertor hätte der HCL wieder Anschluss gewinnen können, doch der lange Schülke-Abwurf landete direkt beim Gegner…

Ein Anflug von Hoffnung funkelte zu Beginn der zweiten Hälfte auf. Schülke pariert den ersten Thüringer Angriff, Hubinger verkürzt vom Kreis auf 12:14 (32.). Doch im Gegenzug jubeln erneut die Gäste, die allerdings nach hartem Einsteigen gegen Lang eine Zeitstrafe aufgebrummt bekamen. Der Gefoulten bot sich daraufhin die Chance, erneut auf Minus Zwei zu verkürzen, doch ihren Wurf wehrte THC-Hüterin März ab und entschärfte gleich noch den Nachschuss. Als danach auf Leipziger Seite Müller für zwei Minuten runter musste und Thüringen auf 12:16 (34.) erhöhte, ließ sich das mulmige Gefühl nicht verhehlen, dass man dem amtierenden Meister heute wohl keine Lehre erteilen könne.

Das mulmige Gefühl drohte gar in blankes Entsetzen umzuschlagen, als Jakubisova den Abstand zweieinhalb Minuten vor Ultimo per 19:27 auf acht Tore ausdehnte. Doch auch der Schlussstand von 21:27 reichte, um auf Leipziger Seite fassungslose Gesichter zu erzeugen und Tränen in die Augen der Akteurinnen zu treiben. “Ich weiß nicht, woran es liegt, ich kann es selbst nicht fassen”, war Anne Hubinger hinterher ratlos. “Sechs Tore in der eigenen Halle, das darf nicht passieren!”. Ans Aufgeben denkt die Jungnationalspielerin trotz dieser Packung aber längst nicht. “Wir müssen das jetzt runterschlucken, und dann wird weitergearbeitet.”, blickt sie voraus. “Wir fahren mit dem Ziel nach Thüringen, die mit sieben Toren wegzuhauen. Wenn wir das schaffen, wäre das natürlich super.” Die Partie in Bad Langensalza wird am Sonntag um 16:00 Uhr angepfiffen. Die Mission “Sieben auf einen Streich” kann beginnen.
HC Leipzig vs. Thüringer HC 21:27 (11:14)
(Meisterschaftsfinale, Hinspiel)

HC Leipzig: Schülke, Plöger – Visser (5), Augsburg (2), Müller, Reiche (1), Kramer, Bont, Schulze (2), Kudlacz (6/2), Lang, Hubinger (5), Möschter, Mazzucco, Windisch, Urbicht. Trainer: Thomas Ørneborg.
Thüringer HC: Eckerle, März – Tomasevic, Nadgornaja (7/1), Frey (2/1), Gros (1), Minevskaja, Snelder (3), Bolze, Popluharova, Augustensen, Engel (5), Althaus, Jakubisova (4), Wohlbold (5). Trainer: Herbert Müller.

Schiedsrichter: Holger Fleisch/ Jürgen Rieber. Zwei-Minuten-Strafen: HC Leipzig: 4x (Visser, Müller, 2x Kramer), THC: 3x (Jakubisova, 2x Snelder). Siebenmeter: HC Leipzig 2/4 (Visser 0/1, Kudlacz 2/3), THC: 2/4 (Nadgornaja 1/1, Frey 1/2, Snelder 0/1)(Nadgornaja 1/0, Engel 2/1, Jakubisova 2/1). Zuschauer: 4.843 in der Arena Leipzig.

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