Hallenhockey-EM: Deutsche Teams starten mit kleinen Problemen

Der Anfang ist gemacht: Bei der Hallenhockey-EM 2012 sind beide deutschen Teams mit einem Sieg gestartet. Beide Teams drehten dabei ihr Spiel. Die Damen besiegten Tschechien mit 6:2, die Herren Österreich mit 2:1. Wie üblich ist nach den Auftaktleistungen noch Luft nach oben. Bei den Einen vor allem offensiv bei den Anderen defensiv.
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Für die Leipziger Lokalmatadorin Karoline Amm hätte ihr EM-Debüt kaum schlechter beginnen können. Die 2. Minute im Auftaktspiel gegen Tschechien lief, die seit Beginn vor ihr herumdämmelnde Barbora Haklova erfreute sich des plötzlichen Ballbesitzes und schob an Amm vorbei ins Tor. Die viel zitierte kalte Dusche, die kaum kälter hätte sein können. Die deutsche Mannschaft, mit Amm, Lena Jacobi, Eva Frank, Rebecca Landshut, Lea Loitsch und Dinah Grote in der Start-Aufstellung schüttelte sich kurz und antwortete prompt und eindeutig: Nicht so, Fräulein! Kapitän Rebecca Landshut höchstselbst nutzte kurzzeitige Verwirrung in der tschechischen Abwehr nach einem Schiripfiff und glich aus. Wenig später konnte Franziska Hauke nach einer schönen Kombination die Deutschen sogar in Führung bringen. Danach versuchten beide Mannschaften den Gegner auf Kosten eines freien Gegenspielers am eigenen Schusskreis unter Druck zu setzen, doch nur die Deutschen trafen vor der Pause noch einmal. Eva Frank zwirbelte eine Strafecke Sekunden vor der Pause ins Tor. Schneider hatte zuvor nach einem tollen Anspiel von Holm das leere Tor verfehlt.
Trotz der Zwei-Tore-Führung zur Pause war die Sache jedoch nicht gegessen. Tschechien hielt dagegen und nutzte immer wieder Abstimmungsprobleme in der deutschen Abwehr für Tempogegenstöße. „Wir wussten, dass die Tschechen ein guter Gegner sind, auch wenn sie nur Aufsteiger sind. Und in Deutschland musst du dich im ersten Spiel mit dem Druck immer erstmal behaupten“, gab Kapitän Rebecca Landshut nach dem Spiel Einblick in die Gedankenwelt ihrer Mannschaft, die acht Minuten nach der Pause nach einer Strafecke wieder den tschechischen Atem spürte. Zuvor hatte Amm ein Tor nur durch Foul unterbinden können. Auch als Grote zwei Minuten später die deutsche Führung erneut ausbaute, gaben die vom Deutschen Chris Faust trainierten Tschechinnen keine Ruhe. Nach einem Ballverlust in der deutschen Vorwärtsbewegung sorgte Katenna Lacina fünf Minuten vor dem Ende für den neuerlichen Anschluss.

Aber auch die deutschen Nachbarn hatten eine große Kinderkrankheit im ersten Spiel: die Konzentration. So spritzte Dinah Grote zwei Minuten vor dem Ende in ein miserables Abspiel in der tschechischen Hintermannschaft und traf zur Entscheidung. „Für das erste Spiel kann man zufrieden sein. Klar, es hätten immer ein paar Tore mehr sein können, aber das ist bei Sportlern so“, so die doppelte Torschützin nach dem Spiel ehrlich. Die Zeit bis zum Abendspiel gegen Spanien wollte Grote dann nur noch „zum Essen und Runterkommen“ nutzen. Kapitän Landshut dachte schon ans nächste Spiel. „Es war ein gutes Spiel, um reinzukommen, um die Atmosphäre kennenzulernen, aber wir haben noch Steigerungsmöglichkeiten“, versprach die 28-Jährige und machte sich auf den Weg ins Hotel.
Die Zeit dort wird die deutsche Herrenmannschaft bis zum Abendspiel gegen Spanien mit Videoanalysen verbringen, verriet Thilo Stralkowski nach dem Duell Hallenhockey-Europameister gegen Hallenhockey-Weltmeister, was der Weltmeister Deutschland gegen den Europameister Österreich mit 2:1 für sich entscheiden konnte. Doch auch die Herren liefen dabei vor hunderten begeisterten Schulkindern einem Rückstand hinterher, und was für einem schönen: Nach vier Minuten sicherte Michael Körper ein Zuspiel des dynamischen Armin Stremitzer im Schusskreis mit dem Rücken zum Tor, drehte sich und traf ins obere Eck. „Da kann man nichts machen, Micha ist ein starker Stürmer und macht das auch hier nicht schlecht“, gab Deutschlands Torhüter Nicolas Jacobi nach dem Spiel zu.

Das, was die Alpenrepublikaner nach der Führung boten, nötigte dann seinem Trainer, Markus Weise-von-Livonius Respekt ab. „Die Österreich haben einen richtig guten Job gemacht, deshalb war es für uns ein Arbeitssieg.“ Der deutsche Gegner wartete geduldig in der eigenen Hälfte, rochierte bei aufkeimendem Druck ständig im und um den Schusskreis herum, sodass Deutschland nur wenige Schusschancen bekam. „Wir hatten erwartet, dass die Taktik der Österreicher so aussehen wird, deswegen gingen wir im Aufbau auch wenig Risiko, um keine Konter zu ermöglichen“, verriert Jacobi. Die Tormöglichkeiten, die sich für sein Team dann ergaben, tötete alle sein starker Gegenüber Mateusz Szymczyk. Vor allem Thilo Stralkowski scheiterte immer wieder an Österreichs Torwart. „In der ersten Halbzeit hatten wir alle Luft nach oben, ich natürlich auch.“
Erst ein Siebenmeter fünf Minuten in der zweiten Halbzeit sorgte für die Wende. Szymczyk hatte Wess von den Beinen geholt, Deecke verwandelte. Wenige Momente später dann die Führung für die Deutschen. Stralkowski nagelte eine Strafecke unter die Latte. Danach boten sich erwartungsgemäß mehr Räume für die deutschen Herren, die allerdings keine ihrer nun teils wunderbar herausgespielten Möglichkeiten nutzen konnten. „Dann ist es klar, dass es hinten noch mal eng wird“, so Jacobi, der in den Schlussminuten wieder aktiv am Geschehen beteiligt wurde, nachdem Österreich in der Offensive im ganzen Spiel kaum stattgefunden hatte. Die letzte dicke Chance hatten aber die Deutschen, Stralkowskis Schuss nach einer Strafecke zwei Minuten vor Ende landete allerdings nur am Pfosten. „Vor dem Spiel hatten wir uns vorgenommen, unbedingt zu gewinnen. Dass es keine Glanzleistung war, wissen wir. Heute Abend gegen die Schweiz wird es sicherlich etwas einfacher, dann wird es offensiveres Hockey geben“, schaute Jacobi vor und zurück.
Frauen: Gruppe A
Niederlande – Österreich 3:2
Ukraine – Weißrussland 4:4

Frauen Gruppe B:
Deutschland – Tschechien 5:3
Spanien – Polen 5:4

Männer Gruppe A:
Deutschland – Österreich 2:1
Spanien – Schweiz 6:1

Männer Gruppe B:
Russland – Tschechien 1:2
England – Niederlande 5:7

Mehr Informationen:
www.eurohockey2012.de


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