Während rund um den Globus über künstliche Intelligenz diskutiert wird, entscheidet im Verborgenen etwas ganz anderes über Wachstum oder Stillstand: das ERP-System im Maschinenraum eines jeden Großbetriebes. Bleiben hier veraltete Strukturen erhalten, schreitet möglicherweise der Unternehmensverfall voran. Wir schauen uns in fünf Unternehmen aus ganz unterschiedlichen Branchen an, was für sie echte Transformation bedeutet. Was unterscheidet eine gescheiterte Transformation von erfolgreichen Projekten?
Andreas Krieg, SAP-Transformationsexperte mit rund 20 Jahren Projekterfahrung und Gründer von SaphirACon, bringt es auf den Punkt: „Technologie allein reicht nicht aus. Für eine gelungene Umsetzung werden Planung, Führung und Organisation benötigt.“ Die folgenden fünf Fälle belegen genau das.
BMW Group – Wenn jede Sekunde zählt
Alle 57 Sekunden rollt im Werk Regensburg ein Auto vom Band. Bei diesem Takt darf kein System wackeln oder Prozess reißen. Aus diesem Grund gehört die BMW-SAP-Transformation zu einem der bemerkenswertesten Szenarien: Anstatt nur das System zu tauschen, lag die Konzentration auf einem globalen Template, das mit dem Pilotwerk Oxford begann und dann in Regensburg als Vollwerk implementiert wurde. RISE with SAP, vollständige Cloud-Migration der Produktionslogistik, das Go-Live im laufenden Schichtbetrieb gelang ohne Produktionsausfall.

Für Andreas Krieg ist BMW ein Lehrstück in Sachen Rollout-Strategie: „Die Entscheidung zwischen Big Bang und schrittweisem Rollout ist der erste große Scheideweg jeder Transformation. BMW hat beides kombiniert und damit gezeigt, dass die richtige Planung selbst in hochkritischen Produktionsumgebungen zur sauberen Transformation führt.“ Im gleichen Zug entstand daraus eine Cloud-Basis, die nun als Plattform für KI-Integration und Echtzeit-Teileversorgung agiert. (Quelle: news.sap.com)
Bain & Company: Wer andere berät, muss auch vorangehen
Es liegt ein Hauch Ironie in der Luft, wenn die bekannteste Unternehmensberatung der Welt selbst durch eine Transformation muss, während alle Augen auf sie gerichtet sind. Bain & Company hat es gemacht: SAP S/4HANA Cloud Public Edition, 40 Länder, ein einziger Big-Bang-Go-Live. Automatisierte Finanzprozesse, standardisierte Strukturen, schnellere M&A-Integration. CFO Steve McLaughlin kommentierte den Prozess kurz und bündig: „Wir haben das umgesetzt, was wir unseren Kunden stets anraten.“
Experte Andreas Krieg betont in diesem Kontext den Kernunterschied zwischen technischer Migration und echter Business Transformation: „Die Fachbereiche müssen von Anfang an mitgestalten können und so das System gemeinsam aufbauen.“ Bain & Company beweist, dass Standardisierung keinen Verlust an Flexibilität bedeutet, sondern die Grundlage für schnelleres Wachstum schafft. (Quelle: news.sap.com)
Twinings Ovaltine: Sieben Systeme, eine Wahrheit
Sieben verschiedene ERP-Plattformen in über 100 Ländern, die jahrzehntelang historisch gewachsen sind. Dieses Szenario kennt Andreas Krieg aus zahlreichen Großprojekten, bei denen jedes Land seinen eigenen Weg mit undurchsichtigen Prozessen und unzuverlässigen Daten geht. Twinings Ovaltine entschied sich für den Schritt zur Veränderung: Konsolidierung auf eine einzige Cloud-Plattform via RISE with SAP, Real-time Inventory Visibility, Supply Chain, die auf Marktveränderungen aktiv reagiert.
„Harmonisierung wird oft als Zwang empfunden“, sagt der Spezialist von SaphirACon. „Dabei ist sie der größte Wettbewerbsvorteil, den ein global aufgestelltes Unternehmen haben kann. Daten, die in Echtzeit aufzeigen, was wo passiert, sorgen für den Entscheidungsvorteil gegenüber der Konkurrenz.“ (Quelle: news.sap.com)
The Ocean Cleanup: Weltverbesserung braucht Skalierbarkeit
40 Millionen Kilogramm Plastikmüll gesammelt mit dem Ziel, 90 Prozent der Ozeane weltweit bis 2024 gereinigt zu haben. The Ocean Cleanup ist eine der berühmtesten Organisationen mit einem unerwarteten Argument für Backend-Excellence.
Denn exponentielles Wachstum schlägt jede manuelle Struktur. Für die globale Bespielung von Flüssen und Ozeanen bei inkludiertem Projektmanagement in Multi-Country-Operationen müssen alle Systeme mitskalieren können. Die SAP S/4HANA Cloud Public Edition funktionierte auch hier.
Krieg beschreibt das Prinzip, das dahintersteckt: „Wachstum ohne skalierbare Systemstruktur endet meist im Chaos. Das gilt für den Konzern genauso wie für eine NGO, die die Welt retten will.“ Vielleicht ist das der stärkste Beweis für den Wert digitaler Infrastruktur: Selbst die, die Gutes tun wollen, können es nur auf dem richtigen Fundament umsetzen. (Quelle: news.sap.com)
Emirates Global Aluminium: IT als Rendite-Hebel
30-mal schnellere Datenverarbeitung. 90 Millionen Dollar Business Impact kombiniert mit 2.000 upgeskilten Mitarbeitern sowie 150.000 Transaktionen pro Monat. Emirates Global Aluminium, das größte Industrieunternehmen der Vereinigten Arabischen Emirate abseits des Öl- und Gassektors, hat mit seiner SAP-Transformation bewiesen, was möglich ist, wenn IT als strategischer Wachstumstreiber verstanden wird.
Über 60 Industry 4.0-Anwendungsfälle, von KI-gestützter Qualitätskontrolle bis zu Predictive Analytics für Rohstoffmärkte, wurden implementiert.
Für Krieg steht das Mindset dieses Projektes im Vordergrund: „Durch die Installation der Cloud-Basis entstand eine Plattform, die den Weg in die Zukunft öffnete.“
Die Transformation gipfelte in einer Weiterqualifizierung von 2.000 Mitarbeitern. Der Erfolg gibt ihnen recht, das Vorhaben gelang auch deshalb, weil die Menschen hinter den Systemen mitgenommen wurden. (Quelle: news.sap.com)
Was diese fünf Fälle gemeinsam haben
Fünf Branchen fünf verschiedener Größenordnungen liefern eine gemeinsame Erkenntnis, nämlich, dass Transformation keine IT-Aufgabe ist. Sie legt mit dem richtigen Plan, den richtigen Partnern und der richtigen Organisation das Fundament für die nächsten zehn Jahre.
Andreas Krieg nennt es die „Once-in-a-lifetime-Chance“ und meint das wörtlich: „Die Systeme müssen ohnehin komplett überarbeitet werden. Also warum nicht jetzt? Einfach mit dem ersten kleinen technischen Schritt beginnen und automatisch die Prozesse anpassen. Dergestalt gelingt eine Transformation, deren Chance so nie wiederkommen wird, wenn sie einmal verpasst ist.“
Die fünf Unternehmen in diesem Artikel haben das Prinzip bereits verstanden und wenden es an. Wer handelt, bevor der Druck von außen unerträglich wird, behält die Initiative. Wettbewerbsfähigkeit entsteht nicht durch Reaktion, sondern durch Vorwegnahme. Demnach lautet die zentrale Frage für eine SAP-Transformation nicht „Ob?“, sondern nur: „Wann?“


Keine Kommentare bisher