Das Landgericht verhandelt einen versuchten Mord vor dem Hintergrund von Selbstjustiz. Ein mitteldeutsches Carsharing-Unternehmen wird zur Genossenschaft und stellt heute sein entsprechendes Konzept vor. Um weibliche Weisheit in der Geschichte der Universität geht es in einer neuen Ausstellung der Alma Mater Lipsiensis und der Zoo bereitet die morgen beginnenden Sommeröffnungszeiten vor, und somit auch die öffentliche Badesaison (der Elefanten).
Umwelt schonen als Großfamilie
Ein Auto pro Person ist zuviel? Der regionale Carsharing-Anbieter teilAuto sieht es so und stellt heute Vormittag sein Genossenschaftsmodell vor, mit dem er seine Firmenstruktur grundlegend umwandelt. Das mitteldeutsche Unternehmen ist die erste GmbH dieser Größenordnung, die per Formwechsel in eine Genossenschaft umgewandelt wird. Rund 100.000 Privat- und Geschäftskunden nutzen derzeit mehr als 2.200 Fahrzeuge in 30 Städten in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.
Vorstand Patrick Schöne erklärt in einer Vorab-Mitteilung: „Für uns war seit Beginn von teilAuto klar, dass irgendwann der Zeitpunkt kommen würde, unser Unternehmen in die Hände der Allgemeinheit zu übergeben”, und ergänzt: „Wir öffnen teilAuto nun für alle, die mit ihrem Geld einen Beitrag zu einer umweltfreundlichen, gemeinschaftlichen und zuverlässigen Mobilität leisten wollen.”

Mit der Umwandlung verfolgt das Unternehmen das Ziel, die Verkehrswende bewusst nicht Investoren oder Konzernen zu überlassen, sondern sie in die Verantwortung der Nutzergemeinschaft zu legen. Dabei gilt das Prinzip „eine Person, eine Stimme“, unabhängig von der Höhe der finanziellen Beteiligung. Ab heute können sich Interessierte unabhängig von einer bisherigen Nutzung mit Anteilen zu je 300 Euro beteiligen und erhalten damit volles Stimmrecht, während mögliche Gewinnausschüttungen sich an der Anzahl der Anteile orientieren.
Die Umwandlung bedeutet zugleich eine Rückbesinnung auf die Anfänge: 1992 gründeten zehn Menschen in Halle (Saale) den Verein teilAuto, um gemeinsam ein Fahrzeug zu nutzen; bereits 1993 stand mit einem Skoda Favorit das erste Auto zur Verfügung, dessen Nutzung noch über Anrufbeantworter organisiert wurde. Mit wachsender Nachfrage folgte ab 2000 die Expansion nach Erfurt und Leipzig, 2004 die Gründung der Mobility Center GmbH und in den darauffolgenden Jahren die Ausweitung auf weitere Städte wie Dresden, Jena, Magdeburg, Chemnitz und Gera. Heute beschäftigt das Unternehmen rund 50 Mitarbeitende und erzielte 2025 einen Jahresumsatz von rund 33 Millionen Euro.

Weibliche Weisheit der „Nährenden Mutter”
Der letzten Erhebung zufolge sind 60 Prozent der an der Leipziger Universität Studierenden Frauen. Dass Weisheit eine durchaus weibliche Tradition hat, erzählt ab heute eine Ausstellung im Neuen Augusteum. „Athena und ihre Töchter“ rückt Frauen in den Mittelpunkt der Kunstsammlung und beleuchtet deren bislang oft übersehene Rolle in der Geschichte der 1409 gegründeten Hochschule.
Die Schau widmet sich Frauen als Stifterinnen, Künstlerinnen, Studentinnen und Gelehrte und zeichnet nach, wie sie die Entwicklung der Universität prägten, obwohl sie über Jahrhunderte hinweg kaum sichtbar waren. Unter dem Leitgedanken „Inspiration ist weiblich!“ greift die Ausstellung eine lange Tradition auf, in der Weisheit und Kreativität durch weibliche Figuren verkörpert werden, etwa durch die griechische Göttin Athena, die neun Musen oder die Personifikation der Wissenschaft sowie die Darstellung der Universität als „alma mater“ (nährende Mutter).
Demgegenüber standen reale Frauen bis weit ins 20. Jahrhundert hinein meist im Schatten des akademischen Betriebs und traten häufig lediglich als Professorengattinnen oder -töchter oder als Stifterinnen in Erscheinung. Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurden Frauen als Gasthörerinnen zugelassen, bevor ihnen ab 1906 ein reguläres Studium an der Universität Leipzig möglich war. In der mehr als 600jährigen Geschichte der Hochschule blieb ihr Beitrag dennoch lange unterrepräsentiert, obwohl einzelne Persönlichkeiten wie Luise Adelgunde Gottsched bereits früh eigene wissenschaftliche und literarische Leistungen erbrachten und zugleich maßgeblich am Wirken ihrer männlichen Kollegen beteiligt waren.
Die Ausstellung rückt diese Perspektiven nun bewusst ins Zentrum und zeigt anhand ausgewählter Werke und historischer Zeugnisse, wie Frauen die Universität beeinflusst und mitgestaltet haben. Besucherinnen und Besucher sind bis zum 11. Juli 2026 jeweils dienstags bis freitags von 14 bis 18 Uhr sowie samstags von 11 bis 14 Uhr willkommen.
Zoo eröffnet Badesaison
Im Zoo wird heute noch mal gründlich gewerkelt und geputzt. Vor allem die Scheibe des großen Badebeckens der Elefanten muss besonders sauber sein. Denn ab morgen gelten die Sommeröffnungszeiten. Und mit denen wird endlich wieder der Besuch eines Morgenrituals möglich. Um 10:15 Uhr begeben sich die Elefanten in ihrer Tempelanlage „Ganesha Mandir“ zum großangelegten Badebecken. Vom Kellergeschoss des Hauses aus kann man beobachten, wie galant die sonst so klobig wirkenden Dickhäuter im durch Solarenergie angewärmten Wasser ihre Schwimmübungen absolvieren.
Ganztägig von nun 9 bis 19 Uhr geöffnet sind auch die neuen Vogelwelten Amazonien und Loriversum, in denen Tierpfleger im Rahmen von Kommentierungen Wissenswertes vermitteln, während sich Aras und Sittiche in ihren neuen Flugvolieren eingewöhnen und weitere Arten für zusätzliche Vielfalt sorgen. Ergänzt wird das Angebot durch zahlreiche Fütterungen und Erläuterungen in allen Erlebniswelten, die Einblicke in den Alltag des Leipziger Zoos geben.
Für den Mai stehen zudem verschiedene Führungen zur Auswahl, darunter eine Frühtour am 10. Mai um 8 Uhr mit besonderem Fokus auf die Mütter der Tierwelt sowie Spezialangebote für Pflanzenfreunde in Gondwanaland oder Technikinteressierte im Aquarium und in der Tropenhalle. Auch exklusive Blicke hinter die Kulissen sind möglich, begleitet von Zoolotsen. Wichtig: Sonderführungen müssen HIER ONLINE separat gebucht werden.
An den verlängerten Wochenenden zu Himmelfahrt vom 14. bis 17. Mai und zu Pfingsten vom 23. bis 25. Mai sind zusätzliche Mitmachaktionen geplant. Besucher können mit einem Onlineticket nicht nur den Eintritt sichern, sondern zugleich die Anreise mit den Leipziger Verkehrsbetrieben nutzen und ohne Umwege durch das Drehkreuz in den Zoo gelangen.
Der Zoo Leipzig wurde mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis ausgezeichnet und war offizielles Projekt der „UN-Dekade Biologische Vielfalt” der Deutschen Bundesstiftung Umwelt.

Prozess um Selbstjustiz durch versuchten Mord
Vor der 16. Strafkammer des Leipziger Landgerichts beginnt heute der Prozess um einen mutmaßlich versuchten Mord. Die Staatsanwaltschaft Leipzig klagt einen 1990 geborenen Mann an und wirft ihm das genannte Verbrechen in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung in zwei tateinheitlichen Fällen vor. Nach Angaben der Anklage befand sich der Beschuldigte in einer Beziehung mit dem mutmaßlich Geschädigten, die im Jahr 2022 endete.
Hintergrund der Trennung seien Vorwürfe des Angeklagten gewesen, sein damaliger Partner habe ihn betäubt und vergewaltigt. Entsprechende Anzeigen wurden jedoch von den Ermittlungsbehörden eingestellt. In der Nacht vom 12. auf den 13. September 2025 trafen beide Männer zufällig in einer Bar in der Otto-Schill-Straße in Leipzig aufeinander.
Laut Staatsanwaltschaft soll der Angeklagte den Entschluss gefasst haben, den mutmaßlich Geschädigten zu töten, nachdem sich dieser mit einem anderen Mann zum Zwecke sexueller Handlungen in ein Separé zurückgezogen hatte. Dabei soll er die Arg- und Wehrlosigkeit des Opfers ausgenutzt und ihm mit einem mitgeführten Taschenmesser einen Schnitt am Hals zugefügt haben. Nachdem sich der mutmaßliche Täter zunächst zurückgezogen hatte, soll er später festgestellt haben, dass der Verletzte überlebt hatte und von anderen Anwesenden versorgt wurde. Daraufhin habe er erneut den Entschluss gefasst, ihn zu töten, und soll überraschend wieder auf ihn zugetreten sein, um ihm mit dem bereits verwendeten Messer eine weitere Verletzung im Bauchbereich zuzufügen.
Die Staatsanwaltschaft geht neben dem Mordmerkmal der Heimtücke auch von niedrigen Beweggründen aus. Als Motiv wird angenommen, dass der Angeklagte den mutmaßlich Geschädigten töten wollte, weil dieser wegen der gegen ihn erhobenen Vorwürfe der Vergewaltigung nicht zur Verantwortung gezogen worden sei und er selbst die erforderliche „Bestrafung“ habe vornehmen wollen. Der mutmaßlich Geschädigte hat sich dem Verfahren als Nebenkläger angeschlossen.
Das Landgericht hat für den Fall zunächst sechs Verhandlungstage einberufen. Vom Prozess berichtet unser Reporter Lucas Böhme.
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