Die „Billo-Variante“ von der Stange hat ausgedient. Die Siegerinnen im sächsischen Landespokal dürfen sich ab sofort über eine würdige neue Trophäe freuen. Der Sächsische Fußball-Verband stellte das Schmuckstück am gestrigen Dienstag auf einer Pressekonferenz erstmals der Öffentlichkeit vor. Gleichzeitig wurde ein Ausblick auf den am 1. Mai stattfindenden Finaltag der Frauen und Juniorinnen in Flöha gegeben. Dort kicken dann die Teams des Chemnitzer FC und RB Leipzig II um das Privileg, den nagelneuen Pokal jubelnd in die Höhe recken zu dürfen.
Ein halbes Jahr Arbeit hat Bert Noack in die Anfertigung des neuen Frauen-Sachsenpokals investiert. Der Bildgießer- und Ziseleur-Meister hatte unter anderem bereits die Variante für die Männer angefertigt. Das Friemeln an solcherlei Trophäen – auch Tennis-Ikone Martina Navratilova hat so ein Kunstwerk von ihm in der Vitrine stehen – bilden für den 62-Jährigen einen kreativen Ausgleich zur klassischen Bronzebildgießerei seines traditionsreichen Leipziger Betriebes, den er in vierter Generation führt.
Wie Noack verriet, hatte es einige Anläufe benötigt, bis ihm Form und Aussehen des neuen Pokals auch selbst gefielen. Nicht zu klobig sollte er sein und leicht genug, um ihn beim Jubeln problemlos nach oben wuchten zu können. Daher wurde er nicht in Bronze gegossen, sondern aus zwei Millimeter starkem Messingblech gefertigt. Eine gewisse Eleganz erhält die sechseckige Trophäe auch durch ihre konkave Form – ebenfalls eine Erkenntnis, die Bert Noack direkt während des Machens gewann. Unterstützung holte er sich bei der Umsetzung von einem Gürtler-Meister.
Da das gute Stück auch das Land Sachsen präsentieren soll, legte er viel Wert auf eine entsprechende Symbolik. Als erstes springt dem Betrachter dabei wahrscheinlich das Relief der Saxonia ins Auge – der weltlichen Patronin Sachsens. Ein Alleinstellungsmerkmal, wie Noack nicht ohne Stolz unterstreicht, denn weder die Bavaria (Bayern) noch die Berolina (Berlin) prangen bisher von ihren jeweiligen Landespokalen. Das obere und untere Ende ist zudem von der Sachsenraute gesäumt, die ja auch im Landeswappen eine zentrale Rolle einnimmt. Und schließlich spiegelt das Grün des Pokal-Sockels die sächsische Farbe wider.
Wie viel Flüssigkeit in die Trophäe hineinpasst, hat Bert Noack nicht ausgemessen. Er stellt aber auch klar: „Das ist kein Trinkpokal!“. Am kommenden Freitag, dem 1. Mai müssen sich die Siegerinnen dann also etwas anderes einfallen lassen, um den Erfolg zu begießen. Aber möglicherweise haben diese ja sowieso ihre eigenen Getränkedosen dabei. Denn eines ist klar: Die Zweite von RB Leipzig geht als klare Favoritin in das Duell gegen die eine Klasse tiefer spielenden Chemnitzerinnen. Zudem scheint der Klub vom Cottaweg quasi ein Abo auf den Pokaltitel abgeschlossen zu haben. Seit 2019 hießen die Siegerinnen ausnahmslos RBL.
„Die Vorfreude auf Freitag ist groß. Für die Mädels ist das immer ein Highlight im Jahr“, sagt Celine Hauk, Co-Trainerin der RBL II-Frauen. „Am Ende des Tages den Pokal in die Luft zu heben, ist für die Mädels super, das ist für sie auch ein Entwicklungsschritt.“ Gute Stimmung und Vorfreude herrscht auch beim Final-Gegner Chemnitzer FC. „Sicherlich haben wir eher die Außenseiterrolle in diesem Spiel“, weiß auch deren Abteilungsleiter Alexander Arnold. „Aber ich denke, unsere Mädels haben so viel Ehrgeiz und Teamgeist, dass wir dort schon die ein oder andere Chance zu einem Tor sehen“.
Einen Erfolg darf der CFC ganz unabhängig vom Ausgang des Endspiels feiern. Denn bereits jetzt steht fest, dass die Himmelblauen in der ersten Runde des DFB-Pokals an den Start gehen werden. Eigentlich fällt dieses Privileg den Pokalsiegerinnen zu, doch da RB Leipzig in diesem Wettbewerb bereits mit ihrer Bundesliga-Frauenmannschaft teilnimmt, ist die Zweite nicht startberechtigt.
Das Frauen-Finale ist allerdings nicht das einzige Endspiel, das am 1. Mai über den Rasen des Auenstadion in Flöha gehen wird. Bereits um 10 Uhr stehen sich die C-Juniorinnen vom 1. FFC Fortuna Dresden und dem SV Ludwigsdorf 48 gegenüber. Um 12 Uhr schließt sich das B-Juniorinnen-Finale zwischen RB Leipzig U15 und dem 1. FFC Fortuna Dresden II an. Zum Abschluss gibt es dann um 15 Uhr das erwähnte Frauenfinale des Leipziger Regionalligisten gegen die Landesligistinnen des CFC.
„Die Spielstätte ist fantastisch, wir haben beste Bedingungen“, verspricht Thomas Pretschner, der mit seinem Kreisverband Fußball Mittelsachsen (KVF) Gastgeber dieses Finaltages ist. Durch die Veranstaltung erhofft sich der Verband positive Impulse für den Frauenfußball in der Region. „In Mittelsachsen haben wir einen weißen Fleck im Frauenfußball“, erklärt Pretschner. „Wir hatten zwar eine Kleinfeldstaffel, aber es gelingt uns nicht, Nachwuchsmannschaften zu installieren. Deswegen wollen wir auch mit dem Jahr des Mädchenfußballs und der Gründung der Mitteldeutsche Mädchenfußball AG diesen Tag zu nutzen, um den Frauen- und Mädchenfußball in Mittelsachsen stärker in den Mittelpunkt zu rücken.“
Es ist inzwischen das vierte Mal, dass der Finaltag in Sachsen in dieser Form ausgetragen wird. „In den letzten Jahren hat es sich etabliert, dass wir die Spiele der C- und B-Juniorinnen sowie der Frauen zusammen austragen. Auch die Zahlen geben uns recht, wenn wir die Saison 18/19 mit 24/25 vergleichen: von 4.800 Spielerinnen zu 6.200 Spielerinnen, die in unseren Mannschaften herangewachsen sind. Das ist ein klarer Trend, darüber freuen wir uns als Verband“, sieht Präsident Hermann Winkler seinen Sächsischen Fußball-Verband (SFV) auf dem richtigen Weg.
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