Tourismus in Westsachsen: Burgenland an der Mulde wirbt jetzt mit eigener Website

Wer schon mit den ganz realen sächsischen Landschaften seine Verwirrungen erlebt, wird jetzt im Internet ganz bestimmt noch verwirrter: "Sieben auf einen Streich", vermeldete das Landratsamt Landkreis Leipzig in der letzten Woche. Die Sieben, das sind die sieben Kommunen Thallwitz, Hohburg, Wurzen, Bennewitz, Trebsen, Grimma und Colditz, die jetzt "ihr touristisches Potential erstmalig gemeinsam über das Internetportal 'Sächsisches Burgenland' unter www.tourismus.saechsisches-burgenland.de präsentieren".
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Sie wollen mit gebündelten Kräften den Tourismus der ländlichen Region stärken. Tatsächlich gliedert sich damit erstmals eine Region aus dem bislang schon existierenden Tourismus-Portal www.saechsisches-burgenland.de aus, auf dem sich der Tourismusverband Sächsisches Burgen- und Heideland präsentiert. Der Titel klingt groß. Wer sich aber mit der Region und den Angeboten in ihrem Erfassungsfeld beschäftigt, der weiß: Er ist tatsächlich noch viel zu klein. Das Gebiet des Verbandes reicht vom Naturpark Dübener Heide und der Dahlener Heide im Norden über die (burgenreichen) Muldelandschaften bis hinunter vor die Tore von Chemnitz. Und das Leipziger Neuseenland gehört auch noch dazu, das sich in den letzten Monaten verstärkt mit der Leipziger Tourismus-Vermarktung liiert hat – denn Leipzig liegt eigentlich auch noch im Gebiet.

Natürlich macht es Sinn, diese vielseitige Landschaft zu untergliedern und auf eigenen Plattformen zu zeigen, welche ganz speziellen Schönheiten es dort zu entdecken gibt. Was sich jetzt als Burgenland präsentiert, war im bisherigen Verbund das Muldenland um Wurzen und Grimma. Zu den Städten Wurzen und Grimma kommen noch die Städtchen Colditz, Trebsen, Bennewitz, Thallwitz und der Gemeindeverbund Lossathal mit Falkenhain hinzu.

Die Basis dieser Internetseite bildet eine riesige Datenbank mit allen touristisch relevanten Informationen aus dem Verbandsgebiet des Sächsischen Burgen- und Heidelandes. Dazu zählen Sehenswürdigkeiten, Unterkunfts- und Gastronomiebetriebe, Informationsstellen, Sport- und Freizeiteinrichtungen, Routenvorschläge (Wander-, Rad-, Wasserwege usw.) und schließlich auch Veranstaltungen.

Während zu Beginn der Datensammlung im November 2011 etwa 400 POI’s (Branchen-Englisch für „points of interest“, sehenswerte Orte) eingetragen waren, sind es heute schon 2.080 und täglich werden es mehr, freut sich der Tourismusverband „Sächsisches Burgen- und Heideland“ e.V., der auch für diese Spezialseite die Herausgeberschaft inne hat.

Ähnlich verhält es sich bei den ausgearbeiteten Touren, welche sich bereits auf 45 summieren, und den Veranstaltungen, die aktuell über 200 anstehende Termine auflisten. Damit erhält der Besucher der Webseiten umfassende Informationen zu den Einrichtungen und Aktivitäten im ländlichen Raum und kann seinen Urlaub bzw. Ausflug bestens planen, betont das Landratsamt in seiner Pressemitteilung. Was der sanfte Hinweis darauf ist, dass die Website aus Fördermitteln der EU co-finanziert wurde.

Man rätselt ja die ganze Zeit: Wofür wird eigentlich in sächsischen Regionen das Geld aus den EU-Fördertöpfen ausgegeben, das zur Stärkung des ländliches Raumes gedacht ist? Zum ELER, das im „Entwicklungsprogramm für den ländlichen Raum im Freistaat Sachsen 2007 – 2013“ (EPLR) die Hauptrolle spielt, heißt es zum Beispiel: „Der ELER soll zur Förderung nachhaltiger Entwicklung des ländlichen Raums in der gesamten Gemeinschaft in Ergänzung zu den Markt- und Einkommensstützungsmaßnahmen der gemeinsamen Agrarpolitik, der Kohäsionspolitik und der gemeinsamen Fischereipolitik beitragen.“

Dazu gehören folgende Ziele: „Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit der Landwirtschaft und der Forstwirtschaft durch Förderung der Umstrukturierung, der Entwicklung und der Innovation; Verbesserung der Umwelt und der Landschaft durch Förderung der Landbewirtschaftung; Steigerung der Lebensqualität im ländlichen Raum und Förderung der Diversifizierung der Wirtschaft.“ Das könnte dann auch Tourismus sein.Ob eine weitere Website – auch wenn sie im Internet rein theoretisch weltweit sichtbar ist – das befördert, müssen die Akteure selbst wissen.

Kleiner Spielspaß für alle, die nun vielleicht doch überlegen, ob sie mal wieder in die Mulderegion fahren: Über einen eingebauten Link kommt man auf den „innovativen Tourismus-Navigator“ und kann sich die Sehenswürdigkeiten und Touren „in der hochmodernen interaktiven Karte aufzeigen“ lassen.

Zu Sehenswürdigkeiten gibt es da zum Beispiel 564 Treffer. Da muss man die Suche einschränken. Maximal 300 Treffer sind anzeigbar auf der Karte. Wer jetzt freilich die vielen Burgen im Burgenland sucht, bekommt 38 Treffer angezeigt – vom Wasserschloss Schnaditz im Norden (Bad Düben) bis zum Schloss Forderglauchau im Süden (Glauchau). Die interaktive Karte beschränkt sich also (zum Glück) nicht auf die sieben Städte und Kommunen, die sich an der Erstellung der Website beteiligen.

Man kann auch nach Persönlichkeiten suchen. Da sind bislang erst zehn zu finden – Leute wie Göschen, Gerstäcker und der „Posaunengott“ Carl Traugott Queisser in Grimma zum Beispiel oder Ringelnatz in Wurzen.

512 gastronomische Einrichtungen werden angezeigt – von asiatisch bis „mediteran“. Hoch lebe der Fehlerteufel. 597 Unterkunftsmöglichkeiten, 250 Punkte, wo man Natur und Landschaft bewundern kann. 199 Treffer für Kunst und Kultur und 30 Gelegenheiten, wo man regionale Erzeugnisse bekommen kann, auch wenn diese zuweilen etwas exotisch wirken. Etwa die von der Bisonfarm bei Grimma, von den Paradies-Alpakas bei Thallwitz oder den beiden Straußenfarmen bei Thalheim und Grimma.

Aber auch auf der eigentlichen Website sind Ausflugsziele, Beherbergungen, Restaurants usw. und deren allgemeine Kontaktdaten zu finden, meist ansprechend untermalt mit Fotos und Kurzbeschreibungen.

Mehr zum Thema:

Sächsische Landschaften: 26 faszinierende Naturräume Sachsens in Farbe und kompakt
Irgendwo zwischen Weltmeeren und Wandel …

„Alles in allem ist dieser von den benannten Städten und Gemeinden finanzierte Webauftritt ein sehr gutes Instrument, potentiellen Gästen die faszinierende Region im Ganzen vorzustellen und macht es endlich auch Leistungsträgern ohne eigene Internetpräsenz möglich, sich kostenlos und
effektiv in der ganzen Welt bekannt zu machen“, meint das Landratsamt des Landkreises Leipzig.

Es geht ja nix über die Hoffnung, auch in Japan oder Timbuktu könnte jemand ganz zufällig über diese neue touristische Website aus dem sächsischen Muldenland stolpern. Kann passieren. Google macht manches möglich – irgendwo hinten auf den Suchseiten. Denn die Findelogik der Suchmaschinen ist nicht unbedingt immer die, die man sich im schönen sächsischen Burgenland so denkt.

Die neue Website: www.tourismus.saechsisches-burgenland.de

Der Auftritt des Tourismusverband „Sächsisches Burgen- und Heideland“ e.V.: www.saechsisches-burgenland.de


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