In Leipzig und Dresden entstehen die neuen Arbeitsplätze und fast alle in der Dienstleistung

Für alle LeserMan muss nicht erwarten, dass Statistiker auch gleich noch die Gründe analysieren, die zu Bevölkerungswanderungen führen. Das wäre entweder die Aufgabe von Politik, von der aber die sächsische Politik auffällig überfordert ist, oder die von Wissenschaftlern. Aber außer dem in Leipzig ansässigen Institut für Länderkunde forscht da kaum einer. Und so erzählt das Landesamt für Statistik von „Gewinnerstädten“, obwohl ein ganzes Land ins Wandern und Rutschen gekommen ist. Die Arbeitsplätze erzählen davon.
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Auch wenn es jetzt erst einmal noch die Statistik von 2017 ist, die die Landesstatistiker ausgewertet haben.

„Um 22.000 Personen bzw. reichlich ein Prozent erhöhte sich die Zahl der Erwerbstätigen in Sachsen 2017 gegenüber 2016. Knapp 70 Prozent der Zuwächse wurden aktuell in den Kreisfreien Städten erreicht“, teilt das Landesamt für Statistik mit.

„Die größten Arbeitsplatzgewinne verzeichneten mit 2,3 bzw. 1,9 Prozent die Städte Leipzig und Dresden. Die Entwicklung in den sächsischen Landkreisen war mit einem durchschnittlichen Plus von 0,6 Prozent deutlich verhaltener – in Mittelsachsen trat ein Rückgang um 0,4 Prozent ein. Auch im Vergleich zu 2010 waren die Städte Leipzig und Dresden die großen Gewinner an Arbeitsplätzen.“

Dresden hat seit 2010 immerhin 26.500 Arbeitsplätze neu hinzugewonnen. In Leipzig waren es im selben Zeitraum 36.700. Und das, obwohl tausende vormals marginale Beschäftigungsverhältnisse verschwunden sind.

Überdurchschnittlich stieg in diesem Zeitraum auch die Zahl der Erwerbstätigen im Landkreis Meißen – im Gegensatz dazu ging sie im Landkreis Zwickau sowie in Mittelsachen um 1,6 bzw. 1,5 Prozent zurück, so die Landesstatistiker.

Und dann gehen sie auf das sichtliche Hinschwinden marginaler Beschäftigung ein: „Die Entwicklung in den einzelnen Personengruppen der Erwerbstätigen vollzog sich in den Kreisen unterschiedlich. Die Zahl der Arbeitnehmer ohne marginal Beschäftigte erhöhte sich 2017 außer in Mittelsachsen überall. Bei den Selbstständigen und mithelfenden Familienangehörigen gab es nur in der Stadt Leipzig einen Zuwachs um 0,5 Prozent.

In Nordsachsen blieb die Zahl unverändert und alle weiteren Kreise verzeichneten Rückgänge (-0,7 Prozent in Sachsen). Außerdem setzte sich 2017 fast ausnahmslos die Verringerung bei der marginalen Beschäftigung fort – dazu gehören geringfügig entlohnte Beschäftigte, kurzfristig Beschäftigte sowie Personen in Arbeitsgelegenheiten (Sachsen -1,8 Prozent).

Nur der Landkreis Meißen erlebte hier einen Zuwachs um ein Prozent und das Niveau in der Stadt und im Landkreis Leipzig blieb unverändert. Der Anteil der marginal Beschäftigten an allen Erwerbstätigen sank 2017 in allen sächsischen Kreisen bis auf den Landkreis Meißen und bewegte sich zwischen 7,7 Prozent in Nordsachsen und 9,3 Prozent jeweils im Erzgebirgskreis sowie im Landkreis Leipzig.“

Das Abschmelzen der marginalen Beschäftigung begann schon vor 2015, als der Mindestlohn auch in Sachsen eingeführt wurde. Es hat vor allem mit der Demografie-Falle zu tun, in die Sachsen seit 2010 ungebremst hineinmarschiert ist, obwohl sämtliche Wirtschaftskammern davor warnten. Denn seitdem sind sämtliche Ausbildungsjahrgänge halbiert, verwandelte sich die einst riesige „Arbeitsmarktreserve“ in einen in immer mehr Branchen wachsenden Mangel an Fachkräften. Auch deshalb sind die Großstädte Dresden und Leipzig so „aufnahmefähig“: Hier sitzen längst die modernen Dienstleister, die junge Leute mit attraktiven Arbeitsplatzangeboten anziehen.

Die Statistiker betonen es nicht extra, aber das eigentliche Wachstumsmoment in Sachsens Wirtschaft ist das riesige Feld der Dienstleistungen. Gerade Dresden und Leipzig sind eben nicht durch das klassische produzierende Gewerbe dominiert, sondern durch einen ganzen Kosmos von Dienstleistern von der IT-Branche über Handel, Verkehr und Gastgewerbe bis hin zu den öffentlichen Dienstleistern, Bildung und Gesundheit. Nicht einmal jeder zehnte Beschäftigte arbeitet in Leipzig noch in der Industrie.

Wie sehr gerade diese Branchen aber auch zunehmend verzweifelt nach Fachkräften suchen, ist mittlerweile in jedem Monatsbericht der Arbeitsagentur nachzulesen.

Aber wer sich die Anteile der Branchen anschaut merkt auch, dass all die nun wieder panikschiebenden Wirtschaftsinstitute in Deutschland nur einen sehr, sehr engen Fokus auf Wirtschaft haben. Nur 19 Prozent der sozialversichungspflichtigen Arbeitsplätze Sachsens gehören zur produzierenden Wirtschaft, weitere knapp 8 Prozent zur Bauwirtschaft. Der Löwenanteil von über 70 Prozent ist im riesigen Feld der Dienstleistungen beschäftigt, wo es immer um menschliche Arbeitskraft und Anwesenheit geht.

Und es sind in der Menge eben keine Fensterputzer- und Straßenfeger-Jobs, sondern hochqualifizierte Arbeitsfelder von der Forschung über die Bildung bis hin zu Verkehrsdisponenten, aber auch Straßenbahnfahrern, Designern und Architekten. Und alles deutet darauf hin, dass davon schon allein aufgrund der immer stärkeren Altersabgänge in den nächsten Jahren immer mehr gebraucht werden.

Aber woher sollen sie kommen, wenn die ländlichen Räume „leer gezogen“ sind?

Selbst gebaut und ungelöst: Die Sächsische Demografie-Falle

 

Arbeitsmarkt
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