Wenn Radverkehr nun einmal stärker wächst als alle anderen Verkehrsarten

Jugendparlament beantragt, die KarLi zur Fahrradstraße zu machen

Für alle LeserKennen Sie auch dieses Gefühl, wie in Watte gewickelt zu sein, schön bemuttert von allen Seiten und daran gewöhnt, dass Sie dies nicht dürfen und jenes leider, leider verboten ist? Und auch in 100 Jahren nicht möglich sein wird, weil dies und das nicht geht? Also quasi den eingebauten Bedenkenträger immer eingeschaltet als Denksperre? Und dann kommen diese jungen Leute aus dem Jugendparlament und beantragen einfach mal, die ganze KarLi zur Fahrradstraße zu machen. Im Jahr 2019. Im Jahr von „Fridays for Future“.

Und dabei haben wir doch nun zehn Jahre flauer, mauer Diskussionen darum hinter uns, warum die parallel verlaufende Bernhard-Göring-Straße vielleicht mal Fahrradstraße werden könnte, aber nur unter Bedingungen und schon gar nicht zu unseren Lebzeiten, weil dies und das nicht geht.

Oder weil einfach ein paar alte Leute keine Lust haben, Dinge einmal anders zu denken, als sie es in ihrem Trott gewohnt sind. Oder weil sie schon vorsorgend Angst haben, dass die üblichen Protestierer aufspringen und einen Skandal aus dieser Zumutung machen, ihren bequemen Trott ändern zu müssen.

Und nun die KarLi, wo das Verkehrsdezernat jetzt endlich mal ein Paar Zählschleifen in Höhe Braustraße ins Pflaster gelegt hat, um die täglichen Radfahrer zu zählen, die hier langkommen. Denn es werden immer mehr. Denn immer mehr (nicht nur junge) Leipziger fahren mit dem Fahrrad, wenn die Radfahrbedingungen auch nur annähernd einigermaßen sind. Mit Kind und Kegel und Lastenrad. An manchen Tagen ist unübersehbar, dass die schmalen Radstreifen nicht wirklich ausreichen, um die ganzen Radfahrer aufzunehmen.

Und so hat das Jugendparlament, nachdem es mit dem Antrag, in Leipzig den Klimanotstand auszurufen, damit die Verwaltung beim Klimaschutz wirklich endlich in die Puschen kommt, jetzt einen Antrag für den Stadtrat geschrieben, in dem es eine „Fahrradfreundliche ‚Karli‘“ ansteuert.

„Die Karl-Liebknecht-Straße erweist sich immer mehr als eine durch den Radverkehr viel befahrene Straße“, schreiben die Jugendparlamentarier in ihrem Antrag. „Häufig reicht der enge Fahrradweg nicht aus, um die Menge an Radfahrer*innen zu fassen. Ganz zu schweigen von PKW und LKW, die regelmäßig den Fahrradweg verstellen. Wir schlagen daher vor zu prüfen, ob die Karl-Liebknecht-Straße, auch abschnittsweise, zur Fahrradstraße umgewidmet werden kann. Dabei geht es nicht darum, den MIV von der Straße zu verbannen (daher ggf. mit Zusatzzeichen), sondern vielmehr dem Radverkehr Vorrang zu gewähren, das Überholen zu ermöglichen und dadurch den Verkehr für Radfahrer*innen sicherer zu machen.“

Und so schlagen sie als Beschluss vor: „Die Stadtverwaltung prüft bis zum IV. Quartal 2019, ob die Karl-Liebknecht-Straße sowie der Peterssteinweg im Abschnitt zwischen Dimitroffstraße und Emilienstraße als Fahrradstraße, ggf. auch mit Zusatzzeichen ‚PKW frei‘, ausgewiesen werden kann. Dabei wird auch berücksichtigt, ob ggf. einzelne Teilstrecken davon entsprechend ausgewiesen werden können.“

So langsam bekommt man das Gefühl, dass sich das junge Leipzig endlich ein bisschen Gehör verschafft und sich alte, veränderungsunwillige Stadtpolitik langsam ändert. Oder ändern könnte. Man ahnt ja schon, welche vehementen Argumente demnächst vorgetragen werden, um den Vorschlag schleunigst wieder loszuwerden.

Eine etwas sarkastische Anfrage zu zugeparkten Radwegen auf der KarLi

JugendparlamentKarl-Liebknecht-StraßeFahrradstraßePeterssteinweg
Print Friendly, PDF & Email
Leserbrief

Hinweise zum Leserbrief: Bitte beachten Sie, dass wir einen Leserbrief nur veröffentlichen, wenn dieser nicht anonym bei uns eintrifft. Außerdem möchten wir darauf hinweisen, dass eine Teilnahme an Verlosungen des L-IZ Leserclubs mit dem Leserbrief nicht möglich ist.

Ihr Name *

Ihre E-Mail-Adresse *

Betreff

Ihre Nachricht *

Bild/Datei hochladen

Wären Sie mit der Veröffentlichung als Leserbrief einverstanden? *

 
3 Kommentare


Schneller informiert mit dem L-IZ-Melder
Weitere Nachrichten:Bewegungsmelder | Wortmelder | Rückmelder | Sport | Polizei | Verkehr





Weitere aktuelle Nachrichten auf L-IZ.de

300 Euro Beute: Räuber gesteht Überfall auf Gohliser Getränkemarkt
Justizwachtmeister nehmen Ronny R. (36) im Gerichtssaal die Handfesseln ab. Foto: Lucas Böhme

Foto: Lucas Böhme

Für alle LeserEin 36 Jahre alter Mann soll im Sommer einen Gohliser Getränkemarkt überfallen und rund 300 Euro erbeutet haben. Am Freitag begann sein Prozess vor dem Leipziger Landgericht mit einem Geständnis.
Diakonie lädt zur traditionellen Weihnachtsmusik mit der Schola Cantorum Leipzig
Nikolaikirche Leipzig. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Zur diesjährigen Weihnachtsmusik des Diakonischen Werkes Leipzig am Sonntag, dem 15. Dezember, um 15:30 Uhr, in der Nikolaikirche Leipzig erklingt weihnachtliche Chor- und Instrumentalmusik aus verschiedenen Epochen. Neben Spatzenchören, Kinderchor und Kammerchor der Schola Cantorum Leipzig unter Leitung von Marcus Friedrich und Sven Kühnast sind der Leipziger Bläserkreis unter Leitung von Landesposaunenwart Jörg-Michael Schlegel sowie Karl Eckel an der Orgel zu erleben.
Am 15. Dezember 2020 mit neuer Show im Haus Leipzig: Midge Ure & Band Electronica
Midge Ure © Andy Siddins

© Andy Siddins

Der Umbruch zu Beginn der 1980er Jahre war entscheidend für die Musikszene. Während in verschiedenen Bereichen wie Gesellschaft, Politik, Mode und Kultur ein riesiger Umschwung stattfand, kam auch frischer Wind in die Musikszene. Als Synthesizer anfingen, die neuen Lieder zu dominieren und Musikvideos den Popcharts ein ganz neues Aussehen verliehen, war besonders einer maßgeblich am Wandel beteiligt: Midge Ure.
Der Stadtrat tagte: Ortschaftsräte wollen mehr Infos zu Eigentumsverhältnissen bei Liegenschaften
Sven Morlok (Freibeuter). Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Für alle LeserMitglieder des Stadtrates und anderer kommunaler Gremien dürfen mehr wissen als „normale“ Bürger/-innen. Welche Informationen öffentlich sein sollten und auf welchem Weg der Zugang zu geheimen Informationen gewährleistet wird, ist immer wieder Gegenstand von Diskussionen. In der Ratsversammlung am Mittwoch, den 11. Dezember, ging es um die Eigentumsverhältnisse von Liegenschaften.
Ökolöwe freut sich über gestärkten Natur- und Artenschutz im Leipziger Auwald
Auwald im Herbst. Foto: Marko Hofmann

Foto: Marko Hofmann

Für alle LeserMan muss ihn mit Samthandschuhen anfassen, den Leipziger Auenwald. Das ist klar, seit Leipzigs Stadtrat am Mittwoch, 11. Dezember, den neuen Forstwirtschaftsplan erstmals mit festgelegten Naturschutzauflagen beschloss. Denn damit wurde auch deutlich, dass ein Bewirtschaftungsplan für ein so sensibles Naturschutzgut nicht einfach nur ein Wirtschaftsplan sein kann. Beschlossen wurden ja im Grunde die Forderungen des Leipziger Ökolöwen.
Der Stadtrat tagte: Die PARTEI nervt den Oberbürgermeister + Video
Neu im Stadtrat: v.l. Thomas Kumbernuß und Marcus Weiss (Die PARTEI). Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Für alle LeserSchon nach der dritten Rede des PARTEI-Politikers Thomas „Kuno“ Kumbernuß im Stadtrat sah sich Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) dazu gezwungen, einige mahnende Worte an ihn zu richten. Der Stadtrat sei weder „Werbeveranstaltung“ noch „Kabarett“. Zuvor hatte Kumbernuß unter anderem zwei Flaschen einer lokalen Biermarke am Redepult präsentiert.
Evaluierung der Waffenverbotszone in Leipzig: Innenminister weicht aus, ernsthafte Prüfung ist fraglich
Mit Pappschildern bewaffnete Gegendemonstranten versammeln sich um das Verbotsschild. Foto: René Loch

Foto: René Loch

Für alle LeserSeit 2018 gibt es die Waffenverbotszone rund um die Leipziger Eisenbahnstraße. Eingeführt wurde sie mit der klaren Verfügung, sie nach einem Jahr zu evaluieren. Doch was so klar klingt, ist nicht so klar: Die Betroffenen in den angrenzenden Ortsteilen sollen wohl gar nicht erst gefragt werden, wie Kerstin Köditz, Landtagsabgeordnete der Linken, nach der jüngsten Antwort von Innenminister Roland Wöller (CDU) vermutet.
Chemiekonzern will eine „vorzeitige Genehmigung“ für Pleißeeinleitung
Die Einwender am Tag der Anhörung: Raja Donkowa (r.) und Ronny Siebert (l.). Foto: Michael Billig

Foto: Michael Billig

Für alle LeserIndustrielle Abwässer aus dem Dow-Werk in Böhlen werden wohl auch im neuen Jahr in einem Vorfluter der Pleiße und folglich im Fluss selbst landen. Die Erlaubnis fürs Einleiten läuft zwar mit Ende dieses Jahres aus und über die neue muss die Landesdirektion Sachsen erst noch entscheiden. Bei dem Erörterungstermin am Donnerstag in der Landesdirektion in Leipzig zeigte sich aber, dass sich dieser Entscheidungsprozess noch eine Weile hinziehen wird. Dow hat, wie sich ebenfalls herausstellte, deshalb eine „vorzeitige Genehmigung“ beantragt.
Höchste Zeit, endlich unser zerstörerisches Handeln zu beenden
Im Januar 2017 fotografiert: das zugefrorene Elsterflutbett. Foto: Marko Hofmann

Foto: Marko Hofmann

Für alle LeserDie einen sagen – Klimaveränderungen gab es in der Vergangenheit immer wieder. Mal ist es kälter, mal ist es wärmer. Warum soll der Klimawandel menschengemacht sein? Wieder andere meinen – der Klimawandel ist schon greifbar, jeder Sommer wird heißer und trockener, die Wälder brennen, das Trinkwasser wird knapp. Dass die Witterung sich umstellt und anders wird, merken insbesondere die älteren Mitmenschen, inzwischen die Großelterngeneration. Es wird auch bei uns in Europa trockener und heißer, siehe die Jahre 2003, 2018 und 2019.
Positionspapier aus Leipzig, Dresden und Chemnitz fordert eine Förderung auch für kooperative Wohnprojekte
Abendlicht über Leipzig. Foto: Marko Hofmann

Foto: Marko Hofmann

Für alle LeserEin Passus im Koalitionsvertrag von CDU, Grünen und SPD erweckte die Aufmerksamkeit der Baubürgermeister/-innen in Dresden, Leipzig und Chemnitz. Es klang fast wie gehabt: Die Koalitionäre versprachen, auch in den nächsten fünf Jahren die Bildung von Wohneigentum in Sachsen zu fördern. Und für Reiche und Gutverdiener ist das auch noch nie ein Problem gewesen. Aber die meisten Sachsen sind nicht reich. Wie kommen sie also zu Wohneigentum? Es klang diesmal ein wenig anders.
Neues aus Beton und Stahl: Ein zweiter Band erzählt von der Arbeit des Ateliers Hermann Walter zwischen 1913 und 1935
Stadtgeschichtliches Museum Leipzig: Neues aus Beton und Stahl. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserAm 10. Dezember wurde im Stadtgeschichtlichen Museum im Böttchergässchen die Ausstellung „Silber auf Glas“ eröffnet. Sie zeigt in einer opulenten Vielfalt 280 Aufnahmen aus dem legendären Fotoatelier Hermann Walter und damit das Leipzig der Zeit zwischen 1913 bis 1935. Dazu erschien auch ein neues Buch, eigentlich schon das zweite zum Thema. Denn das erste gab Christoph Kaufmann, der Fotochef des Museums, schon 2010 heraus.
Am 2. Januar in der Stadthalle Chemnitz: Irish Celtic – Spirit of Ireland-Tour 2020
Irish Celtic. Quelle: Semmel Concerts

Quelle: Semmel Concerts

Mystisch und zauberhaft, dann wieder fröhlich und atemberaubend schnell: Gerade noch liegt etwas Magisches in der Luft, da wirbeln schon die ersten Tänzer über die Bühne. Spätestens jetzt kann sich niemand mehr der Energie dieser mitreißenden irischen Tanzshow entziehen.
Am 25. Januar: Szenische Lesung aus „Hermann und Dorothea“ im Buddehaus
Heinrich-Budde-Haus in Gohlis. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Am 25. Januar 2020 veranstaltet die Internationale Gesellschaft Orientalischer Christen / Ortsverband Leipzig, gemeinsam mit dem Schillerhaustheater eine szenische Lesung aus Johann Wolfgang von Goethes Versepos „Hermann und Dorothea“ im Budde-Haus in Leipzig-Gohlis.
Am 17. Dezember gibt es eine Telefonschaltung direkt vom Leipziger Naturkundemuseum zum Forschungsschiff „Polarstern“
Die Forschungsstation vor dem Naturkundemuseum. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserForscher sind harte Hunde. Sie gehen auch dahin, wo das Überleben am seidenen Faden hängt. Ein wenig kann man das seit ein paar Tagen in der neuen Installation vor dem Naturkundemuseum nachempfinden. Am Dienstag, 17. Dezember, gibt es dazu einen ganz besonderen Termin: Dann wird direkt zum Forschungsschiff „Polarstern“ geschaltet.
Eilenburg legt den ersten eigenen Wohnungsmarktbericht vor
Eilenburg. Foto: W&R Immocom

Foto: W&R Immocom

Für alle LeserWenn in Leipzig die bezahlbaren Wohnungen fehlen, müssen gerade Gering- und Normalverdiener zunehmend in die angrenzenden Landkreise ausweichen. Davon profitieren gerade die Leipzig nahe gelegenen Kommunen. Eilenburg hat ja daraus schon eine richtige Kampagne gemacht, um Leipzigern den preiswerten Wohnungsmarkt in der Muldestadt schmackhaft zu machen. Und deshalb hat die Stadt jetzt auch erstmals einen Wohnungsmarktbericht vorgelegt.