Fahrgastverband PRO BAHN: Öffentlichen Verkehr nicht grundlos schlechtreden

Für alle LeserEs war schon verblüffend, wie schnell nach Verhängung des ersten Shutdowns im Frühjahr die Ratschläge selbst aus der Politik kamen, die nahelegten, dass der ÖPNV gefährlich wäre und der Umstieg aufs Automobil eine Frage der Gesundheit. Ratschläge, die es – direkt oder indirekt – immer noch gibt. Als wäre das eine prima Gelegenheit, die Verkehrswende gleich mal wieder rückgängig zu machen. Der Fahrgastverband PRO BAHN ist jedenfalls höchst irritiert.
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In der vergangenen Woche sorgte ja das Bundesinnenministerium durch die Debatte um den zweiten Sitzplatz in den Zügen der DB für Diskussionen, den Bundesmitarbeiter mit dazubuchen könnten, um bei Zugreisen den Mindestabstand zu wahren. Gleichzeitig empfiehlt der Bund sogar den Umstieg aufs Auto und unterstützt das Mieten eines Leihautos.

Das kann man schon als mutwilligen Versuch sehen, das Automobil mit seinen fatale Folgen auch für die großen Städte, wieder zum Heilsbringer zu erklären. Oder einfach den Autobauern in Bayern weitere Geschäfte zu sichern – so kann man das Agieren des CSU-geführten Innenministeriums auch interpretieren.

Der Fahrgastverband PRO BAHN warnt davor, den umweltfreundlicheren Öffentlichen Personenverkehr aufgrund fiktiver Befürchtungen schlechtzureden und ihn mit ungeeigneten Maßnahmen zu verkomplizieren.

Nach allen vorliegenden Daten ist der Öffentliche Personenverkehr kein Hotspot für Corona-Ansteckungen. Der in Corona-Zeiten notwendige Abstand kann in der Regel eingehalten werden, vor allem im Eisenbahnverkehr. Untersuchungen am Zugbegleitpersonal, das länger in den Zügen ist als die Fahrgäste, stellten keine erhöhten Infektionsraten fest.

„Gerade im Fernverkehr zeigt der DB Navigator an, wenn in einzelnen Zügen mit einer Besetzung vom mehr 50 % zu rechnen ist“, erläutert PRO BAHN Vorstand Detlef Neuß. „Dann kann der Reisende auf andere Züge ausweichen. Zudem bietet die Einrichtung in der 1. Klasse größere Abstände.“

Bei einer durchschnittlichen Besetzung von rund einem Viertel der Sitzplätze kann jeder zweite Sitz meistens frei bleiben. So haben Reisende in der Bahn mehr Abstand zu ihren Nachbarn als Mitfahrer aus verschiedenen Haushalten im PKW. Die Reisenden merken das und nur noch jeder Vierte reserviert Sitzplätze (entsprechend etwa 6 % der Sitzplätze). Die Idee, Bundesbedienstete mit zwei Reservierungen und zwei Fahrkarten reisen zu lassen, sei allein schon aus diesem Grund unnötig, kritisiert PRO BAHN, ebenso die immer wieder ins Spiel gebrachte Reservierungspflicht in ICE und IC.

Der Fahrgastverband hat schon im Mai erklärt: Eine grundsätzliche Reservierungspflicht schränkt die Flexibilität von vielen Fahrgästen ein und macht das System Bahn gerade im Hinblick auf den Klimaschutz weniger attraktiv.

„Wenn, wie von unserer Umweltministerin gefordert, der Klimaschutz beim Hochfahren nach der Pandemie eine zwingende Rolle spielen soll, muss die Bahn ein attraktives und offenes Verkehrsmittel bleiben“, stellt der Ehrenvorsitzende des Fahrgastverbands PRO BAHN, Karl-Peter Naumann, fest.

„Der Fahrgastverband PRO BAHN hat schon in der Vergangenheit immer gefordert, dass es für eine zukunftsfähige Bahn zwingend erforderlich ist, dass Reisende den Zug auch flexibel nutzen können.“

Das Fazit von PRO BAHN: „Da wir den Öffentlichen Personenverkehr in der Zukunft und gegen den Klimawandel dringend brauchen, dürfen wir ihn jetzt weder schlechtreden noch unnötig durch Reservierungspflichten verkomplizieren. Wir brauchen für unsere Zukunft einen unkompliziert benutzbaren Öffentlichen Personenverkehr.“

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ÖPNVFahrgastverband Pro Bahn
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