Mit Gottvertrauen und Sherlock-Holmes-Verstand: Drei neue Fälle für Pater Thomas

Mit Pater Thomas scheint Steffen Mohr seinen Helden gefunden zu haben. Krimis schreibt der Leipziger Autor zwar schon länger. Aber zu einer richtigen Serie werden Geschichten nur, wenn der Held ein Stück weit zum alter ego des Autors wird. Kein Duplikat. Das hielte auch der härteste Krimi-Schreiber nicht aus. Aber so eine Art Double, das sich all das trauen darf, was man sich in der Realität außerhalb der Bücher eher verkneift.
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Manchmal, weil einem dann doch die Muskeln und die sportliche Figur dazu fehlen, manchmal aber auch, weil man sich in einer Geschichte auch mal leisten kann, „in die Vollen zu gehen“. Was in unserem großstädtischen Alltag meist sehr gefährlich ist. Man darf auch etwas mutiger sein. So wie Pater Thomas eben, der eigentlich in friedlicher Bescheidenheit die Seelsorge im städtischen Krankenhaus übernommen hat, aber seine kriminalistische Ader doch nicht verbergen kann. Das hat Kommissar Merks von der Polizei längst gemerkt und betrachtet den pfiffigen Pater seit dem Band „Himmlische Kriminalfälle“ durchaus als Partner. Auch wenn sich beide dann doch ganz gern wieder raufen und ihre jeweiligen Kompetenzen verteidigen.

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Denn ein Pater muss Rücksicht nehmen. Nicht alles, was ihm erzählt wird, darf er weitersagen. Was ihn gleich in der ersten der drei Geschichten in diesem Band in Nöte bringt, denn der Bauunternehmer Jonk ist ein ganz Ausgebuffter und beichtet dem Pater, dessen Spürnase er kennt, seine Untaten, wissend, dass der Pater davon niemandem erzählen darf. Außer einem. Aber der greift eher selten ein in die Geschicke der Menschen hienieden. Da hilft alles nichts. Thomas muss auf andere Weise versuchen, den Täter zu schnappen, oder schnappen zu lassen. Was so einfach nicht ist und ihn in einen durchaus abenteuerlichen Urlaub an der Algarve führt.In der zweiten Geschichte geht es ein wenig zu wie in der legendären Mordgeschichte im geschlossenen Zimmer. Nur dass der Tote hier tatsächlich mit blutiger Brust im Glockenstuhl liegt, die Dorfschöne mit Hörschaden und Pistole daneben sitzt und irgendetwas fehlt. Was der Dorfpfarrer schon ahnt – nur die Polizei mag er nicht rufen. Deshalb bittet er den cleveren Krankenhauspater an den Tatort, der mit Sherlock Holmesscher Schlussfolgerung sehr schnell merkt, was fehlt, was da ist und wer das fehlende Puzzlestück hat. Wer die Krimis von Steffen Mohr liest, darf sich durchaus in klassischen Krimiwelten zu Hause fühlen – er will niemanden mit Schreckensszenarien verängstigen oder die Schrecknisse der Gegenwart mit seelisch völlig zerrissenen Kommissaren erkunden. Er nimmt die Welt von ihrer etwas leichteren Seite – und mit Humor sowieso. Und ein bisschen Rätselspaß darf sein. Es gibt ja auch noch die Krimileser, die gern selbst herausknobeln wollen, wer’s denn nun war und warum.

In der dritten Geschichte soll man herausbekommen, wer von vier möglichen Spitzbuben den Sohn des Stiftungsvorstands entführt haben könnte. Ein bisschen dilettantisch ist der Bursche dabei ja vorgegangen, aber er ist auch ein bisschen auf Dramatik versessen. Manche Ganoven brauchen immer großes Theater, weil sie es im normalen Leben scheinbar nicht finden. Schnell muss es gehen, so dass man Pater Thomas diesmal mit wehendem Mönchsgewand auf einem roten Motorrad durch die Stadt jagen sieht. Am Ende freundet er sich mit einem Hund an, teilt mit ihm sein Leberwurstbrötchen und zeigt dem viel zu cleveren Übeltäter, dass er gegen einen Pater, der einfach gut zu kombinieren weiß, keine Chance hat. Nur die Frage bleibt offen, ob dieser Spitzbube, der die saftigen Geschichten mag, auch seine gerechte Strafe auf Erden erhält.

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Der Tote im Glockenstuhl
Steffen Mohr, St. Benno Verlag 2013, 9,95 Euro

Da macht Steffen Mohr meistens vorher schon einen Punkt. Der Fall ist ja gelöst. Und sein Pater Thomas ist kein Racheengel, sondern betrachtet auch die Gefallenen und Gestrauchelten als Schafe Gottes. Er versteht sie ja. Denn als echter Pater weiß er um die seelischen Abgründe, die in jedem Menschen schlummern. Auch das Gutsein und Bravbleiben erfordert Müh und Kraft. Und ein gewisses Gottvertrauen. Wer also von Hardcore-Krimis derzeit verwundet, verbrannt und gebeutelt ist, der kann sich mit Pater Thomas bestens erholen. Im Sessel im Garten zum Beispiel, zwischen Rosen und Sandkuchen.


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