Michael Hametners große Hommage an den Maler Gert Pötzschig: Valeurs

Für alle LeserWenn Michael Hametner so ein Buch über einen Leipziger Maler schreibt, dann geht er immer wieder um das Objekt seiner Neugier herum, grübelt, wägt ab, versucht zu verstehen. Man merkt die ganze Zeit, dass hier einer aus einem anderen journalistischen Metier (der Literatur) kommt und dass er auf Kunst mit den seltsamen Augen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks schaut. Die Schubladen sind allgegenwärtig.

Ohne scheint es nicht zu gehen. Ist Gert Pötzschig, der mittlerweile 85-jährige Meister der prächtigen Stadt, wie ich ihn mal gar nicht vorsichtig nenne, nun ein Traditionalist? Einer, der mit der Moderne hadert? Ist er Vertreter einer Generation, die von jüngeren Generationen nicht mehr wahrgenommen wird? Reden die Generationen wirklich nicht miteinander? Und wie ist es mit der Kunstwahrnehmung in Leipzig, wo augenscheinlich nur noch wahrgenommen wird, was international für Sensation sorgt?

Es sind nicht die einzigen Fragen, die sich Hametner stellt. Aber sie lassen ahnen, wie man auch im Öffentlich-Rechtlichen die ganze Zeit tickt. Da erlangt nur Aufmerksamkeit, was (scheinbar) Erfolg hat. Da muss man nicht mit „der Zeitung in dieser Stadt“ anfangen. Wenn die nicht berichtet, bleibt die Kunstausstellung leer. Und wenn der Sender nicht berichtet …

Berichtet der Sender überhaupt? Wäre mir neu, dass der MDR wirklich eine kluge, umfassende Berichterstattung über das Kunstgeschehen und die Künstler im Dreiland hätte. Derlei entsorgt man gern in Spartenkanäle. Im Hauptprogramm findet man es nicht. Was mit der redaktionellen Sicht solcher Sender auf Kunst und Kultur zu tun hat: Man nimmt einfach an, das interessiere das breite Publikum nicht.

Obwohl das Problem nur ist: Man interessiert das Publikum nicht dafür. Man tut gern so, als sei das schwere Kost, hochgeistig, nur einem elitären Mitternachtspublikum zuzumuten. Da sendet man lieber Fußball aus der Kreisliga … weil man das nicht erklären muss. Keine neuen erzählerischen Formen finden muss. Man bleibt im Trott.

Und so müht sich Michael Hametner auch in diesem Buch ab an den schweren Brocken, an der Einordnung eines Malers, der eigentlich so unverstellt vor uns steht wie kaum ein anderer Leipziger Maler. Der 1955 beschlossen hat, dass er sich in keinen Funktionärsbetrieb einpassen will, dass er frei sein will und unabhängig. Freier auch als die großen Berühmten von Heisig bis Mattheuer.

Kein Unterordnen im Hochschulbetrieb – lieber das Risiko, sich mit Auftragsarbeiten und am Rand des staatlich reglementierten Kunstbetriebes durchschlagen zu müssen. Ein Risiko, auch gerade in der DDR. Ein Balanceakt, den viele talentierte Künstlerinnen und Künstler, die in Leipzig studiert und gearbeitet haben, unterschiedlich bewältigt haben.

Gert Pötzschig hat sich für den eigenen Weg entschieden, abseits der Hierarchien und guten Verdienstmöglichkeiten im offiziellen Kunstbetrieb. Schnell hat sich für ihn herausgestellt, dass die Landschaftsmalerei seine Stärke ist. Und wer seine eindrucksvollen Ausstellungen sah – 2008 im Stadtgeschichtlichen Museum oder aktuell in der Galerie Koenitz – der weiß auch, wie irreführend das Wort Landschaftsmalerei mittlerweile ist. Und wie kontaminiert.

Und zwar weit über Michael Hametners Versuch, die Abwertungen innerhalb der malerischen Genres zu beschreiben. Das kennt man auch aus der Literatur: ganz oben der gedankenträchtige Professorenroman, darunter das klassische Drama und ganz unten irgendwo die „armen Schweine“, die Gedichte und Kurzgeschichten schreiben.

Gert Pötzschig 2008 in der Personalausstellung im Stadtgeschichtlichen Museum. Foto: Ralf Julke

Gert Pötzschig 2008 in der Personalausstellung im Stadtgeschichtlichen Museum. Foto: Ralf Julke

Eine Wertung, die nicht nur der deutsche Bildungskanon immer wieder vermittelt, sondern die auch das Feuilleton pflegt, einfach weiterführt aus Zeiten, als näselnde Professoren selbst in der Kunst unbedingt hierarchische Wertungen einführen mussten. Seitdem rangiert der theatralische Historienschinken ganz oben. Landschaften gelten eher als Wohnzimmerschmuck und verschwinden im Fundus des Museums.

Vielleicht ist das die wichtigste Erkenntnis aus diesem Buch, das eigentlich eine schöne Hommage ist: Es ist noch immer so. Und Museumsdirektoren ticken auch noch genauso. Große Ausstellungen macht man mit „anspruchsvoller Staatskunst“. Logisch, dass die Besucher auf diese Weise auch nicht wirklich sehen lernen.

Das, was Michael Hametner in seinem Buch mit einer sehr, sehr langen Erörterung um den Ausruf „Das ist einfach schön!“ versucht zu fassen.

Obwohl es gerade bei Pötzschig so offensichtlich ist – ohne dass man wieder die ganze Diskussion aufmachen muss um Farben und Gefühle oder die Wichtigkeit von Technik. Obwohl Pötzschig natürlich recht hat: Künstler sind gut beraten, technisch auf höchstem Niveau ausgebildet zu sein. Und diese Ausbildung war auch immer eines der Pfunde, mit denen die HGB wuchern konnte.

Wer die Technik aus dem Effeff beherrscht, ist frei. Der kann das tun, was dann erst zu Bildern wird, vor denen der Besucher steht, staunt und verblüfft ist. Oder zutiefst berührt. Weil gute Maler nämlich schaffen, dass die Betrachter ihrer Bilder tatsächlich mit ihren Augen sehen. Was vielen scheinbar nicht einmal bewusst ist, auch weil sie über das Sehen selbst nie nachdenken. Man guckt ja nur so in der Weltgeschichte herum.

Stimmt nicht, sagt jedes einzelne Bild von Pötzschig: Man schaut immer mit dem eigenen Sensorium für Raum, Stimmung, Farben und Dramatik. Und das tut man jeden Tag – aber augenscheinlich tun es die meisten nicht aufmerksam. Sie merken nicht auf, sondern sind nur im Strom. Und werden auch nicht munter, wenn Orte, Tageszeiten und Lichtverhältnisse sich zu etwas Besonderem verdichten.

So wie in Pötzschigs Leipzig-Bildern, die ja auch deshalb so beeindrucken, weil sie auf die üblichen Sehenswürdigkeiten verzichten und damit deutlich machen, dass anderes mindestens genauso des Sehens würdig ist. Und erkannt wird, wiedererkannt wird – egal, ob eine abgelegene S-Bahn-Station, eine verfallende Fabrik, ein Hinterhof, eine Straße im Randgebiet. Die Bilder entfalten ihre Wucht auch deshalb, weil die Orte gerade durch ihre scheinbare Abgelegenheit erstaunlich vertraut wirken.

Als wäre man schon öfter dagewesen – und manchmal war man es auch. Aber man erkennt den Ort nicht am Straßenschild oder einem der üblichen „markanten“ Gebäude, sondern am Licht, an Raumeindruck der Straße, an dieser Art Trost-Losigkeit, die auch keinen Trost braucht, weil das Leben hier nicht spektakulär sein muss. Dafür sichtbar.

Pötzschig liebt die „gebrauchten“ Orte, die ihr Alter und ihr Benutztwerden nicht verbergen. Und so sieht er auch die ganze Stadt, wenn er auf den Scherbelberg steigt oder von der Dachterrasse herabschaut auf das Dächermeer. Sein Leipzig hat mit dem Vorzeige-Leipzig der Hochglanzbroschüren nichts zu tun. Die Stadt ist das Spiegelbild ihrer Bewohner, eine arbeitende Stadt. Eine Stadt in gedeckten Farben unter zuweilen sehr dichten Himmeln. Und Pötzschigs Himmel sind dicht und haben Substanz. Er malt nie ein Himmelblau, das immer wirkt wie inszeniert. Keine Postkarten-Bilder.

Was Hametner gern betont. Es passiert etwas anderes. Und das wirkt auch deshalb vertraut, weil es dem Betrachter sein eigenes Sehen greifbar macht. Diese Landschaften wirken deshalb so stark, weil sie mit den Bildern korrespondieren, die wir selbst wahrgenommen haben. Oft nur beiläufig, beeindruckt von Ort und Stimmung, aber nicht sonderlich euphorisiert. Momente, die besonders dicht sind, frappieren, würde wohl ein französischer Impressionist dazu sagen.

Und deshalb ist natürlich Pötzschigs Nähe zum Impressionismus unübersehbar, diesen Stil zu malen, der eben keine Mode war, sondern eine Entdeckung. Die Entdeckung, dass mit Pinsel und Farbe etwas zu schaffen ist, was selbst Hightech-Kameras nicht hinbekommen: Uns die Welt bildhaft zu machen, wie wir sie tatsächlich – oft nur beiläufig und im Augenwinkel – erleben. Das, was man oberflächlich eben Eindruck nennen könnte. Sofern wir uns überhaupt noch von irgendetwas beeindrucken lassen. Wozu man sich Zeit nehmen muss und die Bereitschaft, nicht immer nur nach Sensationen zu jagen. Sondern stehen zu bleiben und die Welt auf uns wirken zu lassen.

Und das geht selbst in Leipzigs ramponiertesten Seitenstraßen. Das geht auch im sonnigeren Süden mit seinen beeindruckenden Stadt- und Landschaftsräumen, die Pötzschig ebenso emsig skizziert und gemalt hat. Mit dem unübersehbaren Talent des Malers, der spürt, wann ein Ort, eine Situation sehenswert sind. So dicht, dass man das im Bild festhalten muss. Und die Botschaft lautet eigentlich – auch das nicht zu übersehen: So dicht und greifbar ist unsere Welt. Und alles ist Farbe, unser Leben ist ein einziges Dasein in fetten, irdischen Farben. Man möchte zugreifen oder einfach hineingehen.

Selbst am Ende des Buches hadert Michael Hametner noch mit dem von ihm mitgebrachten Problem von Tradition und Moderne und der Kunst-Konsum-Mentalität von „Museumsdirektoren, Kuratoren, Galeristen, Kritikern und Käufern“, womit er in gewisser Weise recht hat. Aber gerade die Käufer von Pötzschigs Bildern kümmern sich sichtlich seit Jahren nicht um die Albernheiten des Kunstmarkts.

Sie wissen das dicht gemalte Dasein in Pötzschigs Bildern zu schätzen. Und wahrscheinlich haben sie auch nicht mal Probleme, ihr eigenes Weltanschauen darin wiederzufinden. Was wirklich fehlt, ist tatsächlich die mediale Wahrnehmung all dessen, was in Leipzig an Kunst geschaffen wird. Was nicht zur Sensation wird, findet kaum Widerhall.

Aber das ist ein eigenes Thema und geht weit über das nun deutlich auch als Lebenswerk wahrnehmbare Schaffen Gert Pötzschigs hinaus.

Valeurs: Valeur ist in der Malerei der Tonwert, die Abstufung von Licht und Schatten.

Michael Hametner Gert Pötzschig. Valeurs, Sax Verlag, Beucha und Markkleeberg 2018, 29,80 Euro.

RezensionenMalerei
Print Friendly, PDF & Email
 


Schneller informiert mit dem L-IZ-Melder
Weitere Nachrichten:Bewegungsmelder | Wortmelder | Rückmelder | Sport | Polizei | Verkehr


Weitere aktuelle Nachrichten auf L-IZ.de

Wie Leipzigs Verwaltung Anfang März in den Corona-Krisen-Modus überging
Leipzig im Standby-Modus. Foto: Michael Freitag

Foto: Michael Freitag

Für alle LeserVor wenigen Tagen war die Welt in Leipzig scheinbar noch in Ordnung. Bekanntlich entschied sich ja die Leipziger Messe erst auf den allerletzten Drücker, die Buchmesse abzusagen. Dass in den nächsten Tagen noch ganz andere Dinge abgesagt und geschlossen werden würden, war noch nicht in diesem Ausmaß abzusehen, als sich die Linksfraktion im Leipziger Stadtrat mit einen Fragenpaket an die Rathausspitze wandte. Die Antworten wollte man gern am 25. März hören zur Ratsversammlung. Aber auch die wurde abgesagt.
Die Umweltbibliothek des Ökolöwen steht vor den gleichen Finanzproblemen wie schon 2014
VorLeseLust in der Umweltbibliothek. Foto: Ökolöwe -Umweltbund Leipzig e.V.

Foto: Ökolöwe - Umweltbund Leipzig e.V.

Für alle LeserMan fühlt sich an die Jahre 2014 und 2015 erinnert, als die Umweltbibliothek des Ökolöwen schon einmal um eine bessere Förderung durch die Stadt kämpfte. Seit Jahren war die Fördersumme für die Bibliothek im Haus der Demokratie konstant geblieben, obwohl die ganz normalen Fixkosten gestiegen waren. Die 35.000 Euro Förderung reichte nicht mehr zur Aufrechterhaltung des Betriebs. Und jetzt meldet der Ökolöwe mitten in der Corona-Krise: Die Bibliothek steht vor dem Aus.
Münchhausen: Der echte Lügenbaron und die Männer, die seine Geschichten berühmt gemacht haben
Erik Gloßmann: Münchhausen. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserNach Sachsen hat es ihn wohl nie verschlagen, dafür nach Russland, Lettland und Finnland, diesen Hieronymus Carl Friedrich von Münchhausen, den berühmtesten aller Münchhausen, auch wenn er für seinen Nachruhm eigentlich nichts kann. Für den haben andere gesorgt. Aber am 11. Mai wäre der erzählfreudige Baron aus Bodenwerder 300 Jahre alt geworden. Wer hat seine Geschichten nicht im Bücherschrank stehen?
Gastkommentar von Christian Wolff: Der Exit aus dem Shutdown – nicht das „Wann“, das „Wie“ ist entscheidend
Shutdown. Foto: Marko Hofmann

Shutdown. Foto: Marko Hofmann

Für alle LeserMenschen im Ausnahmezustand werden schnell ungeduldig. Kaum sinkt das Fieber, möchte der Kranke wieder aufstehen. Kinder wollen nach einer Grippe so schnell wie möglich wieder zum Spielen nach draußen. Die Arbeit ruft, auch wenn das Herz noch schmerzt. So werden auch noch in der Krankheit die STOP-Signale überfahren. Genau dieses jedem Menschen sehr vertraute Verhalten spiegelt sich in der seit Tagen entbrannten Diskussion darüber wieder, wann der sogenannte „Shutdown“, also das systematische Herunterfahren des öffentlichen, gesellschaftlichen, wirtschaftlichen Lebens, beendet werden kann.
Samstag, 28. März 2020: Der Tag in Bildern
Alle wollen raus bei dem Wetter. Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Für alle LeserDer Samstag, 28. März 2020, war wohl nur deshalb an sich interessant, weil er der erste nach den sächsischen „Ausgangsbeschränkungen“ war. Diese hatten zu vielzähligen Debatten geführt, das Sitzen auf Parkbänken wurde infrage gestellt, eine Definition von „Wohnumgebung“ zu „bitte nicht allzu weit aus der Stadt hinaus“ und als letzte Maßnahme schloss die Stadt Leipzig diverse Parkplätze an Ausflugsorten. Das Ergebnis heute: Radler/-innen, Sonne, leere Fernverkehrsstraßen und volle Parks und Seeufer.
Ein Spiel auf Zeit: Die neue Leipziger Zeitung zwischen Ausgangsbeschränkung, E-Learning und dem richtigen Umgang mit der auferlegten Stille
Leipziger Zeitung Nr. 77: Spiel auf Zeit. Foto: L-IZ

Foto: L-IZ

Für alle LeserDa haben wir schon heftig hin und her überlegt: Bringen wir die neue Ausgabe der „Leipzige Zeitung“ jetzt raus oder unterlassen wir das lieber aufgrund der Covid-19-Pandemie? Immerhin muss sie ja gedruckt werden, ausgefahren, in Haushalte und noch offene Verkaufsstellen verteilt werden? Aber was wäre die Alternative? Brauchen die Leipziger/-innen, die wegen der Corona-Epidemie zu Hause bleiben müssen, nicht gerade jetzt eine Zeitung, die sie auch ernst nimmt, aber keine Panik verbreitet?
Gesundheitsamt sieht Gabenzäune skeptisch: „Im Sinne der Hygienevorgaben problematisch“
Am 22. März erstmals am Connewitzer Kreuz entdeckt: Ein Gabenzaun am Streetball-Platz. Foto: Birthe Kleemann, L-IZ.de

Foto: Birthe Kleemann, L-IZ.de

Für alle LeserZur Debatte um die Aufstellung von „Gabenzäunen“, also Orte, an denen zum Zwecke der scheinbaren Versorgung Obdachloser und Bedürftiger mildtätige „Gaben“ aufgehängt werden, gibt es nun ein Statement der Stadt Leipzig. Auf Anfrage von L-IZ.de haben sich Gesundheits- und Sozialamt zur Einrichtung der Gabenzäune eher negativ geäußert, mit der Kontrolle der wild entstehenden Stellen in der Stadt kommt man offenbar nicht hinterher. Die sprunghafte Verbreitung der Idee der Gabenzäune hatte vor wenigen Tagen vor allem in Großstädten wie Dresden, Leipzig und Berlin begonnen.
Ökolöwe schreibt an Baubürgermeisterin: Schaffen Sie Platz für Radfahrer/-innen!
Radfahrer-/Fußgängerampel am Martin-Luther-Ring. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserNicht nur der Allgemeine Deutsche Fahrrad Club (ADFC) sieht die Folgen der Ausgangsbeschränkungen in der Covid-19-Pandemie als Chance, im Leipziger Straßenverkehr endlich ein paar Verbesserungen durchzuführen, die im vorherigen Gedränge einfach nicht durchzusetzen waren. Der ADFC bekommt jetzt Schützenhilfe vom Leipziger Ökolöwen: Schaffen Sie mehr Platz zur Kontaktvermeidung auf Rad- und Fußwegen, Frau Bürgermeisterin!
Wie kam es überhaupt zu den verschärften Ausgangsbeschränkungen in Sachsen?
Verlassene Innenstadt. Foto: Michael Freitag

Foto: Michael Freitag

Für alle LeserSeit dem 23. März gelten in Sachsen verschärfte Ausgangsbeschränkungen, teilweise schärfere als in anderen Bundesländern. Manchmal so unscharf formuliert, dass selbst die Polizei nicht weiß, wo sie nun eine vernünftige Grenze ziehen soll. Die Allgemeinverfügung liest sich für die linke Landtagsabgeordnete Juliane Nagel wie mit heißer Nadel gestrickt. Und so richtig rechtskonform scheint ihr die Sache auch nicht zu sein.
Leipziger Resolution zur Aufnahme von Kindern und Jugendlichen aus griechischen Flüchtlingslagern und linke Unterstützung für Mission Lifeline
Neues Rathaus in Leipzig. Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Für alle LeserSeit 2015 hat es die EU nicht hinbekommen, eine gemeinsame Flüchtlingspolitik auf die Beine zu stellen. Immer „kam irgendwas dazwischen“ – der Brexit z. B., dessen Zirkuspirouetten noch immer nicht zu Ende sind, nun die Corona-Epidemie. Da ging auch völlig unter, dass in Leipzigs Stadtrat seit Dezember darüber debattiert wurde, Minderjährige aus griechischen Flüchtlingslagern aufzunehmen. Fünf Stadtratsfraktionen haben jetzt die Nase voll und veröffentlichen eine Resolution.
„Ich bin irgendwie so unruhig, Mama“: Gedanken einer Leipziger Mutter
Die geschlossene „Märchenwiese“ im Lene-Voigt-Park im Corona-März 2020 - Zeit für Alpträume? Foto: Luise Schöpflin

Foto: Luise Schöpflin

Für alle Leser„Ich bin so unruhig, Mama...“, sagte mein Sohn beim Zubettgehen, etwas, was er noch nie sagte. Es ist der Freitag der ersten Woche der Corona-Ausgangsbeschränkung. Wir durchleben die „virologische Bedrohung“ meistens im Garten im engsten Kreis der Familie. Was sage ich meinem Sohn, meinen Kindern, zur Beruhigung?
Wagners Werk und Wirkung im Deutschen Kaiserreich: Was zu Wagner damals in Leipziger Zeitungen stand
Peter Uhrbach: Wagners Werk und Wirkung im Deutschen Kaiserreich. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle Leser1883 starb Richard Wagner in Venedig. Mit dem Jahr 1883 endete auch die 2018 erschienene Dokumentation von Peter Uhrbach „Richard Wagners Werk in Leipzig“, in der es natürlich nicht um Wagners Werk ging, sondern um dessen Rezeption in Leipziger Zeitungen und Zeitschriften. Denn wie ein Komponist mit seinen Werken bei den Leuten ankommt, das beeinflussen bis heute die Medien. Auch wenn sich die Redakteure oft uneins sind, ob sie nun Hosianna oder „Alles ganz schrecklich“ schreiben sollen.
Freitag, der 27. März 2020: Polizei wegen angeblicher Corona-Verstöße im Dauereinsatz und Wochenendvorbereitungen
„Coronatime“ - Die Zeit spiegelt sich längst auch in den Graffitis in Leipzig. Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Für alle LeserIn Deutschland wird gerade ganz genau beobachtet, wie sich der Nachbar verhält. Galt die Aufmerksamkeit früher dem neuen Auto oder der schicken Frisur, ruhen die Blicke nun auf großen Gruppen und anderen „verdächtigen“ Aktivitäten. Die Polizei hatte 58 Einsätze innerhalb von 24 Stunden – nicht immer lagen tatsächlich Verstöße gegen die Allgemeinverfügung vor. Die L-IZ fasst zusammen, was am Freitag, den 27. März 2020, in Leipzig und Sachsen wichtig war.
In der (Corona-)Krise: Toilettenpapier für mehr persönliche Kontrolle
Prof. Dr. Immo Fritsche, Professor für Sozialpsychologie an der Universität Leipzig. Foto: Universität Leipzig, SUK

Foto: Universität Leipzig, SUK

Für alle LeserWarum bunkern Menschen in der Corona-Krise Toilettenpapier und Nudeln? Wie kann es gelingen, die sozialen Herausforderungen durch die Ausgangsbeschränkungen zu meistern? Und wie lange kann das alles noch gutgehen? Die L-IZ befragte dazu Prof. Dr. Immo Fritsche. Er ist Professor für Sozialpsychologie an der Universität Leipzig.
In der (Corona-)Krise: Kultusminister meldet sich mit Brief: Sächsisches Abitur soll durchgezogen werden
Kultusminister Christian Piwarz (CDU). Foto: Pawel Sosnowski

Foto: Pawel Sosnowski

Für alle LeserDer sächsische Kultusminister Christian Piwarz will das Abitur 2020 mit allen Mitteln durchziehen. Das teilte er den Abiturienten am Freitag per Brief mit. So sei ein Notabitur eine Lösung, die man den Schülern ersparen will. Stattdessen werden verschiedene Szenarien diskutiert: Auch ein Abitur zum Nachtermin ist möglich.