David gegen Goliath: Bernd-Lutz und Sascha Lange erzählen den 9. Oktober 1989 in völlig neuer Detailschärfe

Für alle LeserDa wundert sich nicht nur Sascha Lange, Historiker von Beruf und Sohn von Kabarettist Bernd-Lutz Lange: Bis heute fehlt eine wissenschaftliche Aufarbeitung dessen, was am 9. Oktober 1989 tatsächlich geschah. Das könne dieses Buch auch nicht ersetzen, schreibt Sascha Lange. Aber es kommt dem, was an diesem Tag in Leipzig geschah, so nah wie bisher noch kein Buch.

Natürlich liegt das auch daran, dass Bernd-Lutz Lange bei einem der zentralen Vorgänge an diesem Tag direkt beteiligt war: jenem legendären „Aufruf der Sechs“, der am Abend des 9. Oktober in den Kirchen verlesen und über den Stadtfunk zu hören war, eingesprochen von Gewandhauskapellmeister Kurt Masur.

Dass sich Bernd Lutz Lange jetzt – kurz vor dem 30. Jahrestag dieses markanten Oktobertages – noch einmal hingesetzt hat, um seine Erinnerungen an den 9. Oktober und die Tage davor und danach aufzuschreiben, hat auch mit einer gewaltigen Schieflage zu tun. In der bundesweiten Wahrnehmung spielt der 9. Oktober kaum eine Rolle, da ist eher der 9. November präsent, der Tag, an dem sich Günter Schabowski auf einer Pressekonferenz zum neuen Reisegesetz in Berlin verhaspelte und damit ungewollt die Öffnung der Mauer einleitete.

Auch das bis heute so ein Orakeltag fürs große Feuilleton, der nur deshalb rätselhaft wirkt, weil die komplette DDR-Geschichte bei westdeutschen Kommentatoren praktisch nicht existent ist. Sie kennen sie nicht. Sie sind all die Jahre nie von ihrer westdeutschen Sicht auf das, was im Osten geschah, abgerückt. Das kann man ruhig Lernverweigerung nennen. Oder Ignoranz.

Der bekannte Spruch kommt zu Recht im Buch vor: Die „Sieger“ schreiben die Geschichte. Obwohl er in diesem Fall falsch ist, auch wenn reihenweise westdeutsche Interpretatoren der Geschichte den Anschein erwecken, der Westen habe die Deutsche Einheit zustande gebracht.

Da können auch Vater und Sohn Lange nur feststellen: Da ist es kein Wunder, dass die Ostdeutschen bis heute das Gefühl haben, ignoriert und abgewertet zu werden. Genau dafür stehen die beiden Daten – obwohl sie beide für den Mut und die Aktivitäten der Ostdeutschen stehen. Kohls 10-Punkte-Plan, mit dem er quasi das Steuer übernahm hin zur Deutschen Einheit, kam erst danach. Die Revolution haben die DDR-Bürger ganz allein gemacht. Und sie haben dafür Blut und Wasser geschwitzt, gerade jene 100.000 Menschen, die am 9. Oktober 1989 trotz aller Drohungen in die Leipziger Innenstadt strömten.

Bernd-Lutz Lange kann aus eigenem Erleben und vielen Gesprächen mit Freunden und Bekannten, die dabei waren, sehr genau schildern, was an diesem Tag geschah. Und er blendet die Tage davor nicht aus, weil sie dazu gehören. Weil sie zeigen, wie ernst die Drohungen waren, die über (vermeintliche) Leserzuschriften im SED-Bezirksorgan LVZ veröffentlicht wurden, bis hin zur Androhung von Waffengewalt durch den Kampfgruppenkommandeur Günther Lutz, den es zwar wirklich gab, der aber von der Entstehung seines Leserbriefs nichts wusste.

Sascha Lange, der versucht hat, die schriftlichen Akten zum 9. Oktober aufzutreiben, konnte zumindest einige Tagesbefehle auftreiben, die belegen, dass in der Kaserne der Bereitschaftspolizei aufmunitionierte Schützenpanzerwagen (SPW) bereitstanden, dass auf jeden Fall auch Dutzende Lkw mit Schiebeschilden bereitstanden, um den Demonstrationszug am Hauptbahnhof zu stoppen und – nach Honeckers Befehl – die Demonstration mit allen Mitteln zu beenden.

Nur wusste selbst Helmut Hackenberg, der als amtierender 1. Sekretär der SED-Bezirksleitung die Befehlsgewalt über alle eingesetzten Verbände von Polizei, Kampfgruppen, Feuerwehr und Armee hatte, dass der Einsatz all dieser Mittel zwar ein entsetzliches Blutvergießen erzeugt hätte, die seit September immer mehr anschwellenden Montagsdemonstrationen in Leipzig aber nicht beendet hätte. Eher hätte es ein schnelles blutiges Ende der SED-Herrschaft bedeutet.

Beide Seiten wussten, dass dieser 9. Oktober der Tag war, der über die Macht der SED entschied. Und schon die – vonseiten der Polizei gewaltsamen – Ereignisse vom 2. und 7. Oktober hatten gezeigt, dass sich diese Leipziger nicht mehr würden einschüchtern lassen. Sie hatten es gründlich satt – den wirtschaftlichen Stillstand, den Verfall ihrer Stadt, die Unfähigkeit der SED zum Dialog und zuletzt auch die zunehmende Brutalität der Polizei.

Und so kann Bernd-Lutz Lange sehr anschaulich schildern, wie die drohenden Leserbriefe in der LVZ geradezu das Gegenteil dessen erzeugten, was deren unbekannte Schreiber wohl beabsichtigt hatten: Tausende Leipziger gingen gerade wegen dieser Drohungen am 9. Oktober in die Innenstadt.

Auch wenn sie wussten, wie verängstigt die Machthaber inzwischen waren. Die Gefahr, dass an diesem Tag mit Waffengewalt gegen die Demonstranten vorgegangen würde, war real. Und Leipzig hatte das Glück, dass es ein paar Leute gab, die alles taten, um an diesem Tag jede Konfrontation zu vermeiden. Dazu gehörten die Mitglieder der Basisgruppen aus der Nikolaikirche, die einen eigenen Aufruf zur Gewaltlosigkeit verfassten und 25.000 Mal vervielfältigten, dazu gehörten die Mitstreiter des Neuen Forums, die ähnlich aktiv wurden. Dazu gehörten auch die Pfarrer, die bewusst auf die Bergpredigt verwiesen und die Menschen in den Montagsgebeten aufforderten, die Gewaltlosigkeit mit auf die Straße hinauszunehmen.

Eine Gewaltlosigkeit, die selbst den Leipziger Stasi-Chef bis in den Dezember verblüffte: „Mit Kerzen haben wir nicht gerechnet.“

Aber da ist ja noch der „Aufruf der Sechs“, dessen Entstehung Bernd-Lutz Lange erstmals so detailreich erzählt wie nie zuvor. Auch weil ihn schon seit Jahren anpiept, dass vor allem westdeutsche Journalisten meist nur einen der Sechs immer wieder hervorheben und feiern, den bekanntesten: Kurt Masur.

Aber für Aufsehen sorgte der Aufruf vor allem deshalb, weil zum ersten Mal drei führende SED-Funktionäre aus der SED-Bezirksleitung Flagge zeigten und damit die Parteidisziplin der SED unterliefen – mit durchaus ernst zu nehmenden Konsequenzen. Deswegen ist auch die historische Analyse von Sascha Lange so wichtig, der sich auch intensiv mit der Frage beschäftigt, warum die SED so unfähig war zum Reagieren.

Aber gerade im Spätsommer 1989 wurde überdeutlich, dass diese Partei nicht wie eine Partei funktionierte, sondern eher wie ein militärischer Apparat mit straffen Weisungsstrukturen von oben nach unten. Bei Honecker lief alles zusammen. Alles war auf die Person des einen Parteichefs zugeschnitten, so sehr, dass selbst im Politbüro wochenlang eine regelrechte Lähmung herrschte.

Und das hat auch mit der völligen Weltfremdheit dieser Partei zu tun. Etwas, was Bernd-Lutz Lange in Gesprächen mit Roland Wötzel erfuhr. Wötzel gehörte zu den SED-Funktionären, die durchaus bereit waren, Leuten wie Lange zuzuhören. Die beiden trafen sich immer wieder zum Wein. Und während Wötzel von Lange erfuhr, was die Stadtbevölkerung über das sichtbare Versagen der SED-Führung sagte, erfuhr Lange so, wie panisch und ratlos die Leipziger SED-Führung auf die Vorgänge in den Kirchen und auf der Straße reagierte. So panisch, dass tatsächlich alles auf ein großes Blutvergießen am 9. Oktober zudriftete.

Doch das war auch der Moment, in dem zuerst die beiden SED-Funktionäre Wötzel und Meyer ausscherten und sich mit Lange und Masur verabredeten zu besprechen, was man tun könnte, die Eskalation zu verhindern. Der Agitations-Chef Jochen Pommert schloss sich kurzerhand an. Und weil der Theologe Peter Zimmermann gerade erst einen geharnischten Brief an die SED-Bezirksleitung geschrieben und seine Auszeichnungen zum Republikgeburtstag zurückgegeben hatte, luden sie ihn kurzerhand dazu.

So waren es eben die Sechs, die sich dann im Haus Kurt Masurs trafen, berieten, was sie tun könnten und am Ende den Aufruf zu Dialog und Friedfertigkeit verfassten, den Masur dann einlas und der über die Lautsprecher am Ring dann ausgestrahlt wurde. Übrigens auch das nur möglich, weil die SED-Funktionäre den Zugriff auf diesen Stadtfunk und parallel auch aufs Radio hatten.

All das taten sie am amtierenden SED-Chef Hackenberg vorbei, der die drei Funktionäre hinterher zum Rapport zitierte. Dabei erlebte Hackenberg am Abend des 9. Oktober selbst, dass niemand in Berlin bereit war, die Verantwortung für einen gewalttätigen Einsatz in Leipzig zu übernehmen. Krenz vertröstete ihn auf einen späteren Anruf. Aber als sich die Demonstranten am Karl-Marx-Platz in Bewegung setzten, war Hackenberg allein in der Verantwortung.

Er hätte den Einsatzbefehl geben müssen, aber er wusste auch, dass seine Polizeikräfte nicht reichten, um 100.000 Menschen aufzuhalten. Das war der Moment, in dem er die Einsatzkräfte anwies, sich zurückzuziehen. Das Blutvergießen fand nicht statt. Die SED-Macht hatte ihre Schwäche gezeigt. Und alle wussten es.

Deswegen sprechen die beiden Langes natürlich bewusst von einem ganz konkreten Abschnitt, der als Friedliche Revolution Gültigkeit hat – das sind die Tage vom 9. Oktober bis zum 9. November, in denen die Demonstranten auf der Straße das Tempo vorgaben und die kopflose Staatsmacht zum Reagieren zwangen und sie letztlich den Sturz der SED-Funktionäre bewirkten.

Aber schon kurz nach dem 9. November änderte sich auch das Bild bei den Montagsdemonstrationen, so sehr, dass auch Bernd-Lutz Lange nicht mehr hinging. Denn auf einmal tauchten auch die rechtsradikalen Parteien aus dem Westen auf und nutzten die zunehmend von der deutschen Wiedervereinigung bestimmte Atmosphäre, um ihre Ansichten, Fahnen und Schriften unters Volk zu bringen.

Während Bernd-Lutz Lange aus eigenen Erinnerungen und vielen Gesprächen mit Freunden und Bekannten schöpfen kann und damit erstmals auch ein sehr detailreiches Bild von dem malen kann, was damals hinter den Kulissen geschah, versucht sein Sohn Sascha, der 1989 erst 17 Jahre alt war, die historischen Entwicklungen auf Grundlage der vorhandenen Akten zu rekonstruieren. Dabei stolperte er auch über das Phänomen, dass ausgerechnet die Besprechungsprotokolle rund um den 9. Oktober fehlen, geradeso, als hätte sie jemand im Nachhinein systematisch entsorgt.

Was wohl auch mit dem Schießbefehl am 9. Oktober zu tun hat. Denn Protokolle für den 16. und den 23. Oktober belegen, dass auch da wieder aufmunitionierte SPW in Bereitschaft standen, dass die Einsatzhierarchie also auch da noch einen Schusswaffengebrauch gegen die Demonstranten in Erwägung zog. Und das, obwohl nicht nur hunderte Mitglieder der Kampfgruppen ihren Einsatz längst verweigerten, sodass die Kampfgruppen gar nicht mehr zusammengetrommelt wurden. Auch bei den Wehrpflichtigen der Bereitschaftspolizei wuchs der Unmut. Viele dieser jungen Männer hätten viel lieber auf der anderen Seite mitgemacht.

Es sind doch eine ganze Menge Puzzle-Steine, die die beiden Langes hier neu zusammengetragen haben, um den 9. Oktober in seiner ganzen Widersprüchlichkeit zu zeigen und vor allem auch den drei SED-Funktionären Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, die 2014 – als der 25. Jahrestag der Friedlichen Revolution gefeiert wurde – einfach nicht ins Gewandhaus eingeladen wurden, obwohl der Aufruf am 9. Oktober – wie Bernd-Lutz Lange ja akribisch schildert – durch sie erst angeregt wurde. Sie verweigerten an diesem Tag den Parteigehorsam. Was so einfach klingt im Nachhinein.

Sascha Lange schildert ja im historischen Teil noch einmal die ganze Irrationalität der Entscheidungen in Ostberlin – die seltsamen Reaktionen auf Gorbatschow, auf Ungarn, auf das Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens, auf die Botschaftsbesetzungen in Prag … Das Volk lief den Machthabern einfach davon. Oder fand – wie in Leipzig und Plauen – den Mut, sich diesem wortlosen Ausverkauf des Landes entgegenzustellen. Ein Mut, der durch die schäumenden Tiraden in der LVZ erst richtig aufgestachelt wurde. Auch wenn dann dieser 9. Oktober ein Tag voller Erwartungen, berechtigter Ängste und der wilden Hoffnung war, dass niemand den Kopf verlieren würde. Dass die Leipziger damit ein beeindruckendes Modell für eine wirklich friedliche Revolution geschaffen hatten, wurde erst später deutlich.

Die Bilder dieser ersten richtig großen Demonstration erschütterten das ganze Land – und wurden später leider fast völlig vom 9. November überblendet, an dem das Anliegen der Revolution völlig verändert wurde. Aus dem Wunsch, die DDR zu ändern und ein wirklich demokratisches Land daraus zu machen, wurde über Nacht die nicht mehr zu bremsende Entwicklung zur Deutschen Einheit. Der friedliche Aufstand Davids gegen den bis dahin übermächtig wirkenden Goliath SED-Staat wurde dabei völlig ins Abseits geschoben.

Und damit auch die Rolle der DDR-Bürger als zentrale Akteure einer Revolution, ohne die eine Deutsche Einheit nicht auf die Tagesordnung gekommen wäre. Und damit als historisches Subjekt der Geschichte: Die Ostdeutschen haben sich ihre Demokratie selbst erkämpft. Sie wurde ihnen von niemandem geschenkt..

Ein sehr lebendiges, auch emotionales Buch, das Vater und Sohn da gemeinsam geschrieben haben. Eines, das mit vielen Details zeigt, warum gerade Leipzig der Schauplatz der Friedlichen Revolution wurde.

***

Veranstaltungstipp: Buchpremiere mit Bernd-Lutz Lange und Sascha Lange ist am Dienstag, 24. September, um 19:30 Uhr im Großen Saal im Haus des Buches/Literaturhaus Leipzig.

Bernd-Lutz Lange; Sascha Lange David gegen Goliath, Aufbau Verlag, Berlin 2019, 18 Euro.

Hinweis der Redaktion in eigener Sache: Eine steigende Zahl von Artikeln auf unserer L-IZ.de ist leider nicht mehr für alle Leser frei verfügbar. Trotz der hohen Relevanz vieler unter dem Label „Freikäufer“ erscheinender Artikel, Interviews und Betrachtungen in unserem „Leserclub“ (also durch eine Paywall geschützt) können wir diese leider nicht allen online zugänglich machen.

Trotz aller Bemühungen seit nun 15 Jahren und seit 2015 verstärkt haben sich im Rahmen der „Freikäufer“-Kampagne der L-IZ.de nicht genügend Abonnenten gefunden, welche lokalen/regionalen Journalismus und somit auch diese aufwendig vor Ort und meist bei Privatpersonen, Angehörigen, Vereinen, Behörden und in Rechtstexten sowie Statistiken recherchierten Geschichten finanziell unterstützen.

Wir bitten demnach darum, uns weiterhin bei der Erreichung einer nicht-prekären Situation unserer Arbeit zu unterstützen. Und weitere Bekannte und Freunde anzusprechen, es ebenfalls zu tun. Denn eigentlich wollen wir keine „Paywall“, bemühen uns also im Interesse aller, diese zu vermeiden (wieder abzustellen). Auch für diejenigen, die sich einen Beitrag zu unserer Arbeit nicht leisten können und dennoch mehr als Fakenews und Nachrichten-Fastfood über Leipzig und Sachsen im Netz erhalten sollten.

Vielen Dank dafür und in der Hoffnung, dass unser Modell, bei Erreichen von 1.500 Abonnenten oder Abonnentenvereinigungen (ein Zugang/Login ist von mehreren Menschen nutzbar) zu 99 Euro jährlich (8,25 Euro im Monat) allen Lesern frei verfügbare Texte zu präsentieren, aufgehen wird. Von diesem Ziel trennen uns aktuell 500 Abonnenten.

Alle Artikel & Erklärungen zur Aktion Freikäufer“

RezensionenFriedliche RevolutionOstdeutsche Geschichte
Print Friendly, PDF & Email
 


Schneller informiert mit dem L-IZ-Melder
Weitere Nachrichten:Bewegungsmelder | Wortmelder | Rückmelder | Sport | Polizei | Verkehr


Weitere aktuelle Nachrichten auf L-IZ.de

Mitteldeutsches Bündnis entwickelt jetzt mit Bundesunterstützung ein Konzept für die Wasserstofftransferregion Leipzig
Teilnehmer zum Zukunftsworkshop H2-Chancendialog. Foto: Fraunhofer IAO

Foto: Fraunhofer IAO

Für alle LeserEs geht nicht nur um den „Wandel in strukturschwachen Regionen“, wenn das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Programm „WIR! – Wandel durch Innovation in der Region“ jetzt das HYPOS-Projekt in der Region Leipzig fördert. Denn mit HYPOS wird Wasserstoff zum künftigen Energieträger in der Braunkohleregion, deren Ende spätestens 2035 eingeläutet wird, wahrscheinlich aber noch viel früher.
Im März und April ging die Stimmung der Leipziger Wirtschaft durch die Corona-Krise erst einmal in den Keller
Wie bewerten die Leipziger Unternehmen die sächsische Exit-Strategie? Grafik: IHK zu Leipzig

Grafik: IHK zu Leipzig

Für alle LeserDas hat reingehauen. Das hat die Weltwirtschaft so noch nicht erlebt, dass praktisch alle wichtigen Industrienationen fast zwei Monate ihre Wirtschaft herunterfahren, um den Ausbruch einer Pandemie in den Griff zu bekommen. Mit durchaus unterschiedlichem Erfolg. Sachsen ist dabei noch relativ glimpflich davongekommen. Aber zumindest im März und April sorgt der Shutdown für eine massive Eintrübung der Stimmung in der Wirtschaft.
Ökolöwe zur Zukunft des Auenwaldes: Die Leipziger Aue braucht exklusiven Schutz
Bärlauchblüte im Auenwald. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserIn Deutschland sind 63 Prozent der zu schützenden Arten in einem ungünstigen Erhaltungszustand. 69 Prozent der geschützten Biotope sind in einem schlechten Zustand. Zu diesen ernüchternden Ergebnissen kommt der Bericht „Lage der Natur Deutschlands“, den das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) Mitte Mai veröffentlicht hat. Das betrifft auch den Leipziger Auenwald, zu dem der Stadtrat am 20. Mai endlich einen grundlegenden Beschluss gefasst hat.
Heute mal über Wissen und Bildung, Dunning und Kruger und die Gefühle von Wissenschaftler/-innen
Weil gerade kein tolles Nerd-Bild zur Hand war ... Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserEs gibt tatsächlich diese seltsamen Begegnungen, nicht nur bei diesen Hygiene-Demos, selbst in der Straßenbahn, wo eine doch schon etwas ältere, gartengebräunte und sehr von sich überzeugte Frau laut zu ihren beiden Schützlingen sagt: „Dass wir jetzt alle gechipt werden, ist jetzt offiziell. Das ist jetzt nämlich rausgekommen. Als Merkel kürzlich in China war ...“ Ja, was macht man da? Schreit man da vor Entsetzen? Oder guckt man lieber nach, ob man sein Handtuch dabei hat, um so schnell wie möglich wegzukommen, weil dieser Planet nicht mehr zu retten ist?
Donnerstag, der 28. Mai 2020: Stadtrat verurteilt, Untersuchung am Bahnhof, Demos zu Pfingsten
Rund um den Hauptbahnhof könnte es am Freitag eine Sperrzone geben. Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Für alle LeserLeipzig stehen aufregende Tage bevor. Am Freitag wollen Feuerwehr und Kampfmittelbeseitigungsdienst ein Objekt am Bahnhof untersuchen, das eine Fliegerbombe sein könnte, und über Pfingsten sind zahlreiche „Corona-Demos“ geplant. Bereits heute tagte der Stadtrat. Zudem kündigte Leipzigs Ex-OBM Tiefensee seinen Abschied an. Die L-IZ fasst zusammen, was am Donnerstag, den 28. Mai 2020, in Leipzig und darüber hinaus wichtig war.
Pfingsten ohne Gruftis? Das Darkstream Festival zeigt Düster-Pop aus Leipzig + Livestream
David Gray und "Kruppe" bei der gemeinsamen Moderation in der Moritzbastei. Screen Livestream

Screen Livestream

Für alle LeserPfingsten ohne ein schwarzes Leipzig? Geht gar nicht, waren sich Dave, Kruppe und Christian einig, als Corona mehr und mehr drohte, das 2020er „Wave-Gotik-Treffen“ zu kippen. Am Ende musste das WGT in diesem Jahr ausfallen, noch immer ist es nicht möglich, Konzerte durchzuführen. Dafür haben die drei mit weiteren Szenefreundinnen etwas auf die Beine gestellt, was sie selbst am Beginn nicht für möglich gehalten hätten. Das gesamte Pfingsten 2020 gibt es erstmals mit dem „Darkstream-Festival“ einen nahezu durchgehenden Livestream mit Moderation aus der Moritzbastei, Eindrücken aus Leipzig, über 40 Bands und Autorenlesungen.
Der Stadtrat tagt: Verwaltung soll Planung der Eisenbahnbrücke über Geithainer Straße einleiten + Video

Foto: L-IZ.de

Für alle LeserDer Stadtrat hat am Donnerstag, den 28. Mai, zwei Anträge zur Geithainer Straße einstimmig beschlossen. Zum einen soll die Verwaltung die Planung und den Bau der Eisenbahnbrücke einleiten und zum anderen sich unter anderem dafür einsetzen, dass auch weitere Bauwerke entlang der Bahnstrecke saniert werden. Eine Mehrheit erhielt auch ein Antrag der Grünen, in dem es um eine mögliche Fahrradstraße geht.
Der Stadtrat tagt: Leipzig verurteilt Nutzung eines ehemaligen KZ-Außenlagers durch Neonazis + Video
Juliane Nagel (Linke) forderte eine offizielle Verurteilung der Stadt Leipzig zu den Nutzern der Kamenzer Straße. Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Für alle LeserDie Stadt Leipzig verurteilt die Nutzung des ehemaligen KZ-Außenlagers in der Kamenzer Straße durch Neonazis. Ein entsprechender Antrag wurde in der Ratsversammlung am 28. Mai mit großer Mehrheit beschlossen. Gegenstimmen kamen lediglich aus der AfD-Fraktion. Zudem soll sich die Stadt um ein intensiveres Gedenken an diesem Ort bemühen.
Provokation oder sinnvoller Weg? Marcus Weiss beantragt Tempo 30 im ganzen Stadtgebiet
Tempo 30 - hier vor der Lessingschule. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserDer Stadtverkehr der Zukunft wird anders aussehen. Das machen mittlerweile nicht nur Städte wie Kopenhagen oder Amsterdam vor, wo Radfahrer/-innen seit Jahren bessere Bedingungen vorfinden. In der Coronakrise haben auch Städte wie Madrid, Paris und Brüssel den Schalter umgelegt. Gerade im Herzen der Stadt haben sie dem umweltfreundlichen Radverkehr endlich mehr Platz eingeräumt. Eine Entwicklung, an der auch Leipzig nicht vorbeikommen wird. Die Frage ist nur: Wie schnell geht's?
Der Stadtrat tagt: Die Fortsetzung der Mai-Sitzung im Livestream und als Aufzeichnung
Der Stadtrat tagt in der Kongresshalle am Zoo. Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Für alle LeserDer Stadtrat trifft sich am heutigen 28. Mai erneut zu einer Versammlung in der Kongresshalle am Zoo, nachdem die Tagesordnung vor acht Tagen nicht bewältigt werden konnte. Allein aus den Fraktionen gibt es noch rund 40 Anträge. Die L-IZ wird über ausgewählte Themen berichten. Ab circa 14 Uhr ist zudem ein Livestream verfügbar.
Heute startet das Pittstop Autokino in den Pittlerwerken in Wahren
Pittstop Autokino. Foto: Pittlerwerke

Foto: Pittlerwerke

Für alle Leser Vielleicht werden wir uns in ein paar Jahren kopfschüttelnd an dieses seltsame Jahr 2020 erinnern, in dem einige Dinge plötzlich so ganz anders waren als zuvor. Vielleicht aber zwingt das Coronavirus uns aber auch, einige endgültige Veränderungen in unserem Leben zu akzeptieren. Denn während kleine Bühnen jetzt zumindest schon wieder vorsichtig mit Hygienekonzepten öffnen können, bleiben Kinos noch geschlossen. Zumindest die in geschlossenen Räumen. Denn nach Taucha und der Alten Messe bekommt jetzt Leipzig ein weiteres, besonderes Autokino.
Die Gloriosa der Thomaskirche läutet am Pfingstsonntag erstmalig wieder
Die Abnahme des ersten Glockenstuhl-Bauabschnittes im Turm der Thomaskirche. Foto: Thomaskirche - Bach e.V.

Foto: Thomaskirche - Bach e.V.

Für alle LeserNormalerweise kündigen Kirchen nicht extra an, wenn sie ihre Glocken läuten. Aber für die Thomaskirche ist Pfingsten 2020 etwas besonderes: Ihr ambitioniertes Glockenprojekt ist zumindest im ersten Abschnitt beendet. Die großen Glocken hängen in ihrer neu gebauten Aufhängung und können zu den hohen Feiertagen wieder geläutet werden, ohne dass es Folgen für das Bauwerk hat.
Jetzt wird auch in der Harkortstraße für einen sicheren Radweg demonstriert
Radweglose Harkortstraße am Floßplatz. Foto: ADFC Leipzig

Foto: ADFC Leipzig

Für alle LeserDas kam gar nicht gut an, dass Leipzigs Verwaltung den Corona-Shutdown nicht wirklich nutzte, um die Bedingungen für Radfahrer/-innen in der Stadt endlich spürbar zu verbessern. Berlin brauchte nur wenige Tage, um zusätzliche Pop-up-Radwege zu schaffen, München plant welche in den nächsten Wochen. Aber Leipzig hängt seit acht Jahren hinter seinen Radplänen hinterher. Deswegen demonstrieren am 3. Juni der ADFC & Friends.
Sachsen – Eine Hochburg des Rechtsextremismus? Eine wissenschaftliche Bestandsaufnahme für ein Bundesland, das nicht aus den Schlagzeilen kommt
Uwe Backes, Steffen Kailitz (Hrsg.): Sachsen - Eine Hochburg des Rechtsextremismus? Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserDie Frage lag in der Luft, spätestens seit 2015/2016 und den verstörenden Ereignissen in Freital, Heidenau, Bautzen usw. Ein ganzes Land schien völlig vom Weg abzukommen, radikalisiert und gewalttätig gegen Menschen, die doch eigentlich nur hofften, in Sachsen Zuflucht zu finden. Ist Sachsen also eine Hochburg des Rechtsextremismus? Eine Frage, mit der sich jetzt die Wissenschaftler beschäftigt haben, die es wissen können.
Bach-Museum Leipzig startet Pandemie-taugliches Führungsangebot
Innenhof Bach-Museum. Quelle: Bach-Archiv Leipzig

Quelle: Bach-Archiv Leipzig

Ab dem Pfingstwochenende lädt das Bach-Museum Leipzig wieder regelmäßig freitags und sonntags zu Führungen ein. Die jeweils 30-minütigen Vorträge finden aufgrund des Infektionsschutzes im Hof des historischen Bosehauses statt und sind auf 15 Teilnehmer begrenzt. Eine telefonische Anmeldung wird empfohlen.