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Nach eTown-Verkündung für Leipzig: Am 9. Juli gibt’s die kostenlose Google-„Beratung“

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    Bei Google geht vieles schneller, als so Mancher denken kann. Eben noch, genauer: am 6. Juni - hat Leipzigs Wirtschaftsbürgermeister freudestrahlend den "eTown-Award" aus den Händen von Google-Manager Christian Bärwind entgegen genommen, vier Wochen später gibt's schon den versprochenen Preis: die Google-Schulung durch den Google-Partner e-Wolff.

    Denn um etwas anderes ging es nicht bei dieser Ermittlung irgendeiner internetaffinen Stadt im Postleitzahlbereich 0. Es ging nur um die Häufigkeit der Google-Nutzung, die ja Google messen kann, wie es alles misst, was in seinem Reich passiert. Kostenlos ist das alles nicht. Das müssten eigentlich auch internetaffine Leute wie René Meyer wissen, selbst Website-Betreiber und Journalist und in diesem Fall derjenige, der einlädt für „einen kostenlosen Workshop von Google am 9. Juli“.

    „Wie können Unternehmen ihre Internetseiten so optimieren, dass sie gefunden werden?“ ist die altbekannte Fragestellung, die die Leipziger Gewerbetreibenden alle längst kennen von diversen Schulungsangeboten etwa der beiden Wirtschaftskammern. Und auf einem anderen Niveau bewegt sich das nicht, was Google da diversen „ausgewählten“ Branchen auf der Website www.online-motor-deutschland.de ans Herz legt. In Ostfriesland lachen sie sich über die Masche mittlerweile scheckig. So viele Leute können gar nicht alle vorn beim Busfahrer sitzen. Aber mit der Masche verdient Google sein Geld. Und fasst so nebenbei auch noch allerlei Daten ab, denn zur so genannten Suchmaschinen-Optimierung bei e-Wolff gehört natürlich auch Google Analytics, ein Zählmaschinchen, das dem Internet-Giganten viel mehr Daten liefert, als die Betreiber und die Seitenbesucher in der Regel auch nur ahnen.

    Daten, mit denen dann wieder das eigene Marketing des Suchmaschinen-Giganten und der Verkauf von Werbung optimiert werden können.

    Auch wenn für den angebotenen Kurs kein Geld gefordert wird. Kostenlos ist das nicht.

    Wie formuliert es René Meyer so schön? – „Im Rahmen des WebMontags vom Verein Kreatives Leipzig erklären Experten des Google-Partners e-wolff, wie sich Kunden für das eigene Internetangebot begeistern lassen.“

    Wer sich die Zeit ans Bein binden will, kann ruhig hingehen. Der Workshop … Quatsch: Die Marketing-Schule von e-Wolff findet am Montag, 9. Juli 2012, von 16 bis 19 Uhr in der GaraGe, Karl-Heine-Straße 97 in Leipzig, statt.

    Anmelden muss man sich natürlich auch: „Eine Anmeldung ist zwingend erforderlich unter www.online-motor-deutschland.de/leipzig“.Und dann lernt man, wie man statistische Gesetze außer Kraft setzt.

    Denn alle diese Marketing-Berater für Suchmaschinen suggerieren ja Bäcker Heinrich und T-Shirt-Bedrucker Fritz, dass sie es mit der richtigen Optimierung ihrer Website für die gerade geltenden Such-Algorithmen von Google schaffen, dass sie bei jeder Suche, die ihrem Angebot gilt, ganz vorn und ganz oben auftauchen. Nicht erst auf Seite 10 oder 30.

    10 Treffer bekommt man in der Regel auf jeder Seite. Und dazu manchmal – bei Google gleich darunter – einen eingeblendeten bezahlten Link.

    Zahlen, die durchs Internet geistern, gehen allein in Deutschland von rund 160 Millionen Suchanfragen an Google aus. Pro Tag. Auf die Anfrage nach Google-Anfragen pro Tag taucht auch Google wieder auf – auf Platz drei mit seinem Produktforum. Davor rangieren Seiten wie Suchmaschinentricks und Wikipedia. Normalerweise würde man hier auch ein paar große Medien, die regelmäßig über Google und seine Politik berichten, unter den Top 10 vermuten. Aber außer Heise.de sucht man hier vergeblich. Erst auf Seite 3 erscheint die FAZ. Was am Thema liegen kann – oder an den neuen Algorithmen, die Google umgesetzt hat und die die jeweiligen Betreiber der Websites immer wieder ins Grübeln bringen über die neuen Kriterien, die jetzt gelten und die Google nie verrät.

    Einige Profis – wie eben suchmaschinentricks.de – beherrschen das Spiel. Das erst in dem Moment transparent wäre, in dem Google seine Kriterien veröffentlichen würde.

    Das, was in den diversen „Workshops“ für Gewerbetreibende vermittelt wird, ist dabei nur die Oberfläche. Im Grunde simples Marketing. Dieselben Regeln gelten auch für jeden anderen Werbeauftritt – ob gedruckt, als Schaufensterfolie oder fliegender Luftballon. Und natürlich ist jede Firma gut beraten, auf ihrer Domain klar, transparent und offen zu kommunizieren, ihre Botschaft und ihr Angebot zu fokussieren und die Schwellen für Nutzer so niedrig wie möglich zu halten.

    Und dann? – Die so genannte Suchmaschinenoptimierung beginnt erst dahinter, hat nur zum Teil mit den richtigen Schlagworten und der Komplexität der Seite zu tun. Aber viel damit, dass im Internet mittlerweile Millionen Websites miteinander um Aufmerksamkeit konkurrieren. Und zwar nicht nur innerhalb einer Branche, sondern alle gegen alle, Ganoven gegen Vereine, Städte gegen Unternehmen, Handwerker gegen Strickklubs, Communities gegen Spieleplattformen, Marken gegen Verwaltungen.

    Bei der letzten Erhebung wurden allein für Leipzig über 100.000 registrierte de-Domains gezählt. 2011 waren in Deutschland schon 14,7 Millionen de-Domains registriert. Und Google spuckt ja keine Einzel-Domains aus, sondern die zum Suchwort passenden Seiten. Das heißt, einige Webangebote tauchen in der Suche gleich mehrfach auf. Manche haben zwar die Suchworte – aber nicht die Inhalte. Wer das Suchpaar „Wäscherei Leipzig“ eingibt, bekommt 180.000 gefundene Seiten aufgelistet. Und auf der ersten Google-Seite finden sich unter den ersten Wäschereien auch gleich die üblichen Branchenbücher, die sich als bessere Hilfe durch den Wäschedschungel empfehlen.

    Und auf 1 rangiert ein Textilservice, der für Hotels in Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern arbeitet. Auch so kann’s gehen. Mit der „digitalsten Stadt“, wie Google seine PR-Kampagne unterfütterte, hat es wirklich nichts zu tun.

    Oder, wie es René Meyer formulierte: „Anlass ist die Verleihung des eTown-Awards an die Stadt Leipzig im Mai. Google und das Institut der Deutschen Wirtschaft Köln bescheinigten Leipzig, die digitalste Stadt im Postleitzahlengebiet 0 zu sein.“

    Mehr zu Kreatives Leipzig e.V.: www.kreatives-leipzig.de

    Der Website-Optimierer von Google: www.online-motor-deutschland.de

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