Kann irgendjemand überrascht sein, dass die beiden AfD-Spitzenkandidaten für die Wahl zum Europaparlament, Maximilian Krah und Petr Bystron, sich als Vasallen Chinas und Russlands entpuppen? Kann irgendjemand überrascht sein, wenn morgen herauskommen sollte, dass AfD-Funktionäre mit den türkischen Rechtsextremisten von den Grauen Wölfen im Dienste des Autokraten Erdoğans kooperieren? Natürlich nicht!

Genauso wenig, wie man überrascht sein konnte über ein Treffen von Rechtsextremisten, darunter etliche AfD-Mitglieder, in Potsdam zur Planung von „Remigration“ von Millionen Menschen, das im Januar 2024 aufflog. Dies alles gehört zur DNA, zur Identität der AfD. In den sich aneinanderreihenden Skandalen wird nur die Fratze einer rechtsextremistischen Partei offenbar, die angeblich so ganz anders agieren will als die verhassten sog. „Alt-Parteien“. Dabei knüpft die AfD doch nur an die Ideologie der Partei an, die Deutschland und Europa vor über 90 Jahren schon einmal ins Verderben geführt hat: die NSDAP.

Insofern ist es ein lächerliches Schauspiel, was jetzt die Parteispitze der AfD um Alice Weidel und Tino Chrupalla inszeniert: Da duckt man sich weg, behandelt die eigenen Spitzenkandidaten für die Europawahl Maximilian Krah und Petr Bystron, als wären sie Luft, und meint so, die selbst beanspruchte „Bürgerlichkeit“ retten zu können. Doch das hilflose Agieren von Weidel und Chrupalla macht nur eines deutlich: Die AfD als Partei ist fest im Griff derer, die einen Krah und Bystron auf die ersten Plätze gehievt haben – und das waren unter dem Dirigat des Rechtsextremisten Björn Höcke die erdrückende Mehrheit der Mitglieder der AfD.

Nun liegt es offen zutage: Es sind die Rechtsradikalen um Björn Höcke, die in der AfD das Sagen haben. Nicht Krah und Bystron sind Außenseiter in der Partei, sondern eher Weidel und Chrupalla. Sie können aber letztlich auch nur nach der Pfeife Höckes tanzen – oder werden demnächst abserviert. Die aktuelle Europawahl-Liste der AfD legt davon sehr beredt Zeugnis ab.

Diese setzt sich aus zumeist hartgesottenen Rechtsradikalen zusammen. Das alles unterstreicht, wie gefährlich und rechtsradikal durchtrieben die AfD ist, in der Zwangsjacke von Björn Höcke steckend!

Das Gute im Schlechten: Wir lernen das wahre Gesicht der AfD kennen, bevor ihre Galionsfiguren an den Schalthebeln der Macht sitzen. Die AfD entlarvt sich immer mehr als eine demokratiefeindliche Partei, die weder das Wohl Deutschlands, geschweige denn Europas, noch seiner Bürgerinnen und Bürger im Blick hat. Sie hat keinerlei Skrupel, sich nationalistischen Autokraten wie Putin, Xi, Erdoğan, Orbán anzudienen und zu unterwerfen.

Ihr inneres Ziel ist und bleibt, die vom Grundgesetz geschützte freie, offene Gesellschaft in ihrer Vielfalt zu zerstören. Wenn etwas an dieser Situation positiv zu vermerken ist, dann dies: Unter den Bedingungen der freiheitlichen Demokratie entlarvt sich die AfD als ein Haufen von korruptionsanfälligen Aufschneidern, die ihre innere und äußere Halt- und Maßlosigkeit mit ausgrenzendem Nationalismus zu übertünchen versuchen – und zwar bevor sie an die Macht kommen und all dies mit durchaus vorhersehbaren Folgen unter Beweis stellen können.

Also sollten wir alles tun, um jetzt der AfD und ihren Zulieferorganisationen wie das Magazin „Compact“, Freie Sachsen, Der III. Weg, Reichsbürger zu widerstehen. Niemand sollte mit dem Feuer spielen! Denn wir wissen aus der Geschichte, was am Ende der Krahs, Bystrons, Weidels, Chrupallas steht: eine zerstörte Demokratie und ein geschundenes Deutschland und Europa.

Wie sagte doch Siegbert Droese, der Leipziger AfD-Vorsitzende und Kandidat für die Europawahl: „Die heutige EU braucht die Abrissbirne. Ich kandidiere auch dafür, um mit den Abrissarbeiten in Zukunft zu beginnen.“ Sorgen wir dafür, dass es bei den Abrissarbeiten bleibt, die die AfD jetzt an sich selbst vollzieht.

Christian Wolff, geboren 1949 in Düsseldorf, war 1992–2014 Pfarrer der Thomaskirche zu Leipzig. Seit 2014 ist Wolff, langjähriges SPD-Mitglied, als Blogger und Berater für Kirche, Kultur und Politik aktiv. Er engagiert sich in vielen Bereichen des öffentlichen Lebens. Zum Blog des Autors: https://wolff-christian.de/

Empfohlen auf LZ

So können Sie die Berichterstattung der Leipziger Zeitung unterstützen:

Redaktion über einen freien Förderbetrag senden.
oder

Keine Kommentare bisher

Schreiben Sie einen Kommentar