Ab Januar ist im Panometer Leipzig der gesunkene Koloss der Titanic zu besichtigen

Aus dem Asisi Panometer ertönt eine Sirene. Tief und weithin dröhnend – wie die Sirenen der Titanic, als sie auf den Eisberg rammte. Aber die Sirenen aus dem Panometer an der Richard-Lehmann-Straße sind diesmal für all jene bestimmt, die noch einmal das Panorama vom Great Barrier Reef sehen wollen. Denn im Januar kommt tatsächlich die Titanic. Wenn auch schon im gescheiterten und abgesoffenen Zustand. Großer Bilderwechsel unter Wasser.

Am 15. Januar 2017 endet die Präsentation des Panoramas „Great Barrier Reef“ im Panometer Leipzig. Vom Klimawandel akut bedroht, war auch Yadegar Asisis Ausflug an das gewaltige Korallenriff vor der australischen Küste eine Erkundungsfahrt an ein faszinierend schönes Stück Natur – vergleichbar seinen Panoramen zum Amazonas oder zum Mount Everest. Und diese Faszination hat auch viele Besucher angelockt: Mit 350.000 Besuchern im ersten Besucherjahr sowie mehrfachen Auszeichnungen durch den Red Dot Award, den Iconic Award und den German Design Award zählt das Panorama des australischen Korallenriffs zu einem der erfolgreichsten von Yadegar Asisi in Leipzig.

Das baldige Ende von „Great Barrier Reef“ weist zugleich auf das neue Werk von Yadegar Asisi im Panometer Leipzig: Das 360°-Panorama „Titanic – Die Versprechen der Moderne“ stellt ab dem 28. Januar 2017 nicht den dramatischen Untergang im Jahr 1912 in den Vordergrund. Vielmehr thematisiert Yadegar Asisi mit dem neuen Panoramakunstwerk den gesunkenen Luxusdampfer und damit ein Beispiel für menschlichen Fortschrittsglauben und die oft damit einhergehende Überheblichkeit gegenüber den Gewalten der Natur. Die technischen Errungenschaften der Moderne am Beispiel der Titanic im Wettlauf mit den Kräften der Natur symbolisieren den Hochmut des Menschen.

Auf ihrer Jungfernfahrt kollidierte die Titanic am 14. April 1912 nachts südöstlich von Neufundland seitlich mit einem Eisberg und sank über zweieinhalb Stunden später im Nordatlantik. Obwohl für die Evakuierung mehr als zwei Stunden Zeit zur Verfügung standen, starben etwa 1.500 der über 2.200 an Bord befindlichen Personen. Vor allem die nicht ausreichende Zahl an Rettungsbooten und die unerfahrene Besatzung werden für die Katastrophe verantwortlich gemacht.

Und wie beim Great Barrier Reef tauchen die Besucher mit dem Künstler in die Tiefe. Diesmal noch viel tiefer.

Der Standpunkt des Betrachters befindet sich etwa 3.800 Meter unter Wasser in Höhe des Schiffswracks. Ein künstliches Lichtszenario ermöglicht es, das tragische Ausmaß des Unglücks in einem Riesenrundbild zu entdecken. Zu erkennen sind das in zwei Teile auseinandergebrochene Wrack sowie ringsherum eine unüberschaubare Menge an Mobiliar, Einrichtungsgegenständen, technischem Equipment und Gepäckstücken.

Yadegar Asisi beim Skizzieren des Titanic-Panoramas. Foto: Asisi / David Oliveira

Yadegar Asisi beim Skizzieren des Titanic-Panoramas. Foto: Asisi / David Oliveira

Mit dem Panorama und der begleitenden Ausstellung will Asisi eine Faszination für die grandiose Ingenieursleistung des Luxusliners verschaffen und zugleich die menschenalte Frage nach der Beherrschung der Natur ansprechen. Zugleich verweist Asisi mit der Darstellung des zerborstenen Wracks in der Tiefe des Atlantiks auf die Endlichkeit menschlichen Seins und Handelns. Tausende Tonnen von Stahl korrodieren und die ehemals prunkvolle Einrichtung und der Hightech des etwa 40.000 Tonnen schweren Schiffes sind ein einziges Trümmerfeld, das nach und nach von der Natur zurückerobert wird.

Eine begleitende Ausstellung führt in die Thematik ein. Anhand der industriellen Produktion und Nutzung des neuen Werkstoffs Stahl für Verkehrsmittel, Häuser, Brücken oder andere Infrastruktureinrichtungen in der Hochphase der Industrialisierung um 1900 wird die tiefgreifende Veränderung der bis 1800 ländlich geprägten Gesellschaft deutlich. Einen Dämpfer erhielt die Hochstimmung durch das Sinken eines „unsinkbaren Hightech-Dampfers“ im Jahr 1912, über das die Massenmedien in der ganzen Welt berichteten.

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