Neu im Kino: Hugo Cabret

Martin Scorsese ist Cineasten bekannt für harte Stoffe. Seine Mafia-Trilogie hat längst Kultstatus. Zuletzt tischte er dem Publikum mit "Shutter Island" (2010) einen düsteren Psychothriller auf. Sein Kinderfilm-Debüt "Hugo Cabret" entpuppt sich dagegen als leicht verdauliche Kost höchster Güte.

Der 69-Jährige nimmt Jung und Alt im Paris der 1930er-Jahre mit auf eine abenteuerliche Spurensuche zu den Anfängen des Kinos. Der Streifen gilt als heißer Oscar-Anwärter. Er hat Chancen in zehn Kategorien, darunter „Bester Film“ und „Beste Regie“.

Im Mittelpunkt steht der 12-jährige Waise Hugo (Asa Butterfield). Er lebt versteckt im Gewölbe eines Pariser Bahnhofs. Dort setzt er das Lebenswerk seines verstorbenen Vaters fort und zieht jeden Tag die riesigen Bahnhofsuhren auf. Eines Tages entdeckt er einen defekten Roboter, der möglicherweise in der Werkstatt seines Vaters konstruiert wurde. Der Junge versucht den „Automatenmenschen“ zu reparieren. Unterstützt wird er dabei von der gleichaltrigen Isabelle (Chloe Grace Moretz). Hugo klammert sich an die vage Hoffnung, dass der Roboter irgendeine Botschaft seines Vaters für ihn bereithält. Gemeinsam kommen die beiden einem fantastischen Geheimnis auf die Spur.
Scorcese nimmt den Zuschauer in seiner Adaption des Romans „Die Entdeckung des Hugo Cabret“ mit auf eine Zeitreise. Der Bahnhof, in dem Hugo lebt, erinnert an einen riesigen Abenteuerspielplatz. Scorcese betrachtet den Schauplatz in seinen warmen, hellen Farben durch die Augen eines 12-jährigen Rumtreibers in der dritten Dimension. Da ist der Bäcker, wo man warme Semmeln stehlen kann. Der Bahnhofspolizist (Sacha Baron Cohen), der Waisenkinder jagt. Oder Isabelles Onkel (Ben Kingsley), der an seinem Spielzeugstand lauter raffinierten Krimskrams anbietet. Kurzum: Ein verrückter Ort voller Abenteuer.
Martin Scorcese nimmt in „Hugo Cabret“ mehrfach Bezug auf die Frühzeit des Kinos. Ein Filmemacher scheint es ihm besonders angetan zu haben. Denn „Hugo Cabret“ ist vor allem eine unvergessliche Hommage an Georges Méliès. Über 500 Filme hatte der Franzose bis 1922 produziert. Dann wurde sein Schaffen aus wirtschaftlichen Gründen jäh gestoppt. Mehrfach zitiert der Regisseur seine wenigen erhaltenen Kurzfilmklassiker. Was Méliès mit der Handlung zu tun hat, soll hier nicht verraten werden, um die Spannung aufrecht zu erhalten.

Festgestellt werden darf allerdings, dass „Hugo Cabret“ weit mehr als Kinderfilm ist. Kaum ein anderer Filmschaffender dürfte so fest in der Kinogeschichte sein wie Scorcese. Bereits 1990 gründete er die gemeinnützige „The Film Foundation“, die sich der Präservation alter Filme verschrieben hat. „Hugo Cabret“ ist nicht zuletzt wegen Scorceses Faible für das Sujet ein höchst emotionaler Film.
Der Regisseur lässt sich beim Erzählen viel Zeit. Die 3D-Technik verwendet er nicht für spektakuläre Action-Szenen, die dem Film fremd sind, sondern für ausufernde Kamerafahrten durch den Bahnhof mit seinen Gewölben und Hintertürchen. Der Fokus ist fast die ganze Zeit auf den Protagonisten gerichtet. Asa Butterfield meistert seine Aufgabe bravourös. Auch seine Partnerin Chloe Grace Moretz überzeugt. Ben Kigsley spielt gewohnt solide, passagenweise sogar hochemotional. Amüsant die Auftritte des Comedian Sacha Baron Cohen im Slapstick eines Charley Chaplin. Zum Brüllen komisch.

Spätestens wenn Scorcese am Ende Ausschnitte aus Méliès‘ Klassikern in 3D zeigt, schlägt er die Brücke von der Vergangenheit zur Zukunft. „Hugo Cabret“ ist eine grandiose Hommage an das Kino, die kein Cineast verpasst haben sollte.

USA 2011, R: Martin Scorsese, D: Sir Ben Kingsley, Sacha Baron Cohen, Asa Butterfield, 126 Min, FSK 6.

Filmstart ist der 9. Februar, zu sehen im CineStar, Cineplex und Regina Palast.

Die Seite zum Film:
www.hugocabret.de


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