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Tanners Interview mit dem Mitmoderator von „Die blaue Tonne“, Elia van Scirouvsky

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    Meinung haben ist das Eine, Meinung äußern - und dies sprachlich hochqualitativ - das Andere. Auf dem Gebiet der Literaturkritik-Veranstaltungen scheint der Acker völlig zerfurcht und unbearbeitet, seit Jahren dominiert ein kleiner Haufen von Selbsternannten das Genre. Mit Witz, Esprit und Wissen hat sich jetzt ein Trio Infernale gefunden, dem ewigen Einerlei Frisches beizugesellen. Gray, Kreis und van Scirouvsky. Klar, dass Tanner seinen Kumpan Elia van Scirouvsky befragte. Sind doch seine Ideen von öffentlichem Interesse.

    Hallo Elia. Das ist schön, mal wieder mit Dir zu schnattern. Du hast ja gerade mit Deinen Freunden David Gray – den hatten wir ja vor anderthalb Monaten hier im langen Interview – und dem Christian Kreis ein Ass aus dem literarischen Ärmel gezogen. „Die blaue Tonne“ sag ich nur. Sag Du doch mal was das wird.

    Wir drei möchten Literaturkritik unkonventionell, unangepasst und locker auf die Bühne bringen – wenn Literatur schlecht ist, gehört sie für uns in die Blaue Tonne. Daher natürlich der Titel der Veranstaltungsreihe, die am 28. September 2015, 20:00 Uhr, in der Ratstonne der Moritzbastei startet. Nicht umsonst haben wir den Untertitel „Bis(s) zur letzten Seite“ gewählt – wir werden uns durchbeißen, egal wie hart der Stoff ist, und wir werden aber auch bissig reagieren. Das spannende dabei ist, dass drei sehr unterschiedliche Charaktere zusammen diskutieren, streiten, lachen, sich vielleicht auch Bücher schön trinken werden. Viermal im Jahr wollen wir das machen – es soll ja überschaubar bleiben.

    Und wer ist dieser Christian Kreis? Ich hörte etwas von DLL-Hinterland (Deutsches Literaturinstitut Leipzig, Anm. der Red.). Mich persönlich macht dies ja hellhörig. Da lehrt doch Michael Hametner (MDR) Kritik, wenn ich richtig informiert bin. Ist der Kreis ein kleiner Hametner?

    Christian war einer der wenigen DLL-Leute, die sich in meiner Anfangszeit als Pegasus-Moderator nicht zu schade waren, beim Pegasus aufzutreten. Ich habe da schon Vorbehalte von einigen Leuten gespürt, die sich aber mittlerweile gelegt haben. Christian macht selbst eine Leseveranstaltung in Halle – die Lesebühne Kreis mit Berg, schreibt Kolumnen und überhaupt gute und witzige Texte und bringt die nötige Gelassenheit und Bühnenerfahrung mit. Ich denke, er bringt die nötige DLL-Verkopftheit mit, David Gray seine Belesenheit und ich werde irgendwo dazwischen meinen Senf dazu geben.

    Wie kommt es zur Auswahl der Bücher?

    Es ist wie bei einem WG-Putzplan – jeder ist mal dran: Das erste Buch darf einer sich selbst aus der aktuellen Spiegel-Belletristik-Hardcover-Bestsellerliste aussuchen, das zweite wird aus eben jener Liste gelost und das dritte Buch ist eine persönliche Empfehlung außerhalb jeglicher Listen. Zu unserer ersten Veranstaltung werden „Im Frühling sterben“ von Ralf Rothmann und „Verheißung“ von Jussi Adler Olsen aus der Bestsellerliste dabei sein und  als Empfehlung des Hauses kommt zusätzlich auf den Tisch: „Mädchenmeute“ von Kirsten Fuchs. Wer die Bücher bis zu unserer Veranstaltung noch nicht gelesen hat, kann sie am Veranstaltungsabend auch kaufen – da freue ich mich, dass wir Hugendubel als Partner gewinnen konnten – immerhin ist dies keine bierernste Veranstaltung.

    Bei der blauen Tonne geht es ja auch irgendwie um Nachhaltigkeit – im wahren Leben wird, wenn’s gut läuft, das Papier weiterverwertet – und in Eurer Show? Gibt es Euch als Podcast im Netz? Irgendwann im TV? Bei Youtube? Youporn? MDR? Welche Ideen schwirren?

    Ach, Ideen schwirren immer, aber ich bin da jemand, der auch die Zeit für sich arbeiten lässt – wir sind alle drei gut vernetzt und da wird sicher noch einiges passieren – aber live ist live und auch von Seiten des Publikums sollte klar sein, dass nicht alles immer nachhörbar, nachschaubar und wiederbringlich ist. Wir wollen in erster Linie den Augenblick auf der Bühne und mit dem Publikum genießen und das Publikum darf an der einen oder anderen Stelle auch mitmachen. Der Rest wird sich entwickeln. Wir drei haben zwar schon manches Bier bei der Vorbereitung geleert, ob wir nach der ersten Veranstaltung noch miteinander reden, wird sich zeigen. (lacht verschmitzt)

    Neben der Blauen Tonne gibt’s ja auch im Flopo Neues mit und von Dir. Wie kam es denn, dass Du auch dort jetzt in Literatur machst? Ich hörte: André Streng will sich wieder voll und ganz auf Leipzig konzentrieren, geht’s jetzt innovativ ans Kulturmachen im Flopo?

    Richtig, es gibt ab September ein neues Konzept für den Dienstag in Leipzigs kultigster Kneipe: der Rock Dienstag. Und jeweils am ersten Dienstag des Monats darf ich mit der Hausband zusammen einen literarisch-musikalischen Abend gestalten, der sich mal um eine Band, einen Sänger oder Sängerin dreht. Dazu lade ich mir auch immer passend zum Thema Gäste ein. Das Ganze startet am 1. September 2015 pünktlich 21:00 Uhr mit einem Abend rund um Leonard Cohen und dazu habe ich mir einen guten Freund eingeladen, der wie ich Cohen mag. Hm, du dürftest diesen Gast kennen – ein gewisser Tanner, der hier in Leipzig gern mal Leute interviewt.

    Am 2. Dienstag spielt dann Koma Kschentz mit wechselnden Musikern aus Leipzigs Mugger-Szene, am 3. Dienstag wird es wieder den Flower Power Gitarrenclub geben und am 4. Dienstag im Monat steht Jody Cooper als „The walking Jukebox“ auf der Bühne. Ich denke, damit haben wir für den Dienstag ein stimmiges Konzept geschaffen, und ich freue mich auf hoffentlich viele Gäste. Ich werde zumindest auch außerhalb der Rock-Lesung dienstags immer anwesend sein, das Flower Power ist ja nicht umsonst mein zweites Wohnzimmer. Und da ja aller guten Dinge drei sind gibt es im Oktober noch eine dritte, fast neue, Veranstaltungsreihe – aber das ist noch ein kleines Geheimnis.

    … welches wir aber hier auch ein Geheimnis bleiben lassen wollen. Danke, Elia für Deine Infos…

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