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Leipzig liest! Heinz Strunk im Täubchenthal

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    Die Leipziger Buchmesse steht vor der Tür. Wenn dieses Event auf Leipzig zukommt, ahnt man den einbrechenden Bücherfrühling. Neuerscheinungen, Neuerungen und vielleicht auch ein paar Begegnungen wird es an dem Märzwochenende geben. Die L-IZ gibt ein paar Entscheidungshilfen.

    Wer ist Heinz Strunk?

    Fleisch ist sein Gemüse, so zumindest verschlagwortet Mathias Halfpape alias Heinz Strunk seinen biografischen Bestseller von 2004. Zuvor war er Gesicht bei dem Musik-TV-Sender VIVA, musizierte mit Rocko Schamoni und moderierte eine Sendung bei Radio Fritz. Mit Schamoni kandidierte Strunk für die Hamburger Wahllisten für „Die Partei“. Auftritte mit Popbands und Kolumnen für die Satirezeitschrift „Titanic“ pflastern ebenfalls seinen künstlerischen Werdegang. Seit 2013 ist er regelmäßig bei der Fernsehsendung „Extra3“ zu sehen. 2016 erschien bei Rowohlt sein jüngstes Blätterwerk „Der goldene Handschuh“. Das Buch steht auf der Shortlist zum Preis der Leipziger Buchmesse. Dieser phantastisch düstere, grell komische und unendlich traurige Roman ist der erste des Autors, der ohne autobiographische Züge auskommt. Strunks „Held“ heißt Fritz Honka – für in den siebziger Jahren aufgewachsene Deutsche der schwarze Mann ihrer Kindheit, ein Frauenmörder aus der untersten Unterschicht, der 1976 in einem spektakulären Prozess schaurige Berühmtheit erlangte. Honka, ein Würstchen, wie es im Buche steht, geistig und körperlich gezeichnet durch eine grausame Jugend voller Missbrauch und Gewalt, nahm seine Opfer aus der Hamburger Absturzkneipe „Zum Goldenen Handschuh“ mit.

    Honkas kaputte Welt

    Fritz Honka wird 1935 in Leipzig als drittes von zehn Kindern geboren. Als er fünf ist, schlägt ihn sein Vater halb tot. Weil die Mutter mit den vielen Kindern heillos überfordert ist, wächst der Junge in Leipziger Kinderheimen auf. Eine Maurerlehre bricht er allergiebedingt ab – „Zementkrätze, was für ein entsetzlicher Name für eine entsetzliche Krankheit“. Ein Selbstmordversuch. Mit 16 aus der DDR in den Westen. Ein schwerer Unfall beschert ihm ein entstelltes Gesicht. Mit 17 ist er auf ein Hilfsarbeiterleben festgelegt. Aus dieser Mühle ist Honka zeit seines Lebens nicht rausgekommen. Erneuter Selbstmordversuch – Honka will sich erhängen, „doch findet sich auf dem Hof kein Schemel oder Stuhl, auf den er sich stellen könnte, oder der Wachhund schlägt an oder sonst was hindert ihn an seinem Vorhaben.“

    Vom Kriminalfall zum Buch

    Strunk durfte die lange unter Verschluss gehaltenen Prozessakten von 1976 lesen; manche Schilderungen im Roman wirken realistisch wie Filmsequenzen aus dieser Zeit. Man starrt fassungslos auf die unglaubliche Kaputtheit des Stadtteils St. Pauli – und den Horror in Honkas Wohnung in der Zeißstraße 74, dritter Stock, Dachgeschoss. „Verfaulte Vorhänge, die von den Wänden tropfen, verschmierter Spiegel, über den sich eine Kette winziger Blutflecken zieht. Linoleumboden, im Wohnzimmer ein Teppich, der mal weiß gewesen sein könnte, mit den Jahren haben sich Sperma, umgekippte Getränke, Zigarettenasche, tröpfelnder Urin und wer weiß was noch zu einem ganz kranken Farbton verdichtet. Der Schmutz sitzt so tief; kein Reinigungsmittel der Welt könnte was dagegen ausrichten. Die Wohnung wird bis in alle Ewigkeit Dreck speien.“

    Wer: Heinz Strunk
    Wo: Täubchenthal
    Wann: 17. März um 20 Uhr
    Eintritt: 15 EUR

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