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Tanners Interview mit dem Liedermacher und Chansonnier Johannes Kirchberg

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    Immer auf der Suche nach sinnvollen Liedern fällt der Tanner immer wieder dem Johannes Kirchberg in die Arme. Da dieser jedoch in Hamburg lebt, müssen die kurzen Besuche des Liedermachers in Leipzig, bei denen er sein und das Werk anderer Künstler auf Bühnen zieht, genutzt werden. Oder das Vorfeld. Kirchberg kommt jedenfalls wieder - und Tanner fragte schon mal warum.

    Am 08.11.2015 kommst Du nach Leipzig – ein bisschen ist das ja wie nach Hause kommen, oder, bester Johannes?

    Ja, immer noch. Wenn es mir nicht so gut gehen würde in Hamburg, wäre Leipzig bestimmt wieder mein Zuhause. Besser wäre aber, wenn Leipzig sagen würde: „Oh wie schön, der Kirchberg kommt uns mal wieder besuchen. Da sind wir dabei!“

    In Leipzig hab ich die Familie und Freunde. Und vor allem ja auch den Texter Tom Reichel. Also ich bin also meist beruflich und privat in der Stadt. Und ich mag es, den Wandel in Leipzig zu sehen, aber nicht jeden Umbau und jede Veränderung aktiv miterleben zu müssen.

    Und dann kommst Du auch noch ins Sanftwut, wo wir uns ja einst wiedertrafen. Wieso denn gerade dort? Leipzig ist ja groß und Du überall ein gern gesehener Gast.

    Bin ich das? Ein überall gern gesehener Gast? Zumindest im Kabarett Sanftwut bekomme ich bis jetzt immer eine Bühne. So ein Kirchberg-Konzert ist ja kein Selbstläufer. Da aber das neue Programm „WIE FRÜHER. NUR BESSER.“ eher Kabarett als Chanson ist, wollte ich die Leipzig Premiere gern in einem entsprechenden Haus machen. Seit letztem Sommer spiele ich ja regelmäßig mit der Kollegin Katrin Troendle eine Produktion im Revuetheater am Palmengarten. Dort habe ich mich mit meinem Solo aber nicht so gesehen. Deshalb Sanftwut. Außerdem haben sie dort einen Flügel.

    Wie stehen denn die Aktien beim neuen Album „Wie früher. Nur besser.“?

    Das Album ist komplett eingespielt. Wir haben im Mai in einem wunderbaren Leipziger Studio aufgenommen. Jann van de Kaast (Liedertour) ist dabei, der Trompeter von Yellow Umbrella, Tom Reichel macht mit und natürlich Hendrik Gundlach. Bei ihm liegt nun das Material, er bearbeitet, verfeinert und zaubert ein tolles Album. Es wird richtig gut werden! Wir lassen uns Zeit. Wahrscheinlich wird es erst im nächsten Jahr veröffentlicht. Ich hab gerade nicht die Möglichkeiten, eine Veröffentlichung so vorzubereiten, wie es diese CD verdient hat.

    Du lebst ja, für die Menschen, die es nicht wissen, seit einigen Jahren in Hamburg. Warum eigentlich? Hat Leipzig Dich nicht genug geliebt? War’s Wolfgang Borchert? Wir haben Reimann!

    Ich habe reich geheiratet. Das war in Leipzig nicht möglich … Nein, im Ernst: Die Liebe hat mich nach Hamburg gezogen. Und damals war genau der richtige Zeitpunkt für etwas Neues. Nur dadurch war es ja möglich und vor allem nötig, als Solist zu touren. Mittlerweile empfinde ich das als großes Geschenk. Mich selber am Klavier begleiten zu können. Frei zu sein. Spontan agieren zu können. Die Gage nicht teilen zu müssen … Und eigentlich ist es ja als Musiker egal, wo man wohnt. Fahrten zu Konzerten gibt es immer (und ausgerechnet die wären als Band schöner).

    Na, und mit Wolfgang Borchert habe ich mich schon in Leipzig beschäftigt. Dass in Hamburg dann das Programm entstanden ist und die CD dazu, lag einfach an den Umständen. Am Theaterschiff DAS SCHIFF bei dem ich im Ensemble spiele, den Fleeten, dem Hamburger Nebel und und und. Und auch daran, dass Andreas Reimann schon oft richtig gut vertont wurde (Grütz/Schmidt zum Beispiel). Das war bei Borchert nicht so.

    Der Himmel macht blau – ist eine wundervolle CD gewesen, bis vor kurzem war sie ausverkauft, jetzt gibt es sie wieder. Nur als Download oder auch haptisch?

    Danke. Ich hab die CD auch wiederentdeckt. Es sind da einige schöne Chansons drauf. Ein Leipziger Stadtmagazin hat mal über mich geschrieben: „Die neue bunte Welt macht’s möglich – jetzt hat auch Johannes Kirchberg seine CD.“ Die digitale Welt macht es möglich, dass es „Der Himmel macht blau“ nun als Download gibt. Und zwar nur als Download. Ich trage mich mit dem Gedanken, das für die anderen ausverkauften CDs auch anzubieten. Da ist ja noch meine von IC Falkenberg produzierte CD „Wieder zum Meer“. Mal sehen.

    Du bist ja Liedermacher, Chansonnier … musst dementsprechend nicht jedem Trend hinterher hechten. Ist es gerade ein gutes Land, eine gute Zeit für Lieder? Ich habe ja das Gefühl, dass die Menschen wieder Lieder mit Sinn brauchen, nach all der Feierei auf dem Vulkan, während dieser gerade ausbricht.

    Volly, jetzt schreibst Du auch, dass ich Liedermacher bin! Längst mache ich keine traurigen Chansons mehr. Das Programm ist witzig, zum lachen und mitklatschen. So. Es ist eine Mammutaufgabe, gegen dieses Bild von mir vom traurigen Chansonnier anzusingen … Tststs.

    Aber um auf Deine Frage zu kommen: Ich liebe Lieder mit Sinn. Ich steh auf Lieder, die auch nach Jahren noch richtig sind, wahr sind, die mich angehen, auch wenn ich mich verändere. Deshalb versuchen Tom Reichel und ich ja auch, zeitlosere Songs zu schreiben. Und das Kabarett, das wir machen, nennen wir „unpolitisch korrektes Kabarett“. Dass politisch und korrekt nur selten zusammen geht, sehen wir fast täglich. Und da muss man sich entscheiden. Ich hab mich für korrekt entschieden. Und das ist schwer genug. Erschreckenderweise haben die Texte und Lieder von Kästner, Tucholsky oder Becher ja so viel Sinn, Tiefe und Erkenntnis. Und leider heute wieder Aktualität. Das fällt den Zuhören durchaus auf, wenn ich eines dieser Programme spiele.

    Was bekommen wir denn im Sanftwut eigentlich um die Ohren im November?

    Neue Lieder. Neue Texte. Man wird meinen besten Freund Jochen erleben und hören. Seine Freundin Marie und natürlich hat Liza wieder entscheidenden Anteil am Programm. Und ich werde erklären, warum ich, ein 42-jähriger Mann, unvermittelt anfange zu singen. Warum ich überhaupt Musik mache und ob es nicht auch ohne ginge.

    Außerdem, so viel sei verraten, gibt es ein Lied, ein Liebeslied nur aus Redewendungen. Das wird fein!

    Danke, Johannes – und weiter so schräg bleiben, das ist gerader als viele denken.

    Danke. Ich freue mich auf November, bin aufgeregt und gespannt.

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