Wer mit wem? Nachbarn der mutmaßlichen Kartenspielmörder ahnten Schlimmes voraus

Angeblich haben sich die vier Freunde um 20 Euro gestritten. Doch die Zeugenaussagen im Prozess um den Kartenspielmord lassen vermuten, dass auch die Eifersucht mit am Tisch saß. Wer war nun mit wem zusammen? Diese Frage stellte das Gericht allen Nachbarn der mutmaßlichen Täter, die bis heute ausgesagt haben. Im Zeugenstand fand sich beinahe die komplette Mieterschaft des Hauses in der Bautzmannstraße 11 ein, wo am 8. Februar dieses Jahres die Leiche von Andreas M. in der Papiertonne entdeckt worden war.
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Seine Freunde waren Cäcilia E. aus der dritten Etage und Sven O. aus der vierten. Beide hat er regelmäßig besucht. „Andreas habe ich immer wieder im Hausflur getroffen“, erzählt die Nachbarin aus dem zweiten Stock. „Ich habe gedacht er wohnt da.“ Er sei geistig zurückgeblieben gewesen. „Man musste mit ihm reden wie mit einem Kind“, sagt die Immobilienkauffrau aus dem Erdgeschoss, die sich im Auftrag des Vermieters um die Angelegenheiten des Hauses kümmerte. Oft habe sie ihn auf der Treppe angetroffen oder auf dem Weg in den nahe gelegenen Konsum. Er und Sven seien ein Paar gewesen, das habe er ihr erzählt.

Die anderen Nachbarn glauben jedoch, dass Sven etwas mit Cäcilia gehabt hat. „Das sah schon eindeutig danach aus“, meint eine Frau aus dem 4. Stock und andere Mieter meinten das auch. „Andreas hat mir seinen Schlüssel für Svens Wohnung gegeben, damit er nicht mehr in Versuchung kommt, hinzugehen“, erzählt die ehemalige Hausverwalterin. Doch drei Wochen später hat er ihn doch zurückgefordert. Dann, bei offenem Fenster, habe sie das laute Liebesspiel zweier Männer hören können. „Und ob Männlein und Weiblein oder zwei Männer zugange sind, dass kann ich schon unterscheiden“, ist sie sicher.

Dazu passen die Angaben von Andreas‘ Bruder. Auch er bestätigt, dass die beiden ein Paar waren. Andreas wollte zu Sven in die Bautzmannstraße ziehen. Am Tag seines Todes noch hat er darüber mit seinen beiden Betreuern gesprochen. Dieses waren von der Idee wenig begeistert. „Ich hätte ihn lieber in ein Heim gegeben“, sagt seine Betreuerin von der Behindertenhilfe. Der zweite, von der Stadt bestellte, Betreuer wusste ebenfalls von der Dreiecksbeziehung und den Umzugsplänen. „Es war auch so, dass immer, wenn Andreas Geld hatte, dieses verschwand.“. 35 Euro pro Woche bekam er zugeteilt, die immer schnell alle waren. „Und er hat sich bedroht gefühlt“, sagt der Betreuer. Bedroht von Dominik S., der ebenfalls zur Clique gehört. Das habe ihm Andreas noch am seinem Todestag gesagt. Der Betreuer meint auch, dass es nur eine Frage der Zeit gewesen sei, bis in dieser Konstellation einer zum Opfer wird.

Und dass etwas Schlimmes passieren würde, damit scheint auch die Hausgemeinschaft gerechnet zu haben. „Bei denen war immer irgendwas los“, berichtet die Nachbarin aus dem 2. Stock. Bis in die Morgenstunden lief laute Musik, gab es Geschrei. Mehrmals habe sie wegen Ruhestörung die Polizei gerufen, doch es nach ein paar Wochen aufgegeben. „Nachts klingelten wildfremde Leute und fragten nach einer Lolita. Dann traten sie bei Cäcilia E. ein“, hieß es weiter im Gerichtssaal. Sven O. habe ständig nach Alkohol gerochen. „Wenn er oben auf der Treppe stand, hat man die Fahne gerochen“, sagen die Nachbarn.

Zum Tatzeitpunkt, dem 31. Januar, hat zwar keiner etwas bemerkt. Vergleichsweise ruhig sei es gewesen, doch seien ihnen Cäcilia und Sven in den Tagen danach aufgefallen. Sven wegen seines blauen Auges, Cäcilia weil sie verheult gewesen sei. „Fertig sah sie aus: mager, dunkle Augenringe und fettige Haare“, weiß eine Augenzeugin. Und Tage später, als sie schnell noch den Müll raus bringt, hat die Frau aus dem ersten Stock, Probleme ihren Dobermann im Zaum zu halten. „Der ist immer wieder zur Papiertonne, hat nicht auf mein Rufen gehört.“ Den Leichenfund darin macht erst die Polizei, nachdem sich Cäcilia E. gestellt hatte.

Der Prozess läuft noch bis zum 18. Dezember am Landgericht Leipzig.


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