Bei Bach geht die Post ab: Marie Friederike Schöder und ein kleines Versprechen für 2012

Ihr Auftritt im Bachwettbewerb 2008 war ein Aha-Erlebnis für für die Jury. Als sie im Finale mit dem Barockorchester Leipzig Bachs Arie "Stumme Seufzer, Stille Klagen" sang, lag ihr das Publikum zu Füßen. "Das war schon immer mein Traum", sagt Marie Friederike Schöder.
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Nicht das mit dem Publikum, dem der Atem wegblieb. Wenn auch so mache Sängerin davon träumt. Aber das mit dem Barockorchester. Denn das frühe 18. Jahrhundert, das ist die Musikzeit, in der sich die junge Hallenser Koloratirsopranistin Marie Friederike Schöder zu Hause fühlt. Wie ein Fisch im Wasser, darf man sagen. Und wer’s nicht glaubt, darf es sich anhören. Zum Beispiel auf ihrer Website. Oder bei einem ihrer Auftritte, die selten genug sind. Am 6. Februar zum Beispiel.

Da singt sie im Rahmen eines Kammerkonzertes mit Andreas Lehnert (Klarinette) und Michael Schönheit (Hammerklavier) Franz Schuberts „Der Hirt auf dem Felsen“. Für gewöhnlich pendelt ihr Leben zwischen Halle und ihrer Wahlwunschstadt Köln.
„Mit Bach bin ich groß geworden“, sagt sie. Er gehöre zu ihrer Kindheit. Und zu ihrer Ausbildung natürlich. Ihre Bach-Interpretationen hat sie bei Kammersänger Prof. Peter Schreier gelernt. Auf ihrer Website drückt sie eine Bach-Partitur ans Herz. Wenn der alte Knabe das wüsste … Aber vielleicht hat er das auch gewusst. Und seiner Anna Magdalena ging es nicht anders. Das Leipziger Bach-Völkchen braucht man dazu nicht zu fragen. Die wissen, wie man sich fühlt, wenn die Musik des Leipziger Thomaskantors von Könnern ihres Fachs interpretiert wird. Die wissen auch, was passiert, wenn unter diesen Könnern – wie im Juli 2008 – jemand auftaucht, der dann auch noch auf die strenge Etikette und alle Zurückhaltung pfeift und „sich richtig ins Zeug legt“ – wie Marie Friederike Schöder.

„Die Leute, die mit mir arbeiten, wissen: Zu Proben rocke ich generell auf der Bühne“, erzählt die junge Sopranistin bei einem Pressetermin im Januar 2011 im Bachmuseum. Da könnte man ja mal anrufen in Halberstadt, wo sie 2008 engagiert war, und in Halle, wo sie seit 2009 an der Oper engagiert ist, was dann so passiert. Sollten sich Opernsängerinen denn nicht benehmen bei der Probe? Oder stehen dann alle mit offenem Mund in der Arena und staunen einfach? Vorstellbar ist das.

Vorstellen können sich das auch die Tänzer von Flying Steps, die man beim nächsten Bachfest erleben kann mit ihrer Breakdance-Show „Flying Bach“. Aber Marie Friederike Schöder steht nicht im Programm des 2011er Festes. Manchmal werden auch den Bach-Freunden nicht alle Wünsche erfüllt. Oder sprengt die junge Dame die Normen? – Eher nicht, meint Dettloff Schwerdtfeger, der Geschäftsführer des Bach-Archivs Leipzig, das die Bachfeste verantwortet. Er ist auch zweieinhalb Jahre nach dem Wettbewerb von 2008 begeistert.

Und es gibt schon die ersten Absprachen miteinander. 2011 wird Marie Friederike Schöder nicht zum Bachfest auftreten, aber mit hoher Wahrscheinlichkeit 2012. „Und dann mit einer Oper von Hasse“, freut sie sich. Welche, das verrät sie noch nicht. – Hasse, das ist Johann Adolph Hasse. Den kannte auch Johann Sebastian Bach persönlich, erlebte ihn 1731 in Dresden, wo der 32-jährige Hasse ein Gastspiel gab. Bach spottete ein wenig über seine „hübschen Liederchen“.

1733 wurde Hasse sächsischer Hofkapellmeister. Bach wurde drei Jahre später „nur“ Hof-Compositeur“. Er wäre auch gern nach Dresden gezogen. Das blieb ihm verwehrt. Hasse wurde zeitlebens freilich eher als Kontrahent zu Händel betrachtet.

Da kann man gespannt sein, in welcher Rolle man die Bach-Wettbewerbs-Siegerin von 2008 erleben kann. Wer sich nicht gedulden mag bis dahin, dem sei der 6. Februar im Gewandhaus ans Herz gelegt. Um 18 Uhr beginnt das Konzert im Mendelssohn-Saal.

www.gewandhaus.de

Die Website der Sängerin – unter anderem mit dem Download ihres Auftritts von 2008:
www.mariefriederikeschoeder.de

Ihre Interpretation von Joseph Haydn „Amore net mio petto“ auf Youtube:
www.youtube.com/watch?v=07npY30x2tY

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