Im Rathaus findet heute die turnusmäßige Stadtratssitzung statt. Darin geht es u.a. um Nachbesserungen am Haushalt 2025/26. Das Zeitgeschichtliche Forum zeigt am frühen Abend die Verfilmung von Erich Loests Wende-Roman „Nikolaikirche“ bei freiem Eintritt, am Landgericht wird der Prozess gegen den Frauenmord von Reudnitz fortgesetzt, in Quedlinburg eröffnet das umgebaute Feininger-Haus.

Stadtrat kommt zu aktueller Sitzung zusammen

Ab 14 Uhr tagt im Neuen Rathaus der Leipziger Stadtrat die heutige Ratsversammlung. Stadträtinnen und Stadträte beraten über Themen, die den Kurs der Stadt für die nächsten Jahre spürbar prägen werden. Im Mittelpunkt steht der Doppelhaushalt 2025/26, der unter dem Druck enger Kassen und unter Auflagen der Landesaufsicht neu austariert werden muss. Es geht dabei um die Frage, welche Projekte Leipzig sich weiterhin leistet – von Schulen und Kitas über Kulturangebote bis hin zur Verkehrsinfrastruktur und zum Klimaschutz.

Auf der Tagesordnung stehen außerdem mehrere Grundsatzentscheidungen: So wird über die weitere Entwicklung des kommunalen Klinikums St. Georg beraten, das als wichtiger Baustein der städtischen Gesundheitsversorgung gilt. Dazu kommen Vorlagen, die den Wohnungsbau beschleunigen und bezahlbaren Wohnraum sichern sollen.

Ein Antrag befasst sich mit der Existenzsicherung und den Öffnungszeiten der beliebten „Spätis“, den Spätverkaufsstellen im Stadtgebiet. In der integrierten Bürgerfragestunde stehen unter anderem das Anwohnerparken, Lärmkonflikte in einzelnen Vierteln, Probleme rund um Großveranstaltungen sowie das Leipziger Toilettenkonzept auf der Agenda. Bürgerinnen und Bürger können die Debatte von der Besuchertribüne aus vor Ort verfolgen oder den Livestream der Stadt nutzen, der mit Sitzungsbeginn auch hier auf LZ übertragen wird – eine Gelegenheit, Kommunalpolitik direkt und ungefiltert mitzuerleben.

Kinoabend mit dem Wende-Drama „Nikolaikirche“

Das Zeitgeschichtliche Forum in der Grimmaischen Straße zeigt heute um 18 Uhr den prominent besetzten Spielfilm „Nikolaikirche“ (1995) nach dem gleichnamigen Roman von Erich Loest. Der Film von Regisseur Frank Beyer (1932 – 2006) erzählt die Geschichte der  Familie eines verstorbenen Generals der Staatssicherheit, gefangen im Konflikt zwischen Systemtreue und Aufbegehren.

Während die Hauptfigur, Architektin Astrid Protter, als Tochter die Täuschungen des Systems durchschaut und nach Auswegen sucht, setzt ihr Bruder Alexander Bacher seine Karriere als Offizier der Staatssicherheit fort und bemüht sich dennoch, seine Familie vor Belästigungen durch die eigene Behörde zu bewahren. Die familiären Spannungen kulminieren in den Montagsdemonstrationen von 1989.

Dort reagiert die Staatsmacht zunächst mit brutaler Gewalt gegen die Protestierenden, die ihrerseits jedoch am 09. Oktober mit Schweigen antworten und friedlich am verbarrikadierten Stasigebäude vorbeiziehen. Zu sehen sind u.a. Ulrich Mühe, Otto Sander, Barbara Auer, Jutta Wachowiak, Peter Sodann und Rolf Ludwig.

Im anschließenden Podiumsgespräch (ca. 20:30 Uhr) sprechen Dr. Anselm Hartinger (Stadtgeschichtliches Museum Leipzig), Dr. Andreas Kötzing (Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung) und Dr. Elizabeth Ward (Universität Leipzig) über die historischen Hintergründe, die filmische Umsetzung und die Bedeutung von Erich Loest für die Leipziger Erinnerungskultur.  Die Veranstaltung ist Teil der Reihe “100 Jahre Erich Loest”. Der Eintritt ist frei.

Otto Sander und Ulrich Mühe in der Verfilmung des Romans “Nikolaikirche”. Foto: NDR / WDR / Christa Köfer

Sanierte Pilgerstätte für Feininger-Fans

Auch wenn es ein Stück zu fahren ist – aber das Wochenende steht ja schon mit halbem Fuße auf der Schwelle. Mit der Ausstellung „Mensch, Meister, Modernist – Feininger im Fokus“ eröffnet das Feininger-Museum in Quedlinburg heute sein 40-jähriges Jubiläumsjahr mit völlig neu konzipierter Ausstellung nach umfangreichen Umbaumaßnahmen. Der Bestand  wird nun durch bedeutende Leihgaben ergänzt.

Im Mittelpunkt steht der Künstler als eine der prägenden Figuren der Klassischen Moderne. Geboren in New York als Sohn deutsch-amerikanischer Eltern, wuchs er in einem musikalischen Umfeld auf. Mit 16 kam er nach Deutschland, wurde in Berlin Karikaturist. 1907 entschied er sich für die Malerei, wurde 1919 als einer der ersten Meister ans Bauhaus geholt. Nebenher arbeitete er fotografisch und komponierte zwischen 1921 und 1927 dreizehn Fugen. 1937 emigrierte Feininger in die USA.

Mit Quedlinburg selbst war Feininger selbst nie direkt verbunden. Dass sich das Museum heute dort befindet, ist der Emigration des Künstlers geschuldet. Einen erheblichen Teil seines Werkes übergab er seinem Freund Hermann Klumpp, aus Quedlinburg stammend. Der begann früh, Werke Feiningers zu sammeln und bewahrte diese während der NS-Zeit vor der Vernichtung. 1986 wurde in Quedlinburg die Lyonel-Feininger-Galerie gegründet, nahm die von Klumpp bewahrte Sammlung auf.

Das Museum hat ab heute werktags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Anders als in Leipzig, ist DIENSTAG der museale Ruhetag. An den Wochenenden finden regelmäßig öffentliche Führungen statt. Nähere Informationen zu den Terminen unter www.museum-feininger.de

Ab dem 31. März 2026 folgt mit „Vier machen Blau – Feininger · Jawlensky · Kandinsky · Klee“ eine Ausstellung zur Künstlergruppe „Die Blaue Vier.“

Die neue Ausstellung verbindet Werk und Biographie des Expressionisten. Foto: Kulturstiftung Sachsen-Anhalt

Fortsetzung im Reudnitzer Frauenmordprozess

Im Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder Nick W. werden heute Zeugen vernommen, unter anderem Angehörige der toten Susann K., der einstigen Partnerin des Beschuldigten und Mutter des gemeinsamen Kindes. Zudem ist geplant, den Jungen anzuhören, der die Frau blutüberströmt auf dem Gehweg im Stadtteil Reudnitz gefunden zu haben (LZ berichtete).

Unser Reporter Lucas Böhme schreibt im Tagesverlauf hier auf LZ aktuell über den Prozesstag im Landgericht.

So können Sie die Berichterstattung der Leipziger Zeitung unterstützen:

Keine Kommentare bisher

Schreiben Sie einen Kommentar