Die baufällige Georg-Schwarz-Brücke in Leipzig-Leutzsch ist ab heute für den Straßenbahnverkehr gesperrt. Auf dem Gelände des Freiladebahnhofs wird zwar noch immer nicht gebaut, aber Architekturstudenten haben sich Gedanken gemacht, wie es sich in Zukunft dort leben lassen könnte. Und im Leipziger Dubnow-Institut endet heute eine Ausstellung zu jüdischem Leben nach dem Ende des Holocaust.

Ab heute mit Bus statt Bimmel nach Böhlitz

Über die marode Georg-Schwarz-Brücke in Leutzsch fährt ab heute erstmal keine Straßenbahn mehr. Der katastrophale Zustand der Gleise lässt einen Fahrbetrieb nicht mehr zu. Fußgänger, Radler und Autofahrer können zunächst beruhigt sein: die zwar ohnehin schon eingeschränkte Nutzbarkeit soll nach Auskunft des Tiefbauamtes vorerst gesichert bleiben.

Die Straßenbahnlinie 7 endet ab sofort an der Gleisschleife Philipp-Reis-Straße. Zwischen Leutzsch, Philipp-Reis-Straße und Böhlitz-Ehrenberg – weiter bis Burghausen, Am Dorfplatz – fahren Busse im Schienenersatzverkehr (SEV). Sie verkehren im 10-Minuten-Takt und orientieren sich am bisherigen Fahrplan der Linie 7.  Fahrgäste sollten dennoch mehr Zeit einplanen, da Busse auf mögliche Staubildungen reagieren müssen.

Wie lange die Einschränkung dauert, können die Leipziger Verkehrsbetriebe noch nicht sagen, der Doppelbrücke stehen mit Abriss und Neubau enorme Arbeiten bevor. Es bedarf einer speziellen Schienenkonstruktion, die mit den laufenden Arbeiten vereinbar ist. Ob und wann die Bahn wieder fahren kann, muß daher kurzfristig entschieden werden. Bis dahin bleibt es beim Fahren mit dem Bus, falls der nicht auch noch zu schwer wird auf dem Weg in eine bessere Brückenzukunft.

Unabhängig von der heutigen Bahn-Sperrung läuft das Mammut-Projekt zum Neubau der Georg-Schwarz-Brücke weiter. 100 Millionen soll das neue Bauwerk stand heute kosten. Und 2032 fertig sein. Ein baubedingtes Ende des Straßenbahnbetriebs war ursprünglich erst für 2028 geplant. Anwohner bezweifeln indes, ob vor dem geplanten Neubau überhaupt noch einmal ein Straßenbahnbetrieb stattfinden wird. Beim Blick auf die kommunale Haushaltslage scheint diese Sorge berechtigt.

Weimarer Visionen für Leipziger Freiladebahnhof

Bewegung, Euphorie und tausende Wohnungen waren im Gespräch. Das Gelände des einstigen Freiladebahnhofs in Leipzig Eutritzsch sorgt seit Jahrzehnten für Aufmerksamkeit. Voran geht’s offenbar nicht, aber immerhin machen sich nun Studierende von auswärts Gedanken darüber, wie die Gegend mal aussehen könnte.

Das bebaubare Areal ist eine der letzten verfügbaren Flächen der Stadt zur Gründung großer Wohnquartiere. Es umfasst derzeit 15 Hektar, was in etwa dem Ausmaß von 21 Fußballfeldern entspricht. Mehr als zehn Jahre ziehen sich Planung und Baubeginn bereits hin. Teile des Gebietes verkauft die Deutsche Bahn, anders als erhofft, wohl doch nicht. Andere Eigentümer wechselten, aus einem Gesamtkonzept wurde ein lebhafter Handel mit einzelnen Parzellen.

Vor diesen Hintergründen wird das Areal „Freiladebahnhof“ nun erst einmal zum studentischen Experimentierfeld. Studierende der Bauhaus-Universität Weimar haben städtebauliche Ideen entwickelt, wie aus diesem Grundstück ein neuer Leipziger Stadtteil werden könnte. Zu sehen sind die Visionen jetzt in der Leipziger Zweigstelle der sächsischen Architektenkammer am Dorotheenplatz 3.

Heute Abend wird die Ausstellung im Beisein der jungen Planer um 18 Uhr eröffnet und kann ab morgen während der regulären Geschäftszeiten des Kammerbüros besichtigt werden. Freitag 9:00–12:00 Uhr, Montag bis Donnerstag 9:00–15:00 Uhr und nach Vereinbarung. Aus organisatorischen Gründen werden interessierte Besucher um eine  vorherige Anmeldung gebeten: Tel. 0341 9605883 oder leipzig@aksachsen·org .

Die Entwürfe zum Freiladebahnhof Ost – hier von der Gruppe 2 – entstanden im Sommersemester 2025 im Bachelorstudiengang Architektur und Urbanistik und wurden von der Professur Städtebau betreut. Foto: Bauhaus-Universität Weimar

Ausstellungsende im Dubnow-Institut

Heute endet die Ausstellung „Der bestimmende Blick. Bilder jüdischen Lebens im Nachkriegspolen“ mit einer Finissage. 145 historische Fotografien zeigen jüdisches Leben in Polen unmittelbar nach dem Holocaust. Ambivalenzen zwischen Selbstbestimmung und Gewalt, Trauer und Neuanfang, Wiederaufbau und Emigration. Die Ausstellung entstand gemeinsam mit dem „Jüdischen Historischen Institut Emanuel Ringelblum“ in Warschau, das eine der bedeutendsten Sammlungen zur polnisch-jüdischen Geschichte bewahrt.

Die heutige Veranstaltung beginnt um 17 Uhr mit einem Vortrag über eine andere, frühere Wanderausstellung aus den Beständen des Warschauer Jüdischen Historischen Instituts. Diese wollte die Jüdische Gemeinde ursprünglich 1963 in West-Berlin zeigen, jedoch stieß sie im Zuge des Kalten Kriegs und bedingt durch Schuldabwehr auf Vorbehalte. Veranstaltungsort ist das Dubnow-Institut in der Goldschmidtstraße 28.

So können Sie die Berichterstattung der Leipziger Zeitung unterstützen:

Keine Kommentare bisher

Schreiben Sie einen Kommentar