Kaum sind die KopfhÃķrer aufgesetzt, geht die Zeitreise schon los: âKinder, ist das Wetter auÃer Rand und Band! Das gibt einen sagenhaften Sonnenbrandâ, schmettert DDR-Schlagerikone Chris Doerk im Titelsong zum DEFA-Filmmusical âHeiÃer Sommerâ von 1968, gedreht mit Frank SchÃķbel in der Leipziger City. Doch die neue Ausstellung im Stadtgeschichtlichen Museum reicht noch viel weiter zurÞck und fÃĪngt 400 Jahre Leipziger Sommergeschichte ein.
Wolkenloser Himmel, Sonne satt, Leichtigkeit, Freiluftparty, laue NÃĪchte: Der Sommer gilt gemeinhin als die Jahreszeit purer Lebenslust, fÞr viele voller Erinnerungen â vielleicht ans Eisessen mit Mami und Papi, den frÃķhlichen Urlaubsflirt oder die unbeschwerten Plansch-Nachmittage im Freibad nebenan. Bilder, die frÞher auf Postkarten, alten Filmen und Videokassetten landeten, fÞllen heute Speichermedien, Festplatten und Gehirne.
Ein besonderes LebensgefÞhl
Und nachdem das Stadtgeschichtliche Museum 2021/22 bereits eine Winterausstellung im Programm hatte, kam schon damals die Frage auf, ob man nicht auch dem Pendant seinen Raum geben kann, so Museums-Kuratorin Dr. Maike GÞnther beim Pressetermin im Haus BÃķttchergÃĪÃchen am Dienstag.
Gesagt, getan! Unter dem Titel âSonne. Satt. Sommer in Leipzigâ prÃĪsentiert das Museum ab morgen den Besucherinnen und Besuchern auf etwa 450 qmÂē eine neue Sonderausstellung, die 400 Jahre Leipziger Sommergeschichte durchstreift â und damit das besondere LebensgefÞhl jener opulenten Jahreszeit zwischen FrÞhlingserwachen und Herbstbeginn vor unserer HaustÞr sinnlich vermittelt.
Zeitreise an lÃĪngst vergessene Leipziger Badestellen
Einen der vier Schwerpunkte bildet der Freiluft- und Schwimmsport, der die Besucherschaft unter anderem an Badestellen des einstigen Leipzig entfÞhrt, oft lÃĪngst vergessene Orte.
Oder wer hat schon mal von Neuberts Schwimm- und Badeanstalt gehÃķrt? Die erste gebaute, Ãķffentliche Schwimm- und Badeeinrichtung der Stadt Ãķffnete 1842 am ElstermÞhlgraben, heute der Bereich zwischen Elster- und Friedrich-Ebert-StraÃe, und legte Wert auf eine Schwimmausbildung durch Fischer. Wegen der Elster-Regulierung endete der Betrieb 1865, das GelÃĪnde wurde abgerissen, auf einer Insel entstand 1866 das heutige Schreberbad.
Neuberts Schwimm- und Badeanstalt besaà ein separates Damenbad, damals keine SelbstverstÃĪndlichkeit. Ein ausgestellter Original-Strand- und Badeanzug fÞr Frauen bedeckte weite Teile des KÃķrpers, lÃĪsst die sittlich-moralische Vorstellungswelt einer vergangenen Zeit aufblitzen. Doch auch das Nacktbaden war, schon in der vorindustriellen Ãra, durchaus verbreitet.
Reisen nach Nah und Fern
Ein weiterer Schwerpunkt erfasst den Sommer als Phase von Urlaub und Auszeit. Leipzigs berÞhmte SchrebergÃĪrten â mit denen der Namensgeber Þbrigens de facto nichts zu tun hatte â dÞrfen da nicht fehlen, aber auch nicht die zahlreichen Orte der Ãķffentlichen Naherholung.
Und wer es sich leisten konnte, entfloh der stÃĪdtischen Beengtheit, suchte âSommerfrischeâ in den zahlreichen DÃķrfern um Leipzig, die bis Ende des 19. Jahrhunderts noch nicht eingemeindet waren, oder reiste weiter in die Ferne. Die zarten AnfÃĪnge des modernen Tourismus.
Zwischen Eis und Volksfest
Wer gezwungenermaÃen in Leipzig blieb, hatte immer noch so seine MÃķglichkeiten, erhielt Zerstreuung beim Sommertheater, beim Eisessen, auf SpaziergÃĪngen oder Festtagen. Zum âMargaretentagâ, einem heute weitgehend vergessenen Sommer-Volksfest, wurden Spenden fÞr Kinder armer Familien gesammelt.
Zumindest offiziell: Faktisch karikierten schon kritische Zeitgenossen die gnÃĪdige WohltÃĪtigkeit des jÃĪhrlichen Festtags als reines VergnÞgen von (Frauenâ)Gruppen aus Adel und BÞrgertum, die Tradition verschwand mit dem Ersten Weltkrieg. Dies und viel mehr zur Sommerkultur und -kulinarik erfÃĪhrt man im dritten Schwerpunkt zum âHeiÃen Sommer in der Stadtâ.
Hitzesommer in Zeiten des Klimawandels
Doch bei aller Freude: Der andere Blickwinkel gehÃķrt in Zeiten des Klimawandels dazu. âDer sonnig-heitere Sommer hat immer auch eine Schattenseite, die wir thematisiert habenâ, sagt Kuratorin Dr. GÞnther. Unter dem Titel âKlirrende DÞrreâ geht es im letzten Ausstellungsschwerpunkt um die Wetterextreme, die wir im Mikrokosmos der Stadt zu spÞren bekommen, zwischen DÞrre und wÞtenden Unwettern.

Dazu wurden viele Experten konsultiert. Die ernste Thematik sollte ins Programm, der moralische Zeigefinger aber unten bleiben: Daher wird auch der lÃķsungsorientierte Blick in die Zukunft angedeutet, indem Strategien aufgezeigt werden, wie Leipzig das Problem des Klimawandels zwar nicht allein beheben wird, zumindest aber unweigerliche Folgen durch Anpassung abmildern kann: Stichwort Schwammstadt, innovativer StÃĪdtebau, FassadenbegrÞnung.
Interaktive Ausstellung, die fast alle Sinne anspricht
Insgesamt verspricht die neue Ausstellung ein interaktives Angebot, bei dem âleichtfÞÃig, aber nicht leichtfertigâ die wechselnden SommergefÞhle des historischen Leipzig vom 17. Jahrhundert bis in die Gegenwart zur Sprache kommen â mit zahlreichen Exponaten der Sommermode, Bildern, Infotafeln und Mitmachstationen.Â
FÞr Kinder gibt es ein Bastelheft, eine Duftstation lÃĪsst pures Sommer-Feeling in die Nase steigen und bei einem kleinen GerÃĪuschrÃĪtsel mÞssen SommerklÃĪnge aus der Stadt richtig zugeordnet werden. Oder man lauscht nostalgisch den Sommerhits frÞherer Tage. Interaktiv fordert die Ausstellung heraus, spricht, ganz im Sinne des Sommers, alle Sinne an.
Zumindest beinahe: Der Geschmackssinn musste, bei aller Liebe, zurÞckstecken. Eisschlecken im Museum, so die Verantwortlichen mit Augenzwinkern, sei auch weiterhin nicht mÃķglich.
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Die Sonderausstellung âSonne. Satt. Sommer in Leipzigâ ist vom 29. April bis 25. Oktober 2026 im Stadtgeschichtlichen Museum, Haus BÃķttchergÃĪÃchen, zu sehen.
Ãffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag sowie an Feiertagen, jeweils 10:00 Uhr bis 18:00 Uhr. Erwachsene zahlen 8 Euro Eintritt, ermÃĪÃigt 4 Euro, bis 18 Jahre ist der Zutritt frei. An jedem ersten Mittwoch im Monat kostet der Eintritt 3 Euro.
Ein umfassendes Veranstaltungsprogramm begleitet die Sonderausstellung in den kommenden Monaten. Mehr Informationen gibt es auf der Homepage des Stadtgeschichtlichen Museums.
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