Die Sammlung des Stadtgeschichtlichen Museums Leipzig umfasst mittlerweile mehr als 50 Arbeiten des Leipziger Künstlers Matthias Klemm. Ein Teil dieser Werke ist dauerhaft in der Ausstellung im Alten Rathaus zu sehen, darunter das eindrucksvolle Gemälde „Erfasst, geschunden und doch lebendig“ von 1992, das sich mit der Stasi-Überwachung in der DDR auseinandersetzt. Anlässlich seines 85. Geburtstages zeigt das Museum unter dem Titel „Lebendige Hoffnung“ vom 1. April bis 28. Juni 2026 im zweiten Obergeschoss des Alten Rathauses eine weitere Auswahl aus seinem Gesamtwerk.

Die Ausstellung ist kostenfrei Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr zugänglich.

Matthias Klemm wurde am 8. Mai 1941 in Bromberg (Bydgoszcz) geboren. Nach einer Ausbildung zum Werbegrafiker studierte er an den Kunsthochschulen in Dresden und Leipzig und ist seit 1965 freischaffend tätig. Früh arbeitete er für kirchliche Auftraggeber und gestaltete unter anderem Plakate, Glasfenster und Innenräume. Sein Engagement in der kirchlichen Friedensbewegung führte in der DDR zu staatlicher Skepsis und erschwerte ihm zeitweise die Mitgliedschaft im Verband Bildender Künstler.

Matthias Klemm: Andris Nelsons dirigiert, Walztechnik/Kreide, 2018, Inv.-Nr.: K/2023/99. Foto: Stadtgeschichtliches Museum Leipzig
Matthias Klemm: Andris Nelsons dirigiert, Walztechnik/Kreide, 2018, Inv.-Nr.: K/2023/99. Foto: Stadtgeschichtliches Museum Leipzig

Zu seinen bekanntesten Werken zählt die großformatige Darstellung des gekreuzigten Christus mit der Inschrift „Angeklagt der Anstiftung zum Frieden“ von 1982, die ursprünglich für die Thomaskirche geschaffen wurde. Auch dieses Werk ist heute im Alten Rathaus zu sehen. Nach 1989 setzte sich Klemm künstlerisch mit den Ereignissen der Friedlichen Revolution auseinander, insbesondere in seinen vielfach reproduzierten „Tagebuchblättern“, die als besonders authentisches Zeitzeugnis gelten.

In den vergangenen Jahren wurde der Museumsbestand kontinuierlich erweitert. Zu den Neuzugängen zählen unter anderem ein grafischer Zyklus zur Matthäus-Passion Johann Sebastian Bachs sowie Porträts bedeutender Gewandhauskapellmeister und Thomaskantoren der jüngeren Vergangenheit. In diesen Arbeiten hält Klemm seine Motive bevorzugt in Momenten höchster Konzentration und Dynamik fest.

In der Begründung zur Verleihung der Ehrenmedaille der Stadt Leipzig im Jahr 2012 wird sein Werk als „ein künstlerischer Aufruf gegen Angst und Gleichgültigkeit“ gewürdigt.

So können Sie die Berichterstattung der Leipziger Zeitung unterstützen:

Redaktion über einen freien Förderbetrag senden.
oder

Keine Kommentare bisher

Schreiben Sie einen Kommentar