Der sächsische Innenminister Armin Schuster (CDU) fordert nach den Ausschreitungen bei Dynamo Dresden „drakonische“ Strafen. Sollten diese ausbleiben, hätte das Konsequenzen für die nächste Innenministerkonferenz, so Schuster. Die Grünen im sächsischen Landtag bezeichnen seine Reaktion als „erwartbar“, „plump“ und „pauschal“.

Schuster hatte nach den Ausschreitungen beim Zweitligaspiel zwischen Dynamo Dresden und Hertha BSC geäußert, dass seine Geduld „endgültig“ am Ende sei: „Nach diesem erneuten Skandalspiel kann es für die weiteren Verhandlungen oder Gespräche kein Pardon mehr geben.“ Die Ausschreitungen seien sinnbildlich für eine „Gewaltfolklore“ im deutschen Fußball.

Mit Blick auf die kommende Innenministerkonferenz im Juni ergänzte Schuster, dass deren „Charakter auch maßgeblich davon geprägt sein wird, wie drakonisch die Konsequenzen sind, die aus diesen Krawallexzessen gezogen werden.“

Der dafür verantwortliche Fußballverband DFB verurteilte die Ausschreitungen und kündigte Ermittlungen an. Den beiden Vereinen drohen verschiedene Konsequenzen, darunter Geldstrafen und Publikumsausschlüsse.

Grüne wollen friedliche Fans nicht in Mithaftung nehmen

Strafen für die Täter fordert auch Valentin Lippmann, innen- und sportpolitischer Sprecher der Grünen im Landtag. Gleichzeitig kritisiert er den Innenminister: „Die Reaktionen von Armin Schuster sind leider erwartbar und in der plumpen Pauschalität vollkommen überzogen.“ Der überwiegende Teil der Fußballfans sei friedlich und dürfe nicht in Mithaftung genommen werden.

Lippmann wehrt sich daher gegen Pläne, Fan-Rechte und Bürgerrechte rund um Fußballspiele weiter einzuschränken. Aktuell hat sich Schuster noch nicht zu möglichen Konsequenzen geäußert, allerdings könnten bald wieder ähnliche Themen auf die Tagesordnung der Innenministerkonferenz kommen wie schon im vergangenen Jahr.

Kehren die alten Forderungen zurück?

Damals hatten Politiker*innen unter anderem über personalisierte Tickets, automatische Gesichtserkennung und verschärfte Stadionverbote diskutiert. Die Forderungen standen im Kontrast zu Statistiken, wonach die Gewalt in Stadien deutlich zurückgegangen war. Unter anderem deshalb gab es heftige Proteste aus den Fanszenen, beispielsweise bei der Großdemo in Leipzig im November. Letztlich legten die Innenminister*innen ihre Pläne vorerst auf Eis.

Gegner*innen solcher Maßnahmen befürchten nun, dass die aktuellen Bilder aus Dresden stärker wirken könnten als Statistiken und Demonstrationen aus dem vergangenen Jahr. Während der Partie gegen Hertha waren Fans beider Seiten auf den Rasen gesprungen und hatten sich Auseinandersetzungen geliefert. Dabei wurde auch Pyrotechnik geschossen. Anlass war offenbar ein von Dynamo-Ultras geklautes Banner im Hertha-Gästeblock.

BSW fordert Konsequenzen

Forderungen nach Konsequenzen gibt es jetzt auch aus der Landtagsfraktion des BSW. Der innenpolitische Sprecher Bernd Rudolph sagt: „Konsequente Stadionverbote, klare Auflagen und ein entschiedenes Vorgehen gegen gewaltbereite Gruppen müssen selbstverständlich werden. Vereine stehen hier in der Verantwortung – und sie müssen dieser auch gerecht werden.“

Als letztes Mittel müsse man notfalls auch darüber nachdenken, den Vereinen die Kosten für Polizeieinsätze in Rechnung so stellen, so Rudolph.

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