Auch in einer angespannten Wirtschafts- und Weltlage scheint die Stimmung gut: „Es ist definitiv das beste Museumsjahr unserer Geschichte. Wir können mit breiter Brust in alle Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft gehen“, zeigt sich Anselm Hartinger überzeugt. Gemeinsam mit Mitgliedern seines Teams bilanzierte der Direktor des Stadtgeschichtlichen Museums am Dienstag das vergangene Jahr und gab einen Ausblick, was die Leipziger trotz knapper Stadtkasse im Jahr 2026 erwartet.

Doch angefangen wurde beim Pressetermin im Kaffeehaus „Zum Arabischen Coffe Baum“ am Dienstag zunächst mit der Jahresbilanz 2025. Die kann sich sehen lassen: 603.082 Besucher in allen Häusern und Ausstellungsstätten bedeuten einen Allzeit-Rekord und ein Plus von etwa zehn Prozent im Vergleich zu 2024, das für sich auch schon als Erfolg galt.

Museum, Kaffeehaus und Touri-Treffpunkt

Ein Umstand, der sicher auf die seit zwei Jahren eintrittsfreien Dauerausstellungen zurückgeht, aber auch der engagierten Arbeit des Teams geschuldet ist, wo sich keiner zu schade sei, kräftig anzupacken, sagt Anselm Hartinger.

Zu den Höhepunkten 2025 zählt er die Wiedereröffnung des Ortes, an dem zum Pressetermin geladen war: Nach sechsjähriger Schließung werden seit Frühjahr 2025 unter neuen Pächtern wieder Gäste in Europas ältestem, durchgehend geöffneten Kaffeehaus „Zum Arabischen Coffe Baum“ begrüßt. Ab 1. Juli 2025 hatte in den Obergeschossen denn auch die aufgefrischte Ausstellung des Stadtgeschichtlichen Museums zum Thema Kaffee Neugierige eingeladen.

Die anheimelnden Räume im zweiten Geschoss des "Coffe Baum". Foto: Ralf Julke
Die anheimelnden Räume im zweiten Geschoss des Coffe Baum (2025). Foto: Ralf Julke

Touristenattraktion, Gastronomie und zeitgemäße Museumsarbeit gehen eine Symbiose ein, die ein Thema von globaler Bedeutung mit viel Lokalkolorit aufgreift. Und auch der kritische Blick auf den Kaffee, jenes beliebte Heißgetränk der Sachsen, werde nicht ausgespart, so Kuratorin Maike Günther. 30.000 Gäste konnten seit der Wiederaufnahme des Betriebs bis Ende 2025 verzeichnet werden – selbst optimistische Prognosen seien damit getoppt worden.

Der klamme Stadthaushalt bleibt nicht ohne Folgen

Ob das auch 2026 gelingt? Die klamme Haushaltssituation der Stadt ist nichts, was am Stadtgeschichtlichen Museum so einfach vorüberzieht. Trotzdem, so betont Museumsdirektor Hartinger, vertraue er darauf, dass die Stadt ein gutes Kulturangebot aufrechterhält.

Doch keine Frage: Momentan ist es finanziell ein „Fahren-auf-Sicht“, das sich mit dem langfristigen Vorlauf in der Ausstellungsplanung denkbar schlecht verträgt. Mit diesem Spannungsfeld müsse man „ein Stück weit leben“, meint Anselm Hartinger.

Anselm Hartinger. Foto: Lucas Böhme
Trotz weltweiter Krisen und angespannter Haushalte: Museumsdirektor Anselm Hartinger ist optimistisch. Foto: Lucas Böhme

Neues im Gepäck hat er aber reichlich: So ist die Sandmännchen-Sonderausstellung bis 15. März 2026 verlängert worden. Eine weitere namens „Stadt im Fluss. 800 Jahre Leipziger Wassergeschichte“ greift vom 11. März bis 17. Mai im Böttchergäßchen die Historie des kühlen Nass auf: Anhand alter Karten, Archivalien und Geräte zeigt sie, wie der Mensch in Leipzig über Jahrhunderte hinweg die Flussläufe der Stadt formte – und wie das Wasser auch die Menschen hier seit dem Mittelalter geprägt hat.

Ausstellungen zum jüdischen Themenjahr in Sachsen

Im Rahmen des Themenjahres „TACHELES“ zur jüdischen Kultur in Sachsen befassen sich zwei Ausstellungen, teils in Kooperation, mit der Vita und dem Werk des Fotografen Fred Stein (1909–1967). Der zeitweise in Leipzig lebende Jude und Sozialist galt als Pionier der Kleinbildkamera, lebte nach der Flucht aus Nazi-Deutschland im Exil, wo er das Sozial- und Alltagsleben festhielt.

Vom 1. April bis 4. Juli 2026 wird in der Deutschen Nationalbibliothek (DNB) mit der Ausstellung „Out of Exile. The Photography of Fred Stein“ an ihn erinnert. Vom 1. Juli bis 31. Juli kann man sich auch im Capa-Haus über ihn informieren: Hier werden unter dem Motto „Fred Stein und der Spanische Bürgerkrieg“ Fotos geflohener Kinder und Porträts von Gerda Taro (1910–1937) zu sehen sein.

Ebenfalls über längere Zeit geht im Böttchergäßchen die Sonderausstellung „MOMENTAUFNAHME. Das Fotoarchiv Mittelmann“, nämlich vom 3. Juni 2026 bis 31. Januar 2027: Sie befasst sich mit Fotoporträts, die 1988 auf dem Dachboden eines Hauses im Peterssteinweg entdeckt worden waren. Die Glasnegative mit etwa 1.800 Abgebildeten hatte der jüdische Fotograf Abram Mittelmann (1876–1942) hinterlassen, der 1938 vor dem NS-Regime aus Leipzig geflüchtet war.

Nur ein Bruchteil der Porträts konnte bislang identifiziert werden: So meldete sich infolge eines Aufrufs eine Nachfahrin der jüdischen Rauchwarenhändler-Familie Harmelin, die ihre Großmutter auf einem der Mittelmann-Fotos erkannt hatte. Die war vom NS-Regime nach Theresienstadt verschleppt worden, hatte die Deportation knapp überlebt. Doch viele Biografien und Schicksale hinter den Porträts liegen nach wie vor im Dunkeln.

Zwischen Badespaß und Klimawandel: Leipzigs Sommergeschichte im Fokus

„Sonne. Satt. Sommer in Leipzig“: Vom 29. April bis 25. Oktober 2026 durchstreift eine Sonderausstellung im Haus Böttchergäßchen 400 Jahre Leipziger Sommergeschichte – „leichtfüßig, aber nicht leichtfertig“, wie es heißt: Denn die Romantik von Urlaub, Sonne satt, Eis am Stiel, Badespaß, Freizügigkeit und Openair-Partys ist in Zeiten des Klimawandels nur eine Seite der Medaille.

Wetterextreme werden uns vor Herausforderungen stellen, die Sommer in der Stadt weiter aushaltbar zu gestalten. Zahlreiche Objekte, darunter ein angeblich unsinkbarer Badeanzug, laden dazu ein, die Jahreszeit von Sinnlichkeit und Lebenslust in Leipzig neu zu entdecken.

Völkerschlachtdenkmal mit dem See der Tränen im Vordergrund.
Das berühmte Völkerschlachtdenkmal in Leipzig. Foto: Ralf Julke

Und wem es tatsächlich zu warm wird, findet vielleicht etwas Abkühlung in den Fundamenten des Völkerschlachtdenkmals: Hier soll im Frühjahr eine Ausstellung öffnen, welche die Historie von Leipzigs Wahrzeichen vermittelt. Ab sofort gibt es in der Ruhmeshalle übrigens eine Kommentierung der symbolhaften Monumentalfiguren durch neue Installationen.

Weitere Ausstellungen und Projekte

Weitere Projekte sind aktuell das frisch eröffnete Ausstellungsprojekt „Kyjiw im Wandel: Von der Unabhängigkeit zur Identität“ (Altes Rathaus, 20. Januar bis 31. März 2026) sowie eine für 2026 in Kooperation mit dem Zeitgeschichtlichen Forum geplante Veranstaltungsreihe „50 Jahre Grünau.“

Und auch im kommenden Winter soll es wieder eine Ausstellung geben, deren genauer Inhalt noch geklärt wird. Ebenso werden Überlegungen zu einem Symposium über Leipzigs Militärgeschichte angestellt.

Kurzum: Trotz aller Krisen geht der Blick tatkräftig nach vorn. Und das ist sicher auch gut so.

Weitere aktuelle Informationen des Stadtgeschichtlichen Museums.

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